Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1870)
- Date
- 1870-09-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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714 gen Schritte gethan, daß sie itßo verköstigt werden können. (N. I. W.) England. London. Die Herren v. Rothschild haben an das „Pariser Journal" folgendes Schreiben gerichtet: Bei mehreren Gelegenheiten und besonders in Ihrer Nummer vom 24. August bezeichnet Ihr Journal die „Times" als das Blatt der Herren v. Rothschild. Die Beharrlichkeit, mit welcher Sie diese Behauptung ftststellen, veranlaßt uns zu der Erklärung, daß kein Mitglied unserer Familie irgend ein größeres Interesse an diesem Blatte hat oder gehabt hat, als an allen anderen Zeitungen, was für eine Richtung sie auch haben mögen. (Der Grund dieser Verdächtigung ist wohl in der sreundlichen Gesinnung der „Times" Deutschland gegenüber zu suchen.) Amerika. San Franzisco. Wir theilten in einer der jüngsten Nummern mit, daß Herr Peixotto es verweigert hat, die Stelle eines Consuls in Rumänien anzunehmen. Herr Peixotto hat in einem Briefe an die Herren Seligmann in New - Aork, welcher in den „Jew. Times" veröffentlicht ist, seine Gründe hierüber angegeben. Herr Peixotto schreibt darin, daß ein Consul in Rumänien über bedeutende Geldsummen muß verfügen können, wenn er wirksam für die unterdrückten Glaubensgenossen auftreten will, und dies in Rumänien um so mehr als in jedem andern Lande, da ein Consul daselbst die höchste Vertretung ist, indem kein Staat in diesem Lande durch einen Gesandten vertreten ist, und über ein solches Vermögen könne er nicht verfügen. Die Herren Seligmann theilen in ihrer Antwort mit, daß sie Gelder zu einem Fond sammeln wollen, wodurch Herr Peixotto in Stand gesetzt sein wird, diesen Posten doch zu übernehmen. Feuilleton. Die Schlacht Sei ßaffel. Man schreibt auS Brüssel, 6. September: „Ich befand mich mit dref meiner Freunde auf den Place de la Monnaie, als die Abend-Journale folgende wörtliche Nachricht brachten: „Napoleon wird heute in Brüssel eintreffen und auf Ordre des Königs Wilhelm seinen Wohnsitz ^in der Nähe (dans les environs) von Cassel nehmen." Die zahlreich versammelten Franzosen der hiesigen Colonie, welche alltäglich den Place de la Monnaie belagern und recht herzhaft auf die Preußen schimpfen, fanden den Sinn der Depesche Anfangs unverständlich. Cassel war für sie ein böhmisches Dorf wie Sadowa vor 1866. Endlich nach lebhafter Debatte wurde das Räthsel gelöst: Napoleon ist in Brüssel eingetroffen und „bei Cassel" (ein bedeutender hiesiger Bankier, Israelit und geborener Mainzer) abgestiegen!! Bedeutende französische Sturmcolonnen wälzten sich hierauf mit unvergleichlicher Bravour gegen die von den Herren Cassel und Comp, bewohnte. Festung und erhoben daselbst ein wahrhaft mörderisches Geschrei. ,I/Pinxereui est la!“ so flog es blitzschnell durch die umliegenden Straßen und im Nu waren Tausende von Menschen um die französischen Schreihälse versaunnelt. Und als sich nun noch zum Unglück an einem Fenster der ersten Etage des Cassel'schen Hauses ein erschreckt aussehendes, bleiches Männerantlitz zeigte welches wirklich aus der Ferne eine gewisse Ähnlichkeit mit Napoleon hatte, da war es richtig, Niemand zweifelte mehr an der Anwesenheit des modernen Cäsars; der Tumult gewann immer größere Ausdehnung und machtlos waren die Bemühungen der zur Ruhestiftung herbeigeeilten Polizei - Sergeanten. Endlich versuchte einer meiner Freunde, von uns Andern lebhaft unterstützt, den tapferen Franzosen in möglichst ernsthafter Weise beizubringen, was „Cassel" ist und wo „Cassel" liegt! Was nun geschah, können Sie leicht errathen. Wüthende Ausrufe: „les Prussiens se moquent de nous, a bas les Prussiens!“ und im Nu war mein Freund, unser rechter Flügel angegriffen. Wir Anderen bildeten das Centrum und hatten Angesichts dercoloffalen Streitkräfte, die der Feind entwickelte, nichts Eiligeres zu thun, als unseren rechten Flügel aus der verheerenden Wirkung der Faust-Mitrailleusen heraus zu reißen und zum Rückzuge zu blaßen, der dann auch mit Hinterlassung eines Hutes und mehrerer Rockknöpfe und mit Mitnahme einiger Beulen in möglichst geordneter Weise angetreten wurde. So endigte die Schlacht „bei Cassel" und leider dieses Mal mit einem Rückzüge der Deutschen! Zur Beglaubigung dieser Mittheilung lege ich ein von Herrn Cassel und Comp, in mehreren hiesigen Journalen veröffentlichtes Schreiben bei, worin dieselben das Publikum höflichst ersuchen, „Cassel in Brüssel" nicht mit „Cassel in Kurhessen" zu verwechseln. Das Schreiben lautet: „M. H.! Seit die Journale angezeigt haben', daß der Exkaiser der Franzosen nach der Umgegend zvon Cassel, gebracht werde, hört eine bedeutende und beunruhigende Volksmenge nicht auf, vor meiner Thür zu stationiren. Während der ganzen Nacht ist mein Schlaf häufig unterbrochen worden durch furchtbares Geschrei