Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1870)
- Date
- 1870-08-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Me Samaritaner ju Waötus (Schrchem). lNack den „Jllustrated London News".) Wahrscheinlich gibt es auf der E» de keinen Platz, auf welchem ein und derselbe Cultus (mit nur geringen Aenderungen) durch eine so lange Zeit fortgesetzt worden, als auf dem Gipfel Gerizim, nahe bei Nablus. Vor ungefähr 4000 Jahren — von den Zeiten Abrahams her — wurde hier der Gott der Hebräer verehrt. Die jetzige Stadt Nablus, welche groß und schön von den Söhnen ChamorS, des Vaters SchechemS, gebaut und 14,000 Einwohner hat, die Meisters Mahamedaner sind, mit Ausnahme der kleinen Samaritar.ischcn Gemeinde — ist, wie man allgemein glaubt, auf oder wenigstens nahe an der Stelle des alten Sichem (rn) erbaut. Hier nun hielt sich Abraham, als er auf Gottes Befehl sein Vaterland verlassen und irs Land Canaan gereist war, zuerst auf und errichtete einen Altar und verkündete da den Namen Gottes. Hier war es, wo fast 2OO Jahre später der Enkel Abrahams, Jakob, ein Stück Feld von den Söhnen Chamors, des Vaters SchechemS, kaufte, dort fein Zelt ausschlug, einen Altar errichtete und ihn heiligte dem Allmächtigen Gotte Israels. Hier versammelten sich dessen Nachkommen, 400 Jahre später, nachdem sie Gott aus der egyptischen Knechtschaft befreit und sie 40 Jahre durch die Wüste hatte ziehen lassen und nachdem sie das Land Canaan eingenommen hatten, bei welcher Gelegenheit Josua mit dem Volk einen Bund schloß, daß sie stets treu bleiben dem Gesetze Gottes. (Josua Kap. 24.) Nahe bei diesem Platze liegt jetzt ein kleines Dorf, Namens Salim. Schechem fiel dem Stamm Ephraim zu und war eine Priester- und Freistadt. Hier war Josephs Grab und hier war auch das Stiftszelt in den Zeiten Jösua's, welcher daselbst auch eine Säule als Zeichen des Bundes kurz vor seinem Tode errichtete. Hier besiegte Gideon die Midianiter und hier wurde Rehabeam zum König erwählt. In Folge des zerstörenden Krieges, welchen Justinian in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts gegen die Samaritaner geführt, waren diese später wie ans der Geschichte gestrichen bis zu den Zeiten der Kreuzzüge, wo ihre Existenz von dem jüdischen Reisenden, Benjamin von Tudela, entdeckt wurde. Damals gab es mehrere samaritanische Gemeinden, sowohl in Syrien als auch in Egypten; alle aber sind inzwischen verschwunden bis auf die zu Nablus, die jedoch von 200 auf 170 Seelen herabgesunken ist. Zufolge einer Tradition der Samaritaner ist ihnen befohlen, sich nicht zu vermehren; man schreibt indessen ihre Verminderung ihren Wechselheirathungen zu. NabluS liegt zwischen den Bergen Gerizim und Ebal, Berge des Segens und des Fluches (5. B. M. Cap. 27, V. 11—13) und wird als der schönste Platz von Central-Palästinä geschildert. Umgeben vonOlivenwäldern, verdankt das Thal, worin die Stadt liegt, mehreren Quellen und kleinen Flüssen seine Fruchtbarkeit. Abgesehen von den historischen Daten über Nablus, die wir aufgezählt haben, bietet die kleine samaritanische Gemeinde viel des Interessanten. Die Samaritaner rühmen sich, im Besitze der ältesten Gesetzesrolle, min iDO, zu sein, und zwar soll ihrer Meinung nach der 4. Hohepriester, also ein Urenkel Arons, sie geschrieben haben; demnach wäre sie ungefähr 3300 Jahre alt. Die Ansichten der Gelehrten über ihr Alter ist sehr verschieden. Die richtigste ist wohl die, daß sie kurz vor der Zerstörung des Tempels, dem sie wohl angehörte, geschrieben wurde. Die Verzierungen an den Enden der Rollen sollen, den Samaritanern zufolge, die Fahnen der Stämme und die Kugeln daran Granatäpfel verstellen. In den Stellen der heil. Schrift, wo der Name Abron vorkommt, sind Flecken, die von den Küssen der Samaritaner herrühren. Erwähnen wollen wir noch, daß Herr Bedford, der den Prinzen Wales von England auf seiner Reise in dem Oriente begleitete, eine Photographie dieser Gesetzrolle genommen hat. In neuester Zeit besuchte der berühmte Maler, Karl Haag, als er Palästina bereiste, die samaritanische Gemeinde. Durch seinen Freund, Vr. Georg Rosen, der damals daselbst wohnte und später norddeutscher Consul in Jerusalem ward, wurde ihm erlaubt, nicht nur die Synagoge zu malen, sondern auch den Hohenpriester Amran, dessen schönes, intelligentes Und ausdrucksvolles semitisches Gesicht ihm besonders gefiel. Der Hohepriester stellte sich in der Synagoge, angethan in seinen priesterlichen Kleidern, die Gesetzesrolle in dru Händen, vor den Maler, so daß diesem möglich war, ein getreues Bild zu fertigen. Wie Herr Haag mittheilt, sollen die Verzierungen auf dem Vorhänge vor der heil. Lade den alten Tempel, welcher auf dem Berge Gerizim stand, vorstellen. Am Ende des Vorhanges sieht maw den Vorhof des Tempels mit zwei Säulen, je eine auf einer Seite, welche „Jachin und Boas" heißen, zwischen welchen zwei goldene Leuchter und in der Mitte ein sehr großes Becken ist. Höher hinauf sind verschiedene Ornamente, Trompeten, CyMbeln und andere alte musikalische Instrumente. Weiter oben zeigen die Verzierungen den Hof der Priester, in dessen Mitte der g-oldene Ältar ist, rechts desselben einen fie- »