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Der Israelit · 1870-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1870)
Date
1870-04-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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270 Gott gibt den Müden stets wieder neue Kraft und läßt das Bewußtsein in ihnen lebendig werden, daß trotz der bittersten Erfahrungen ihr Wirken und Stre-' ben zur Erhaltung unserer heiligen Religion beiträgt, daß es den Tod überdauert und fortlebt für alle Zeiten. Vergegenwärtigen wir uns das Zeitalter, in welches das Wirken Elijahu's fiel. Ierobeam hatte Israel zum Götzendienste verleitet, und er und sein ganzes Haus waren spurlos von der Erde verschwunden, wie es Gott durch seinen Propheten verheißen hatte. Baascha war in die Fußtapfen IerobeamS getreten und hatte das Schicksal desselben erfahren. Eine neue Dynastie, die Omri's herrschte nunmehr, schlimmer als die beiden vorangegangenen. Ach ab, der Sohn Omri's, und sein schreckliches Weib, Isebel, hatten zum Dienste der goldenen Kälber Ierobeam's den des Baal gefügt. Achab schrieb an die Pforten seines Palastes: „Achab hat keinen Lheil am Gotte Israelis " Isebel mordete hie Propheten Gottes';' sie mordet und raubt uttd stellt falsch^ Zeugen auf gegen die, welche sie vetderüen"will, ^ÜM sie zu berauben. Ganz Israel — bis auf 7000 Knie, die dem Baal nicht gedient — huldigt der „modernen Zeitrichtung", die „alten Vorurtheile" sind zum Gespötte geworden, Chiöl aus Beth El setzt sich hinweg über den Fluch Iosua's und erbaut Jericho wieder; aber der Fluch geht in Erfüllung; 'mit Abiram, seinem erstgeborenen Sohne legt er den Grundstein, und da er die Lhüren einsetzt, stirbt ibm Segub, sein jüngster Sohn, nach dem Worte des Ewigen, das Er geredet durch Josua, den Sohn des Nun. Während Chiöl um seine Söhne trauert, kömmt Achab, um ihn zu trösten; und auch Elijahu ist zu diesem Zwecke erschienen. Der König und der Prophet verlassen zusammen das Trauerhaus. Da sagt Achab: „Sonderbar, der Fluch Iosua's, des Schülers, ist in Erfüllung gegangen, aber der Moscheh's, des Lehrers, nicht; denn ganz Israel dient Götzen und doch strömt der befruchtende Regen hernieder." Und allsogleich stand Elijahu auf und sprach: „So wahr der Ewige lebt, der Gott Israels, vor dem ich gestanden, es wird diese Jahre hindurch weder Thau noch Regen kommen, es sei denn auf mein Wort!" Jetzt begann eine schreckliche Zeit. Eine furchtbare Hungersnoth kam ins Land, und Elijahu durchzog die Städte und die Dörfer und ermahnte das leidende Volk-vergebens. Einst kam Elijahu in eine Stadt, deren sämmtliche Bewohner Hungers gestorben waren. Nur ein Kind lag noch lebendig da, doch dem Tode nahe. Da sprach der Prophet: „Mein Kind, soll ich Dich vom Tode erretten?" ,,„O, rette mich!"" entgegnete das Kind. „So sprich mir nach: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Esvige ist einzig." „Nein," rief das Kind, „nicht das haben mich meine Eltern gelehrt!" Und es zog ein kleines Götzenbild aus seiner Tasche und küßte es und rief den Baal an, bis sein Auge brach. Damals hatten die Israeliten aufgehört, ihre Kinder zu beschneiden, und Elijahu eiferte für den Bund der Beschneidung-vergeblich. Uyd Elijahu that Wunder; das Mehlkästchen der Wittwe, bei der er eingekehrt war, wurde nicht leer, und der Oelkrug hörte nicht auf, Oel zu spenden, und Elijahu machte wieder lebendig der Wittwe todtes Kind, und ganz Israel hörte es und staunte, aber Niemand nahm es sich zu Herzen, Niemand ließ ab von seinem bösen Wandel. Da versammelt Elijahu Israel nach dem Berge Karmel. Er allein tritt den vierhundert Propheten des Baal gegenüber; und die Baalspriester werden zu Schanden, und der allmächtjge Gott läßt Feuer vom Himmel horniederströmerff bas Seines Propheten Opfer verzehrt, und ganz Israel wirft sich zur Erde nieder und ruft: „Der Ewige ist Gott, der Ewige ist Gott!" — und dennoch darf schon am andern Tage Isebel es wagen, Elijahu mit dem Tode zu bedrohen. Jetzt ergreift Verzweiflung des Propheten Herz, und seine Seele verlangt zu sterben. Aber Gott führt ihn an den Berg der göttlichen Offenbarung. Und siehe da, es erhob sich ein furchtbarer, mächtiger Sturm, der Berge entwurzelt und Felsen zerschmettert, — nicht im Sturme ist Gott; nach dem Sturme ein Erdbeben — nicht im Erdbeben ist Gott; nach dem Erdbeben Feuer — nicht im Feuer ist Gott, aber nach dem Feuer ein leises, sanftes Säuseln; in ihm ist Gott. Eine wunderbar herrliche Lehre! Die Frommen, die Weisen, die Edlen in Israel — sanft und mild und ruhig ziehen sie durch die Welt; nicht im Sturme, nicht mit Erdbeben, nicht mit Feuer erobern sie di.e Welt, sondern sanft und liebevoll führen sie die Irrenden zurück zum Vater im Himmel» Mag ihr Streben verhöhnt, verlacht, verspottet werden, mag ihr Kämpfen und Ringen, ihnen selbst oft als ein vergebliches erscheinen — ihnen tönt, vom Berge Horeb her das sanfte, leise Säuseln, das ihre Herzen kräftigt, ihren Muth aufrichtet und sie überzeugt, daß ihr Mühen trotz Allem erfolgreich ist. Glücklich, wer ausharrt bis an'S Ende! Die modernen Ierobeam's, Baascha's, Achats und Isebel's werden spurlos von der Erde verschwinden, aber wie Elijahu lebt, noch heute lebt, so werden die Frommen und Edlen, die für Gott und Seine heilige Lehre kämpfen, fortleben, in ihren Thaten zum Segen, züm Heile Israels, zum Segen, zum Heile der Ästenschheit.

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