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Der Israelit · 1870-08-31 · Heft 35 (31.8.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 35 (31.8.1870)
Date
1870-08-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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659 Stifter der christlichen Religion verworfen habe; des Predigers inniger Wunsch sei, und dafür wolle erbetim, daß die Juden in die christl. Kirche eingeführt werden. In Jerusalem, wo früher so viel Juden wohnten, habe der falsche Prophet Wohnung genommen; man solle nun die Juden wieder zu sammeln suchen, da sie doch ohne Priester seien. Daraus führte er an, daß viele falsche Persönlichkeiten sich für den Messias ausgegeben hätten. In Frankfurt a. M. wäre im Jahre 1863 eine israel. Versammlung zur Reformbestrebung abgehalten worden; diese hätte im III. Artikel aufgestellt: „Weder erwarten, noch wünschen wir, daß ein Messias uns nach Jerusalem führen solle." — In England sei großer Eifer für die Juden- Misfion, und eine Dame, welche einen Park besaß, bestimmtem ihrem Testament, daß er verwildern müsse, bis die Juden bekehrt seien. 2 Reiter ritten einst an diesem Park vorbei, und in Folge der ihnen über diesen Park mitgetbeilten Erzählung wurde einer ein eifriges Mitglied der Mission. 1822 wurde in Sachsen die erste Mission durch Graf Einnedel gegründet. Hauptsächlich erwähnte der Prediger, daß in England von 200 Missionären 75 ehemalige Juden seien. Wenn auch der größte Theil der Juden verstockt bliebe, wenn manche Hoffnung zwar getäuscht worden sei, so würde man mit der Zeit reüssiren. Nachdem der Prediger noch gebetet, erwachte das anwesende Altweiberpublikum, wischte sich die schlaftrunkenen Augen aus, und ging heim, um den an Schlaflosigkeit leidenden Gevatterinnen den Besuch der nächsten Missionsstunde zu empfehlen. Dresden, Ende August. Bald rücken die Feiertage heran, die Tage des Ernstes und der Buße. Wie werden solche hier gefeiert! Ein großer Theil der hiesigen Geschäftsleute hält seine Locale offen. Die Herren besuchen allenfalls auf kurze Zeit das Gotteshaus und erlauben ihren Lehrlingen resp. Commis, auch ein bischen in die Synagoge zu gehen, während Prinzipale christlicher Confession ihre jüdischen Lehrlinge vollständig dispensiren. Von Jahr zu Jahr wird dies immer schlimmer, und wenn auch am heiligen Jom Hakippurim die Geschäfte geschloffen, so scheuen sich doch auch, „sich Juden Nennende," nicht, an öffentlichen Orten zu diniren und nach vollbrachter Mahlzeit zur Abwechselung wieder ein bischen in's Gotteshaus zu wandern, um zuvörderst die Damengallerien zu besuchen, die Bouquets abzugeben und Conversationen anzuknüpsen, unwürdig des Tages. Freilich, für diese Leute muß eine Orgel erbaut werden, damit sie im Gotteshaus Vergnügen haben; Andacht kann man's nicht nennen. Viele Besucher der Synagoge bringen am Versöhnungstage Zeitungen mit in*S Gotteshaus, um sich doch in Bezug auf Politik und Börse auf dem Laufenden zu erhalten. Gott bessere es! Dresden, Ende August. Am 7. August d. I. verstarb allhier nach kurzem Krankenlager Herr Lippmann Jacobsohn, seit einer langen Reihe von Jahren Vorsteher der isr. Beerdigungs-Brüderschaft; er wurde unter zahlreicher Theilnahme am 9. zur Ruhe bestattet. Die Gemeinde verliert in ihm einen ihrer leider selten gewordenen frommen Männer, der im Talmud sehr wohl bewandert, mit unermüdlichen Eifer das von ihm übernommene Ehrenamt verwaltete. Obgleich nicht zu den kräftigsten Naturen zählend, entriß er sich selbst bei Nacht ohne Zaudern dem Ruhebett, um, wenn nöthig, die heilige Pflicht am Sterbebett zu erfüllen. Möge ihm jenseits gelohnt werden, was er der hiesigen Gemeinde gethan; möge diese einen würdigen, frommen Mann finden, der den schweren Verlust ersetze, die schmerzliche Lücke ausfülle. Berlin, 24. August. Einem Gerüchte zufolge soll vom betreffenden Ministerium bei dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde die Anfrage gestellt worden sein, ob man einige jüdische Geistliche in das Kriegslager abgeordnet zu sehen wünsche. Ein Theil der jüdischen Verwaltungs-Körperschaften soll sich denn auch bereitwilligst für Abordnung deS Herrn Gemeinde- Rabbiners vr. Geiger erklärt und den Wunsch ausgesprochen haben, auch den Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer mit abgeordnet zu sehen. Man glaubt, daß dadurch sich die Alles vereinigende „Menschenliebe" in höchster „menschlicher Gesittung" auf's Beste dokumentire. (Fr. I.) Frankreich. Paris. Der „Univers", ein ultramontanes Blatt, bringt folgenden Brief, den wir ohne jeden Commentar hier folgen lassen: „Mein ältester Sohn, der gerade 17 Jahre ist, hat seine Studien unterbrochen und sich dem 100. Infanterieregimente in Periqueur für die Dauer des Krieges einreihen lassen. Er ist vergangenen Samstag mit dem Regiments abgereist, welches wohl jetzt in Preußen ist. Hat vo1uvtu8 Doi. Um die Ehre unseres Landes aufrecht zu erhalten, hat er sich unter die Juden und Prot estanten gemischt."

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