Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1870)
- Date
- 1870-07-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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LLJahrgang. Beilage z« Rr. 27 des Israelit. AeLtrurgSnachrichte« und Correfpondevjen. Drntfchland. Berlin, 1. Ins?. Herr I)r. Philippson hat Ihnen, Herr Redoclem, sicher mit seinem „Leitenden Artikel v. J9. Zürn" ein fröhliches Diertelstündchen Lercitet; auch mir war er eine Wonne und schon wollte ich jenes famose Blatt aus der Hand legen, da dachte ich, nein, so ganz unbelvhnt darf die'e Großthat doch nickt bleiben. Eine Freude ist die andere werth. Eine kleine Antwort soll ihm doch werden. Warum denn nicht? Die Leser des „Israelit" sollen auch einmal erfahren, wie und was Herr vr. Ph. von den Orthodoxen denkt; die Freude wird desto größer, allgemeiner l „Was die Hirsch, Lekmann, Hildesheimer u. s. w. Alles leisten und geleistet haben? fragt Herr Ph., Hirsck darf kaum genannt werden; und Hildesheimer und Lehmann garir und gar nicht! Diese haben für das Zndenthnm Nickis geschasten. — Nichts boben sie geleistet? Herr Ph. besinnt sich schnell eines Besseren. „Eie arbeiten," meint er, „an dem Ruin des Iuder.thums dadurch. daß sie energisch die Gesetzestreuen dazu aufiordern in Gemeinden, wo die Sabbntschänder, die GejetzeSverächter sie majorisiren wollen, sich von ihnen zu trennen und ans eigene Kosten ihre Institutionen zu errichten. Sie plaidiren für die Erfüllung der jüd. Gesetze und Gebräuche, die im Schulckan Arnch eodifizirt sind. Sie führen literarischen Krieg gegen die Geistlichen, die das heilige Gesetz verachten, übertreten und als Mensckenwerk eusgeberi!" Hört Jhr's, Israeliten, was ein Philippson diesen Männern vorwirst? Und weläen verbissenen Zorn und Geiser der liebe, alte, „verdienstvolle" Herr im Deckmantel der Objektivität (!!!) dabei verschwendet! Er thut uns leid, sehr leid. Wenn seine zarte Gesundheit nur nicht dabei gelitten! Sollen wir Herrn Ph. neck weiter begleiten? Nein. Nur Eines möchten wir noch hervorheben, daß HerrPh. nämlich da sehr kleinlaut wird, wo er davon spricht, daß es den Neu-Orthodoxen da und dort doch Zelingt, Gehör zu finden. Ja, Herr Ph. merkt, daß dem „Einst" ein „Jetzt" gefolgt ist. Diese Kraftanfirengung des Hrn. Ph. ist der Nothschrei, der letzte Strohhalm eines Ertrinkenden. Co haben sich die Zeiten geändert! Seit 25 Jahren schreiben diese „verso!gnvgssüchtizen, ehrgeizigen, verketzernde», täuschenden, fanatischen, intri- LUirendrn" — und wie die herrlichen Attribute alle heißen — „Neuorthodoxen" in „richtigem Deutsch," daß es ein noch höheres Macktgebot gibt, als das des Herrn Ph. Muß das nicht tief kränken? Ja, einst in guten, alten Zeiten war's besser! Jetzt ist Diktator Ph. mundtodt gemackt. Der „Jeschuru n" des Herrn Rabb. S. R. Hirsch und später der .Israelit" haben seit mehr als einem vollen Dezennium ihre Banner entfaltet für die Wahrheit, haben cs ausgenommen mit den Baalspriestern und in den weitesten Fernen wieder Boden für die Wahrheit gewonnen und siehe da, weil sie der Wahrheit ohne Trug und Scheu das Wort geredet und die Scheinwahrheit d. h. die Lüge bloßgestcllt, den Phrasenbau zum Wanken gebracht, darum — nur darum haben dieselben nach Herrn Ph.'s Meinung gefehlt, gesündigt, darum haben sie so „viele nn»aj? begangen"! Wir. rathen dem alten Herrn, wiederum einmal die Geschichte des Achab und Elijahu nachzulescn und da wird er geschrieben finden, daß Achab, der Israel „verführte", auch zu dem Gottespropheten Elijahu, dem Anhänger der Thora nrd Tradition sagte: „Bist du es, der Israel betrübt?" Lesen Sie nur zu und weiter, vielleicht tagt es in Ihnen, vielleicht wird Ihnen klar, daß Sie nur Wahrheit und Lüge, ja! — nur Wahrheit und Lüge nicht zu unterscheiden vermögen! Oder haben Sie „sich so durch immer wiederholte Täuschung Anderer auch zur Selbsttäuschun'g gebrockt?" Der ajje Herr kann nicht glauben, daß die Orthodoxen eS ernst meinen? Nun, wer verlangt den"' das von Ihnen? Glauben Sie wirklich, daß wir n - Ihren rechnen? Bester Herr, gehen Sie nur rub weiter und beruhigen Sie sich; wir gönnen Ihnen Ihre Ucberzeugungen (?) und thun nur. was Gottes Gebot erheischt, thun es nickt, weil wir es so wollen , sondern weil es die Thora so will und weil wir Unbedingt an sie glauben und Alles zu erfülln bestrebt sind, was Thora und Tradition lehren. Beliebt es Ihnen, das mit „Fanatismus", mit „der Sittlickkeit Hohn sprechend", zu belegen, wir haben gar Nichts dagegen. Sie machen uns nicht irre. Es zeugt Ihr Ausflackern nur für die Ihnen bewnßtgewordene Schuld und wenn Sie mit diesem „Staubauswirbeln" Ihr Gewissen betäuben wollen, — — Glück ans dazu. Ihr Artikel liefert einen herrlichen Beitrag für Ihren noblen Charakter und — doch haben Sie keine Angst, wir folgen Ihnen nicht auf gleichen Wegen. Mögen Sie und alle Ihre Gesinnungögenrsßn unseren Bannerträgern Fanatismus, Herrschsucht u. s. w. verwerfen, das schadet nicht. Eine Lüge mehr oder weniger, darauf kann eS Ihnen ja nicht aukommen.