Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1870)
- Date
- 1870-08-24
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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aas: „Jetzt erst weiß ich, wie groß jener Mann ist, denn seine Voraussagung ist buchstäblich eingetroffen," Ich bin moralisch davon überzeugt, *) daß auch R. Jonathan Eibeschütz, der Mann von scharfem, durchdringendem Verstände, ein Gegner der praktischen Kabbala gewesen, die von ihren Bekennern eine ganz andere Geistesrichlung, eine phantasievolle, schwärmerische erheischt. Er konnte und durfte aber diesen Zweifel auch nicht leise äußern, weil er dadurch bei dem py,"i oy, das nicht zu unterscheiden versteht, nicht nur den Glauben an seine Frömmigkeit, sondern zugleich damit den Glauben an die Wahrheit ganz anderer Dinge erschüttert haben würde. Eine solche pia fraus ist in Anbetracht der damaligen Zeitrichtung nichts weniger abS tadelnöwerth. — Mit Bezug auf den in etwas kräftigen Worten ausgedrückten ferneren Einwand des Reeensenten, ich ziehe die Rabbiner Josua Falk u. a. „in den Schmutz" hinein, aus dem ich Eibesch, herausziehe, empfehle ich ihm die Anmerkung auf pag. 8 ff. m. Schr. zu lesen, die ihn wohl eines Besseren belehren wird. Was endlich das Resume des Recensenten betrifft, „Gr. glaubt Emden vielleicht etwas zu viel (wie schonend!), Cohn Eibesch. — Alles," komme ich nochmals darauf zurück, daß Gr. Emden nicht „vielleicht zu viel" geglaubt, sondern daß er blindlings alle seine Referate als historisch glaubwürdige Berichte betrachtet, daß ich hingegen die ganz gleiche Berechtigung habenden gegentheiligen Berichte Eibesch.'s und seiner Freunde an^S Licht gezogen, ohne damit etwas Anderes behaupten zu wollen, als daß bei so contradiktorischen Ngchrichten der Historiker nicht berechtigt sei, blindlings jenem Glauben jzu schenken, daß mithin für uns Eibesch, vollständig nntto npiro bleibt. — Dafür, daß Recensent so gnädig gewesen, in meiner Schrift auch „einzelnes Richtige" zu finden, sage ich ihm meinen verbindlichsten Dank, dem ich die dringende Aufforderung beifüge, wenn er anders wirklich Vr. Grätz vertheidigen und mich belehren will, was durch seine Recension nicht im Entferntesten geschehen, doch mich das „viele Unrichtige" wissen zu lassen, da ich nach Allem mein Resumö, das sich mir durch gewissenhafte Forschung ergeben, vollkommen auftecht erhalte. Aas zweiverstge heilige Auch. Die letzten zwei Verse des 10. C. im Buch« Rumeri sind, nach Talmud Traktat Sabbat 116 a., weder zu den vorhergehenden noch zu den nachfolgen¬ *) Was diese Ueberzeugung besonders in mir verstärkt, ein anderes Mal. den Büchern anpassend, st? bilden d<cher ein besond§M Buch. Sie werden deshalb in der Tho,raxolle ahß solches duych abschließende Klammern signfficirt. Der Inhalt dieser zwei Perse motivirt ihre Absonderung von den andern umfangreichen BHcherp Mosis und verleihet ihnen den Charakter eines besonder» Buches, da er seiner Syyderbarkfit halber in den andern Büchern nicht einverleibt werden kann. Der aufmerksame Bjbelleser muß nicht wenig er* staunen, von dem demnthigsten aller Menschen, der auf zehnerlei Arten die Geilheit anzuflehen Pflegte, plötzlich eine Ansprache an Gott zu vernehmen, die den andern nicht gleicht, die qher dem Manne Gottes , dem die Erde sammt ihren Elementen dienstlich unterworfen war, ganz anpaffend ist. Mst fester Zuversicht spricht er sie aus, die sieben inhaltsschweren Worte t&ob'b ipj’i ishö’i 'n nmp. Auf Ewiger, daß Dein? Feinde sich zssrstpeuen und Deine Widersacher flüchtig werpen vor Deinem Anblicke. Er sprach diese nicht in der Form eines Gebetes, sondern in der einer kategorischen Aufforderung, wie nur der Vertraute Gottes, «in jdnj ’rva es auszusprechen vermochte. Und wahrlich, eö war höchst nothwendig, daß Moscheh einmal in seiner ganzen Glorie dem Volke sich zeigte nach dem vierzehnmonatlichen Aufenthalte Israels in der Wüste, wo die umherwohnenden Völker genügend Zeit hatten, auf die ihnen drohende Gefahr aufmerksam zu werden, daher sie es nicht unterließen , Zeit und Ort zu erspähen, sie anzugreifen und zu vernichten. Wie leicht wäre diese Möglichkeit bei den vielen Dislocalionen eingetreten, daß Israel auf einem ihm unbekannten Terrain zwischen Bergen und Schluchten in eine gefährliche Situation gerathen wäre, den der heimische Feind zu seinem Vortheile benützend, Israel vernichten konnte; wie gefährlich war es daher, einen durch kürzeren oder längeren Aufenthalt wohl recognoscirten Ort zu verlassen, um nach einem unbekannten sich zu begeben, wo der Feind alle Vortheile für sich haben konnte. Es gehörte kein geringer Grad von Heldenmuth hierzu, solche Züge vorzunehmen. Ein Flehen zu Gott um Beseitigung der Gefahr würde die Muthlosigkcit des Volkes nur noch intensiver und die Furcht vergrößert haben, weil hierdurch constatirt gewesen wäre, daß Gefahr vorhanden sei. Moscheh mußte daher energisch auftreten, er mußte kategorisch aussprechen, um jeden Zweifel an der Sicherheit zu verscheuchen, daß der Feind sei zerstreut und die Widersacher flüchtig vor der Bundeslade des Herrn, wohin immer Israel sich muthig begeben könne. Diese Verheißung konnte keine Illusion sein, die tägliche Erfahrung mußte das Volk belehren, daß rwo V» um ■pno rmno ruo». Deshalb war diese außergewöhnliche Ansprache nöthig und bildet ein besonderes Buch. ^Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rontz'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellprefsendruck von I. Gott-leben in Mainz.