Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1870)
- Date
- 1870-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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742 der Tag mit aller seiner Herrlichkeit und die Nacht mit dem Monde und all deU zahllose» Gestirnen im Preise des Höchsten wetteifern, wie lche Gvmre i» ihrer Pracht, «nt ihren alles durchdringenden, belebenden und erwärmenden Strahlen ohne Wort und ohne Rede den Ruhm ihres Schöpfers durch das Weltall trägt, wie wir von allen Enden der Erde Lobgesang vernehmen (upav nn'oi pxn fpuo), wie das Meer mit allen seinen Wundern den allmächtigen und allweisen Schöpfer preist, so ist auch der Schöpfung Meisterwerk, der Mensch dazu da, um den Namen seines Gottes zu verherrlichen. „Wohlan denn preiset den Herrn, alle Diener des Herrn!" Denn unser höchster Lebensberuf ist, Gottes Diener zu sein. Er ist unser Schöpfer, unser Bildner, unser Verfertiger; wie der Ton in der Hand des Töpfers, also sind wir in Seiner Hand; Er ist unser Wichlthäter, unser Vater, unser König. Auch unseres großen Lehrers Mofchch höWer Ruhm war, cutfn 122, Gottes Diener zu fein. Was ist unser Leben, wenn wir eS anders auffassen, als daß es bestimmt sei, zum Dienste des Höchsten? Wie eitel, thöricht und nutzlos wäre es dann! Was sind alle Genüsse der Welt? Rur wünschenswerth, solange sie unerreicht, aber nicht befriedigend, wann sie erreicht. Was sind Menschenfreuden, Menschenwünsche, Menschenhoffnungen, so lange sie am Irdischen und Vergänglichen haften? Erst, wenn wir das Ewige und Unvergängliche erstreben, erhält unser Leben Werth. 'n 'S dkid pio 'n iny rwo dw nci „Und es starb dort Moscheh, der Knecht deS Ewigen, im Lande Moab auf des Ewigen Geheiß." Auch Moscheh sollte seinen Herzenswusch nicht erfüllt sehen, er sollte das Ziel seiner Sehnsucht, das Land der Verheißung nicht erreichen; er mußte sterdeN im Laude Moab; aber er starb als ein Knecht Gottes, auf des Ewigen Geheiß, und damit war feines Lebens Endzweck erfüllt. „Wohlan, so preiset den Herrn, alle Diener deS Herrn, die da stehen im Hause deS Herrn in deu Nächten." 'n irm DHöiyn, die da stehen im Haufe des Herrn in den Nächten! Sobald wir uns besinden im Hause des Herrn, das heißt, im Dienste des Herrn, so stehen wir aufrecht selbst in den Nächten. Nicht nur wenn Glück und Freude mit Tageshelle uns umgibt, sondern auch wenn Unglück, Elend, Krankheit, Schmerz mit Nachtesdunkel uns umhüllen. Wir stehen im Dienste des größten Königs; wo immer auch wir uns besinden, sind wir in Seinem Hause; Er ist unser Herr, Er wird Seine Diener nicht verlassen; an Ihm halten wir fest, zu Ihm schauen wir hoffnungsreich und vertrauensvoll empor. Was kann uns Niederdrücken? H. „Erhebet (Sire Hände M Heiligkeit und preiset den Herrn." Das Leben des Israeliten soll ein stets fortlaufender ununterbrochener Gottesdienst sein. Wenn wir unsere Hände gewaschen haben, bevor wir das Brod brechen, wenn wir da die Hände emporheben, ehe wir sie trockenen, da sprechen wir; tsnip ozj't inkt 'n n« D“üi, Erhebet Eure Hände in Heiligkeit und preiset den Herrn!" Die körperliche Ernährung, die Befriedigung von Hunger und Durst, ist dasjenige, was wir mit dem Thlere gemein haben, und dieses rein Stoffliche heiligt unsere Religion, indem sie uns bestehlt, uns auch dazu zu weihen. Wir müssen die Hände waschen, ehe wir unser Brod essen und den allmächtigen Geber -preiseu; wir muffen Ihm danken, nachdem wir uns gKtHgt Habe». Und wenn das Niedrigste, Irdischste, die Befriedigung von Hunger und Durst, die Ernährung unseres Körpers, also geweihet wird, um wie viel mehr alles Andere, Höhere, Geistigere! Wenn du deine Hände waschest, Israel, ehe du issest, wenn du deine Kinder gewöhnst, daß sie sich vor der Mahlzeit die Hände waschen und Gott, den Herrn, preisen, so vollziehst du damit gleichsam die Weihe des jüdischen Lebens. Als Rabbi Akiba im Alter von 120 Jahren eingekerkevt wurde, weil er die Lehre unseres Gottes, dem Gebote der Römer zuwider, öffentlich gelehrt hatte, da brachte ihm einer seiner Schüler täglich.einen großen Krug Wasser in's Gefängniß, damit er davon trinke und auch genug habe, seine HSnde zu waschen. Einst sah der Kerkermeister das viele Wasser und goß es aus. Da litt der greise Rabbi eher Hunger, als daß «r mst ungewaschenen Händen gegessen hätte. Und die Weisen bewunderten ihn und sprachen: Wenn er cllso im Gefängnisse auf die genaue Erfüllung der Mizwoch achtet, wie erst muß er es als freier Mann ^thau haben; wenn er also streng verfährt # hinMlger'Grsis, wie erst muß ec in seiner Jugend kraft ganz und gar dem Dienste feines Schöpfers gelebt haben!" „Erhebet Eure Hände in Heiligkeit und preiset den Herrn!. HL .Es wird dich segnen der Herr von Zion aus, der Schöpfer von Himmel und Erde." '.1 nn iro, segnet den Herrn — 'n -p-o\ es wird dich segnen der Herr. Wir segnen Gott, Er segnet uns. Wir verschaffen Seiner Herrschaft Anerkennung aus Erden, Er zieht uns zu Sich empor.