Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 15-16 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XL Jahrgang. Wissenschaftliche Beilage M Ar. 15 & 16 des Israelit. Geschichtliche Skizze. (Schluß aus Nr. 8.) Man wird daher wohl oder übel, um einigermaßen eine Fassung zu finden, einen andern Weg einschlagen müssen. Wir glauben, daß ein kritischer Blick auf die fraglichen Stellen im Talmud wie in Megillas Taanis zu der Annahme zwingt, daß hier mehrere Fakta zusammengezogen und im Laufe der Zeit mit einander verwechselt und von ungesckickten Abschreibern bis zur Unkenntlichkeit entstellt sind. Nach solcher Conjektur fällt die Nothwendigkeit hinweg, einen zweiten oder gar dritten Schim. Haz. anzunehmen, was doch jedenfalls mindestens etwas gewagt erscheint. — Die Geschichte berichtet uns noch von etlichen Vorgängen, die einen ähnlichen günstigen AuSgang hatten, auf welche die fraglichen Stellen recht wohl zu beziehen wären. Jos. Alterth. IX. o. 8 berichtet, Sanbalat, Schwiegersohn des Priesters Manasche, erbittert über eine ihm zugefügte Unbill, stieß mit einem Heere zu Alexander dem Großen und wußte diesen feindlich gegen die Juden zu stimmen, indem er die schändlichsten Verleumdungen und härtesten Anklagen gegen sie vorbrachte. Wirklich unternahm Alex, den KriegSzug in feindlicher Absicht, und sicher wäre ein furchtbares Unglück über die Nation hereingebrochen, wenn nicht durch göttlichen Beistand zur rechten Zeit die Gefahr abgewendet worden wäre. Es sei nämlich dem ohenpriesier Schim. Haz. in einem Traume die röße der Gefahr mitgetheilt und gerathen worden, er solle dem Alex, entgegenziehen und ihn durch Bitten und Unterwürfigkeit zu besänftigen suchen. Schim. that, wie ihm geheißen, und es gelang ihm durch würdevolles Verhalten und leutseliges Wesen den mächtigen Eroberer freundlich gegen die jüdische Nation zu stimmen. In der That zeigte sich Alex, von nun an den Juden gewogen und sein Haß hitte sich gegen die Samaritaner gekehrt, 'vanbalat soll sich das Mißlangen seines Anschlags so zu Herzen genommen haben, daß er in eine schwere Krankheit verfiel und bald darauf starb. Dieser Vorgang wird auch im Talmud Joma 69 a. nur in etwas veränderter Form berichtet. Lasten wir in diesem Berichte alles Nebensächliche beiseite, so steht geschichtlich sicher, daß Schim. I. — und nur von diesem ist hier die Rede, was auch Niemand in Abrede stellt — durch Klugheit und weises Verhalten ein furchtbares Unglück verhütet und das Volk fast vom Untergange gerettet hatte. Es scheint uns daher die Annahme weniger gewagt, d^ß dieser Vorgang unserer fraglichen Stelle in M. Taanit zu Grunde liege, und daß dieser Schim. es war, der die Stimme vernommen; denn was bei Jos. als eine näätliche Vision dargestellt ist, wird dort einem. Bat-Kol zugeschrieben, und das DjpDj :nrui kann sehr wohl — da ja dieses Wort so wie so corrumpirt ist — auf Sanbalat be ogen werden. Der in Meor. En. 1 o. erhobene Einw nd, daß unter Schim. I. keine Verfolgungen gewesen, findet hiernach seine völlige Erledigung, indem dieser Schim., wie oben berichtet, allerdings ein Werkzeug in der Hand Gottes war, das Volk aus großer Gefahr zu retten, und daS "121 "’nDNo Megilla 11 a. ist vollkommen zutreffend. Der Vorgang unter Caligula ist bekannt und braucht nicht wiederholt zu werden. Aber noch eines dritten Vorganges müssen wir Erwähnung thun, da er daS VerDindniß zu fördern geeignet scheint. — Nach Jos. XX. 8 und 11 wollte Agrippa II. an seinem dem Tempel gegenüber befindlichen Palast ein hohes Gebäude aufführen lasten, um von hier auS alle Vorgänge in den Tempelräumen überschauen zu können. Sein Argwohn ließ ihn eine Verschwörung vermuthen und er wollte sich nicht überraschen lasten. Die Juden hielten dies für einen Eingriff in ihre Gerechtsame und beschwerten sich beim Statthalter; da sie hier aber kein Gehör fanden, schickten sie eine Gesandtschaft von zwölf Männern, zu welcher der Schatzmeister Chilkijah und der Hohepriester Jischmael tr. Phabi gehörten, nach Rom zum Kaiser Nero. Die Gesandtschaft benutzte die judenfreundliche Stimmung der Kaiserin oder Favoritin Popea und erwirkte den Befehl, daß der Bau unterbleiben solle. Soweit der kurze Inhalt des Berichts! Es erscheint demnach viel angemessener, das Nrvvsy mit diesem Vorgänge in Verbindung zu bringen. Die Tage bleiben als Halbfeiertage bekannt, welche fromme und Gottbegeisterte Männer als nationale Denkmäler eingesetzt, damit deren alljährliche Wiederkehr die Erinnerung an die wunderbaren Rettwigen immer auf's Neue wachrufen und zur Dankbarkeit gegen Gott anregen möge. Leider durste die Nation sich auch dieser Denkmäler nicht lange erfreuen; sie