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Der Israelit · 1870-03-23 · Heft 12 (23.3.1870) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 12 (23.3.1870)
Date
1870-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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weisen die statistischen Tabellen der Criminal-Justiz auf, daß verhältnißmäßih bedeutend mehr Verbrechen von Nichtjuden als von Juden Lega»ge» »erde«. AuS der Art und Weife, wie der Pamphletist die reichen jüdischen Banquiers in Rumänien schildert, geht zur Genüge dessen Gehässigkeit hervor. Glücklicherweise kennt man Viele derselben im Occident und weiß genau, daß die Schilderung nicht zutrifft. Nach dem Eindrücke, den die erwähnte Broschüre macht, sollte man meinen, daß die Juden in Rumänien lediglich Wirthe, Proletarier, Trödler und Banquiers seien, und doch ist es eine ausgemachte Thatsache, daß die größte Zahl der rumänischen Israeliten aus Handwerkern und Industriellen besteht! Seit längerer Zeit behaupten die rumänischen Judenfeinde, und auch der Versaffer der in Rede stehenden Broschüre spricht es oft genug aus, daß die Juden eine Plage für Rumänien seien. Allein früher war man nicht dieser Ansicht. Noch am 18. Juni 1867 hielt der ehemalige Minister Costaki Epurbano eine Rede, in welcher er die Anwesenheit der Juden in den Donaufürstenthümern als eine ökonomische und sociale Nothwendigkeit darftellte. Freilich, wenn Herr E. jetzt wieder Minister würde, so würde er wahrscheinlich die Juden auch nicht besser behandeln; denn die Staatsmänner jenes Landes richten sich nicht nach Grundsätzen, sondern nach zufälligen Umständen. Damals aber behauptete er, daß die Feindseligkeiten gegen die Juden lediglich durch die Regierung hervorgerufen sei.; Die Civilisation, deren sich die rumänischen Staatsmänner und Großen rühmen, ist eine rein äußerliche, LÜre-übertünchte Barbarei. Dort gilt Jeder für gebildet, der gut rasirt, pomadisirt, nach der Mode gekleidet ist, dabei den Atheisten spielt und soviel Geld als möglich zu erpressen sucht. Man wird sich noch des Johann Falcoi'ano erinnern, der, in Paris erzogen, -ein Muster rumänischer Civilisation und dabei ein Henker sonder Gleichen war, der die scheußlichste Tortur anwandte und die schrecklichsten Grausamkeiten beging. Darob.angeklagt, wurde er mit einer leichten Strafe belegt, und als er kurz darauf in geheimnißvoller Weise starb, wurde sein Leichenbetzängniß wie das eines Märtyrers mit dem größten Pompe gtfeiert. Das ist rumänische Civilisation! Was der Verfasser der in Rede stehenden Broschüre Unter Civilisation versteht, das spricht er ganz offen aus. „La recherche du bien etre“ das Bemühen, es sich wohl sein zu lassen. Dieses Bestreben Ist den rumänischen Wortführern mit „Christenthum" identisch, und die Juden zu vertreiben und ihres Vermögens zu berauben, damit sie sich dafür gütlich thun können, darin besteht ihnen die christliche Civilisation l! Wie es falsche Prophten gegeben hat, so gibt Es auch falsche Apostel der Civilisation. Nur die äußere Art zu sein, sich zu kleiden und zu benehmen, haben diese den civKistrtm Nati-nen abgelauscht; im Inneren sind sie die alten Barbaren geblieben. Nicht das Licht, bas die Tiefen der Seele erhellt, nicht die Verbesserung der Sitten, die den Menschen vor Roheit und Schlechtigkeit schützt, ist ihnen die Cultur, sondern nur das Mittel, in feinerer und rafsinirterer Weise zu genießen. Diese Mensche«, von keinen edlen Grundsätzen und Bestrebungen getragen, doller Ehrgeiz, Herrschsucht und Genußsucht, suchen den Beifall der Monge dadurch zu erringen, daß sie die Leidenschaften des Pöbels reizen und diesen die Juden preksgeben. In welcher Weise der Jude in Rumänien zurückgesetzt ist, ganz abgesehen von den Verfolgungen und Austreibungen, mag aus folgenden Punkten hervorgehen: Zur Advocatur wird kein Jude zugelassen; eine öffentliche Lehrerstelle oder Professur kann kein Jude erlangen; in der Armee kann kein Jude auch nur Unteroffizier werden oder Pension erhalten; kein Jude darf Kreisarzt werden; Apotheker nur dann, wenn es an irgend einem Orte keinen christlichen Phsrmaceuten gibt; endlich dürfen Juden, die kein Grundeigenthum besitzen, solches nicht erwerben. Und dennoch wagen die Rumänen, zu behaupten, sie Hätten keine religiösen Vorurtheile! In der in Rede stehenden, judenfresserischen Broschüre wird allen Ernstes auSgerusen: „Wir wagen eS zu behaupten, ohne Furcht, auf Widersvruch zu stoßen, daß nach den vereinigten Staaten von Nordamerika Rumänien dasjenige Land ist, in welchem die vollständigste religiöse Toleranz herrscht, das einzige Land , über welches sich niemals der düstere Schatten religiöser Verfolgung gelagert hat!" Ist das nicht stark? (Schluß folgt.) ZleVer Kiddusch-Kachodesch «nd Kiddufch- Kalewana. (Nach Akeda, Schaar 7*3.) Von L. Ttt. Unsere heilige Thora, obwohl hauptsächlich darauf berechnet, das Auge unsres Geistes auf unser Inneres zu richten, unser Denken zu läutern, unser Fühlen zu veredeln und unser Wollen dem allerhöchsten Gesetzgeber zu unterwerfen, lenkt doch nicht selten unsre Blicke auch auf die WÄt außer uns, auf Natur und Geschichte. Ihre erste Zeile schon weist uns auf t>ic Entstehung des Universums hin; der heilige Sänger des neunzrhntm Psalms führt neben der

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