Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1870)
- Date
- 1870-06-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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452!! \ Aas zugelaufene Aeh. *) Von 4.dr. Lsuälsu. MS Gott einst zu MoseS sagte: **) Einerlei Gesetz sei dem Einheimischen und dem Fremdling, der unter Euch wohnt," als es gar bei der Vertdeilung des Zehnten hieß: ***)„Und es soll kommen der Levite. der nicht Theil und Erbe bei Dir erhält, und der Fremdling, der in Deinen Thoren lebt, und essen und sich sättigen," da rief Moses: „Herr der Weih! Hat denn vor Dir der Fremdling gleiche Geltung mit dem Leviten? —" „MoseS!" antwortete der Herr, „der Fremdling, der voll Treu und Glauben um meines Namens willen sich mir anschließt, gilt mir so viel und noch mehr. — Höre! Ein junges Reh war in der Steppe wild aufgewachsen. Da zog ein Hirt mit seiner Heerde vorüber, und das wild ausgewachsene Reh kam von selbst herbei und schloß sich der Heerde des Hirten an und mischte sich unter seine Schafe. Der Hirt *) Nach Jalkut Schemoth Nro 213 S. 64 col. 2. -) 2. B. M. 12, 49. ***) 5 B. M. 14, 29. gab ihm zu fressen und zu trinken, liebkoste ihm und schmeichelte ihm mehr, als seinen Schafen. Das nahm die Leute, die das sahen, Wunder, und sie sprachen: „Nun! das Reh, daS Dir zugelaufen, liebst Du mehr, als Deine eignen Schafe?" „Mit meinen Schafen," antworttte der Hirt, „habe ich viele Mähe gehabt, habe sie früh Morgens hinausgeführt und spät Abends wieder heimgeführt und gar mancherlei erduldet, bis ich sie groß gezogen. Dieses Reh aber, das wild im Wald und Steppe aufgewachsen, ist von selbst gekommen und hat sich mir angeschlofsen, wie sollte ich es nicht lieben?" „So, MoseS," fuhr der Herr fort, „verhält es sich auch mit Israel und dem Fremdling. Wie viele Mühen hatte ich mit Israel! Israel habe ich aus Aegypten geführt, habe mich ihm in meiner Macht und Herrlichkeit gezeigt, ihm das Manna herabgesen det, die Wachteln herbeigeführt, den Brunnen in der Wüste geschaffen, habe eS mit meiner Wolke umhüllt und ihm mein Gesetz gegeben; der Fremdling aber, der von selbst gekommen, wie sollte er mir nicht ebm so theuer sein und noch theurer!" — ANZEIGEN Aufruf. Die jüdische Gemeinde Flieden bei Fulda war dringend benöthigt eine Synagoge zu bauen, weit das bisher benutzte Betlokal zu klein, baufällig und diesem Zwecke in keiner Weise mehr entsprach. Da aber die Kosten dazu zum großen Theil nicht anders gedeckt werden konnten, als durch freiwillige Gaben, weil die Gemeinde selbst zu gering, unbemittelt und nur aus 9 Mitgliedern besteht, so hat die Gemeindeverwaltung gedruckte Aufrufe an fast alle jüd. Gemeinden Deutschlands versendet; diese fanden aber nur bei wenigen kleinen Landgemeinden, am allerwenigsten aber bei den größeren Städten Berücksichtigung. Trotzdem ist der Bau mit göttlicher Hilfe ziemlich vorangeschritten und in die Höhe gebracht worden. Jetzt sehen wir unS aber in der peinlichen Lage, den Bau nach Innen nicht vollenden zu können, da fämmtliche Mittel erschöpft sind, wenn unS nicht unsere Brüder und Glaubensgenossen, mit ihren Spenden zu Hilfe kommen. Wir brauchen zu dem Allernothwendigsten noch ein Kapital von mindestens 1000 Gulden. Wir sprechen deßhal b das Wohlwollen, den Biedersinn und die Wohlthätigkeit unserer Glaubensgenossen von nah und fern an, flehen und bitten, dringend und herzlich, um reichliche Betheiligung Tiv'vLk anroaro w Spenden nimmt entgegen Der Gemeinde-Aeltefte Jacob Stein Flieden bei Fulda, Prov. Hessen. Sitte. Hier in Gladenbach, (Prov.'Hessen) lebt eine Jüdin, welche mit Christen mehrere Kinder zeugte und von der'Tochter dieser Frau ist ein Kind da, «benfalls unehelich mit einem Christen erzeugt, beschnitten und so viel als thunlich jüdisch erzogen. Die Mutter dieses Jungen, welcher eben acht Jahre zählt, und noch wenig Schulunterricht genossen hat, ist schon mehrere Jahre todt und hat die Großmutter, welche nahe an 70 Jahre und schlecht beleumundet ist, diesen Jungen zur Erziehung bei sich. Der Rettungsverein für verwahrloste Kinder hat sich des Knaben angenommen; aber alle Mühe, welche sich der Präsident dieses Vereins gegeben, um den Jungen außerhalb Gladenbach gegen eine Vergütung von 41 fl. jährlich, bei Juden anzubringen, war vergeblich. Hier in Gladenbach soll und kann der Junge nicht bleiben, da die Alte im Wege steht und ist mir deßhalb als Vorstand der hie-!