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Der Israelit · 1870-06-01 · Heft 22 (1.6.1870) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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417 scheu Dünsten geschwängerten Sumpfe an der Tiber unbarmherzig verschimmeln. Deffenungeachtet preist man noch immer seine milde Behandlung der Juden. Bleibt mir überhaupt mit dem Worte „milde" vom Leibe, welches, in dieser Anwendun, gebraucht, eine verdiente Strafe voraussetzt und das mir stets gleich einem Scorpion in die Seele sticht, so oft ich es vernehme. Wer gibt euch das Recht, hier von milder Behandlung zu sprechen? Sind die Juden in Pansch und Bogen vielleicht Missetthäter? Ist es ein Capi- -talverbrechen, jenem merkwürdigen, uralten Volke anzugehören , welches vor unvordenklichen Tagen die Welt mit der großen Idee eines einzigen Gottes beschenkte und dessen Sittengesetz seit neunzehn Jahrhunderten die civilisirten Nationen regiert? Und vor Allem hätte der Nachfolger der Apostel im Vatican deinen Grund, die Israeliten geringzuschützen. Er ist ihnen vielmehr zum wärmsten Danke verpflichtet. Steht doch in jenem isrselitlschen Buche, aus dom seine ganze hierarchische Autorität beruht, keine einzige Sylbe, die nicht aus jüdischer Feder geflossen wäre. Trotzdem existirt aber kein Land, wo solch vafftnirte Gräuelthateu in ununterbrochener Folge gegen mosaische Glaubensgenossen anszeübt wurden, «ie eben in Rom unter den Augen und ans unmittelbare Anstiftung des hohen katholischen Priesterthums. Hat man vergessen, daß^ste vor noch nicht geraumer Zeit durch päpstliche Schergen gewaltsam in die Kirchen zur Anhörung christlicher Predigten geschleppt wurden und daß man sie am Schlüsse des römischen Carnevals zur Ergötzung der hohen geistlichen Herrschaften durch zwei volle Jahrhunderte rennen ließ, gleich dem lieben Vieh? Paul IV. war ihr grimmigster Peiniger auf Petri ^L>tuhl uno ein -weit,.ärgerer Wütherich gegen die Juden, als Richard Wagner, der ZnkunftSmnsiker. Wenn dann am Faschingdienstag israelitische Jünglinge, Männer und silherhaarige Greise die buntgeschmückte Zeile des Corso Entlang athemlos hinkeuchten, vom Pöbel verhöhnt und um die Wette laufend mit Eieln, Büffeln und stampfenden Becberhengsten, da stand Se. Heiligkeit -Papst Paul gemächlich auf dem Balcon und lachte, wie gleichzeitige Chronisten berichten, über dieses amüsante Schauspiel so herzlich, daß ihm der Bauch wackelte. Freilich hatten die Juden in Rom zu manchen Perioden auch lichtere Momente, und die Päpste auf Erden gingen nicht alle gleich grausam mit den Bluts - verwandten ihres Heilands um. Es gab auch einige besser geartete Charaktere unter ihnen, die zeitweilig für sie Aeine Erleichterungen eintreten ließen. Ein solcher war SixtuS V., der ein menschenfreundliches Herz unter seinem Purpurkleide trug. Aber diese erträglichen Momente dauerten bis auf die jüngste Zeit uiemalS lange. Gleich darauf kam wieder ein Anderer, der die wohlgemeinten Bullen seines Vorgänger-' zurücknahm und von neuem gegen die gemartertem Hebräer zu wüthen begann. Sogar Pius VlI., noch einer der honnetteren Päpste, der vom Jahre 1800 bis zum Jahre 1823 regierte, war nicht ganz frei von diese unauslöschlichen Makel. Wenn man nun erwägt, daß die hiesige christliche Bevölkerung von den humansten und edelsten Gesinnungen beseelt ist, daß es vielleicht keine Nation in Europa gibt, die weniger geneigt wäre, Andersgläubige zu tyrannistren, als gerade die leichtblütigen und gutmüthigen Neurömer, so fällt die ganze Schuld dieser schändlichen Behandlung der Irden einzig und allein auf die päpstliche Curie zurück. Ju der theokratischen RegierungSform des Krummiiabes. in dieser Z vitterversassung,- wo eine und dieselbe Persönlichkeit das Scepter und den Weihwrvel in der altersschwachen Hans hält, da steckt der Grundfehler, der im Kirchenstaate das hebräische Elend zu so hohen Jahren kommen ließ. Aber gottlob' das Schlimm'te hätten die mißhandelten Urenkel Abraham's und Jsaak's jetzt über« stansen. Wenn auch nicht in dem geistig verrotteten Ro n, in den meisten Ländern ist ihnen die Morgenröthe eines neuen Daseins anfge gangen. Das Hepp-^ Hepp-Geschrei ist verstummt. England. London. Herr Lionel Louis Cohen von hier hat der türkische Mesjidie-Ordeu 4. Klasse erhalten. 0 w :(Jew. Ehr.) _ London Wlr brachten vor Einigen Wochea über die Einweihung der Central-Syuagoge einen kurzen Bericht. Ais den uns zugekommenen englischen Zeitungen haben wir ersehen, dag die bei dieser Gelegenheit von Herrn Oäerrabbiner Adler gehaltene Rede besonders großen Beifall gesunden hat. P a l ä st r n a. Die Nachrichten aus dem heiligen Lande lauten wieder betrübender. Der Secretär der israel. Gemeinden zu Jerusalem schreibt dem Central-Comits zn Amsterdam: „Seit 14 Tagen ist die Hunzersnoth aufs Neue in unbeschreiblicher Weise ausgetreten. Möge sich Gott unser erbarmen!" Wir verfehlen daher nicht, unsere mitleidsvollen Brüder und Sch vestern wiederum zu bitten, Sammlungen zu veranstalten, um die Nothleidenden vom Hungertods zu erretten. In Sephat herrscht eine entsetzliche Wassernoth d. h. Noch durch Mangel an Wasser. Die dortige iSr. Gemeinde hat sich telegraphisch an das Central-Comitb in Amsterdam mit der Bitte gewandt, baldinöglichst

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