Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1870)
- Date
- 1870-07-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447447-2447476--08501-2464151- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
550 setzten ihr Handwerk auch in der innem Stadt fort und kühlten ihr Müthchen an den Fensterscheiben der jüdischen Wohnungen. Der Grund dieser Zudenhetze ist vor Allem auf Concurrenzstreitigkeiten zwischen christlichen und jüdischen Handwerkern zurückzuführen, welch' Letztere nach und nach den bisher nur von Christen bewohnten Stadttheil zu bevölkern beginnen. Und dann war es ja am Vorabend des Wahlkampfes und Lemberg so nahe. Die hiesigen Blätter verdammen diese Exzesse. Die Berichterstatter des „CzaS" nennt die Arrangeure derselben eine Canaille, die stch nicht entblödete, den Ruf „ Morden wir die Juden!" vernehmen zu lassen. Das sind die Früchte der „Demokratie" in Galizien, die im Namen der Freiheit den größten Despotismus predigt? Holland. Amsterdam. Die Israeliten Hollands haben ein Central-Waisenhaus errichtet, in dem arme Waisen von ganz Holland Aufnahme finden sollen. Der Stadtrath von Amsterdam hat für diesen Zweck 1100 fl. votirt. (N. I. W.) England. London. Ein Correspondent der „Pall Mall Gazette" thnlt mit, daß die engl. Misstonsgesellschaft im verflossenen Jahre eine Einnahme von 406,548 fl. und eine Ausgabe von 374,796 fl. hatte. Nimmt man nun an, daß die Zahl der bekehrten Juden 31 ist (was schon viel heißen will), so kostet jeder Bekehrte 12,000 fl. Ein schönes Geschäft. London. Rothschild und Söhne haben für die Abgebrannten von Constantinopel 1200 fl., Gebrüder Stern, Louis Cohen und Sohn gleiche Summen und andere Glaubensgenosten ebenfalls beträchtliche Beiträge gegeben. (Jew. Ehr.) Türkei. Konstantinopel Unsere Mittheilung aus dem „Jb.An.", nach welcher auch mehrere Israeliten bei dem großen Brande dahier Schaden gelitten, ist nach neueren Nachrichten nicht richtig gewesen. Die Israeliten blieben alle verschont. Hauptsächlich sind Griechen und Armenier Opfer dieser Katastrophe geworden; trotzdem ist der größte Beitrag für die Beschädigten von einer israel. Familie gegeben worden. Die Familie Camondo hat dem hiezu ernannten Comitö 25,000 Fr. überschickt. Welch ein Gegensatz ist dies gegenüber der Behandlung der Israeliten in Rumänien. Asien. Damaskus. Bor Kurzem starb dahier der in Syrien allgemein geachtete aber auch in Enropa bekannte Joseph Elias. Nicht bloö die Juden trauern um diesen verdienstvollen Mann, sondern auch die Christen und Muselmänner, bei denen er in hohem Ansehen stand, und dies besonders durch seine strenge Rechtlichkeit; gar oft wurden von verschiedenen Parteien zum Schiedsrichter ernannt. Er sprach und schrieb 8 Sprachen. 30 Jahre lang war er bei dem österr. Consulat angestellt. Als die Juden von Damaskus der Ermordung von Christenkindern beschuldigt und darum grausam verfolgt wurden, war er es^, der den österr. Consul veranlaßte, zu Gunsten der Israeliten zu interveniren. In den letzten 10 Jahren war er österr. Consul dahier und erst vor einem halben Jahre wurde er vom Kaiser von Oesterreich durch einen Orden ausgezeichnet. In religiöser Beziehung war er streng orthodox. (Libanon.) Bombay. Der „ Astatic" berichtet, daß der projectirte Bau einer neuen Hochschule in Bombay 30 Hörsäle und einen großen Saal für die wissenschaftlichen Instrumente, in dem 150—200 junge Leute Platz haben, enthalten wird. Ein großer Theil der Baukosten wird von dem Gelde eines Legats deS verstorbenen Sassoon bestritten. Amerika. Vdew-Vorik. Bei den hiesigen Israeliten herrscht im Ganzen großer Wohlstand und viele derselben zählen zu den reichsten der Stadt, da sie meist strebsam und sehr thätig sind. Nichtsdestoweniger gibt es hier eine große Maste von Armen, die manchmal des Nöthigsten entbehren und oft nicht im Stande sind bei Sterbefällen die Beerdigungskosten zu tragen. Aus diesem Grunde hat sich dahier eine Llsdrev k'res Burial Society (eine hebr. Frei-BeerdigungS- Gesellschaft) gebildet, die die Beerdigungskosten für solche Armen bestreitet und die darum zur großen Wohlthat geworden ist. Seit Juli 1869 hat sie auf ihre Kosten 104 Personen mit einem Kostenaufwande von 3580 fl. beerdigen lasten. Nur zu bedauern ist, daß sich noch nicht alle hiesigen jüd. Gemeinden derselben angcschlossen haben; es fehlen deren noch 11. (Hebrew.) Bick-burg. Die erste Synagoge im Staate Mistissipi wurde am 20. Mai in Dicksburg unter großer Feierlichkeit eingeweiht. Afrika. Lmri-. Herr K. Salomon, der vor einiger Zeit die hiesigen Armenschulen besuchte, beauftragte dm