Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1870)
- Date
- 1870-05-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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330 „Es ist daher unsere Pflicht, diese Kinder auS jenen Dörfern zu nehmeW wp sie in Unviffxnhett verkommen, und sie dexartz u»terWbringen^ daß sie um Stande sein werden, in Folge des erhaltenen Unterrichts sich eine Zukunft zu schaffen. „Wo aber die für ein solches Unternehmen nothwendigen Hilfsquellen finden? Die reichlichsten Mittel würden nicht genügen. „Ein Gedanke, eingegeben durch die Traditionen der Vergangenheit, ist in uns aufgestiegen; er wurde: mit Begeisterung ausgenommen; er ebnet, unserer Ansicht nach, alle Schwierigkeiten. „Dieser Gedanke ist der, daß die iör. Gemeinden Europas und Amerikas jene Waisen adoptiren. „In Frankreich, Deutschland, Italien, Amerika erzogen, werden sie heranwachsen unter den wvhsihätigen Strahlen der Civilisation, werden sie nützliche Menschen, erleuchtete Israeliten werden. Als Adoptivkinder der Gemeinden, in denen sie Aufnahme finden, werden sie den Unterricht an der Seite anderer Kinder finden, welche sie als Brüder behandeln werden; sie werden Handwerke erlernen oder andere Carrivren ergreifen und werden eines Tages nicht nur für sich sorgen, sondern die WohltbLter ihrer Glaubensgenossen sein können. „Ihr werdet, Brüder — wir sind dessen überzeugt — diesem Plane zustimmen, dessen Verwirklichung leicht, dessen Erfolg ein gewisser sein wird. „Paris hat sich beispielgebend an die Spitze dieses Unternehmens gestellt. Wir adoptiren dreißig Waisen, welche in Paris ernährt, erzogen, unterrichtet werden sollen. Wir nehmen sie als unsere Kinder auf. „Mögen alle Gemeinden Europa's und Amerikas, alle ohne Ausnahme, kleine und große, uns folgen, auf dem Wege, den wir eröffnen. Möge eine jede Gemeinde, ihren Mitteln gemäß, einen Stein zu diesem Gebäude herbeitragen, und ihren Namen diesem Werke anreihen. „ES ist die edelste That, welche nur geschehen kann. Tausende von Waisen retten, sie unterrichten, sie zu Menschen heranzubilden — das ist nicht nur ein Art der Wohlthätigkeit, das heißt für daö Interesse unseres Glaubens und der Civilisation zugleich arbeiten. „Brüder in Europa und Amerika; wir erwarten Euren Anschluß. Möge derselbe so schnell als möglich erfolgen, denn die Hilfe thut dringend noth. „Wir senden Euch unsere brüderlichen Grüße. Das Cerrtrat-Co«ttü brr Alliance: Ad. Cr^mieux, PvSsidentt £. Isidor, Grandrabb. V-HGoldschnM, j-Bice-- Leopold Javal, (Präs. N. Leven, Secretär. B. Allegri. L. R. Bischofsheim. Isidor Cahen. Jules Carvallo. Albert Cohm Abr. Crshange. S Derenbourg. Michel Erlanger. Lvonce Lehmann. E. Levi Alvarös. Engen Manuel f ippolyte Rodrignes. nles Rosenfeld. B. Saint-Paul. Indem wir den vorstehenden Aufruf aufs Eindringlichste befürworten, erklären wir uns gern bereit, die^ Anmeldungen der Gemeinden entgegenzunehmen, um sie dem Centralcomite der Alliance zn übermitteln. Mögen namentlich recht viele konservative Gemeinden Deutschlands sich entschließen, viele Waisen aufzunehmen, damit diese auch eine echtjüdische Erziehung erhalten; so wird die Wohlthat eine gedoppelt« sein tan run Dt’iy'M — Die Redacti on des Israelit. 3eitungsNachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ln München, im Nissan. Aus dem Rechenschaftsberichte des israel. FrauenvereinS hier für das Jahr 1869 sind in diesem Jahre vorzugsweise die Spenden beim Aufrufe zur Thora hervorzuheben; sie betrugen' 214 Gulden. Die Mitgliederzahl hat sich von 298 auf 3l4 erhöht; an Schenkungen und Legaten fielen ihm 328 ff. zu, so daß auch am Schluffe dieses Jahres das Grundcapital eine Vergrößerung von 500 fl. erfuhr. Die Herren DDr. Drey und Herzfelder nahmen sich fortwährend der armen Kranken in liebevoller, aufopfernder- Weise an-, welchen hiefür. auchim Verettie mit denbeiden Vorsteherinnen. Frau. Jeanette Marx und Lffette Marx Dank und Anerkennung gebühren. Der Vermögenskusweis beziffert sich nunmehr aus ca. 14000 fl. an Baarem und Nominalwerth der Papiere, eine Summe, die bei den, leider immer noch steigenden Ansprüchen an diesen echt jüdischen Verein erst den Anfang bilden kann, um nachhaltig zu wirken. Möge ihm dies mit Gottes Hilfe gelingen! Aus Rubr. V (Schenkungen und. Legate) ist, zu nennen : Ein Legat des verstorbenen Frll Regensbürger mit 100 fl., dann Schenkungen von Herrn M. S. Hirsch Abr. Merzbacher, I. L. Cohn, Angelo Hellmann und Anderen.