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Der Israelit · 1870-02-23 · Heft 8 (23.2.1870) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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152 Erhaben ansehen und so sind sie immer nur „Schatten von Gelehrten." Geschichtliche Skizze. In der sogenannten Fastenrolle UeZillat Taanit finden wir unter den Tagen, an welchen eine.öffentliche Trauer nicht statlsinden soll, die etwas dunkle Notiz unter Note 11 vcrzeiäret: ö2BQ pro picyu nbttb nNn’4<^ hwd ini Nrvrziy iPld “£Dct> . ...DU^Da :nnJi und im Ccholicn dazu wird die motivirende Bemerkung gemacht, das der Feind Götzenbilder gesandt hake mit dem strengen Befehl, diese im Tempel aufzusellen; am 22. Sch'wat sei der Feind ermordet worden und so der Befehl unausgeführt geblieben. — Will man dieser Note einen historischen Hintergrund zuerkennen, so drängt sich ganz von selbst die Frage auf: Wer war dieser Feind, der solch grausames Ansinnen glst'llt und zu welcher Zeit hat die Begebenheit sich zugetragen? — Auch in buden Talrnuden geschieht dnses Vorgangs Erwähnung, nur in veränderter Form. Sota 33 a. wird vom Hohenpriester Schimeon Hazadik berichtet, er habe eine Stimme aus dem Allerheiligsten vernommen, welche lautete: DJpDp :nrui h*od -ctn Nm’uy Dagegen fehlt im Jerusch. Sota IX., 13. das und ist dort die Leseart O^dp D"J nru. Es sind bereits vielfache Versuche gemacht, einiges Licht in dieses Dunkel zu bringen, namentlich ist über das Faktum selbst und die Zeit, in welcher es sich zugetragen, viel gestritten und noch mehr geschrieben worden. Versuchen wir es daher, hier unsere Meinung niederzuschreibcn, die, wenn auch nicht erschöpfend, doch vielleicht etwas dazu beitragen dürfte, der Wahrheit näher zu kommen. Hören wir zuförderst zwei der besten und competentesten Urtheile. R. Asarja de Rosst, Meor Enajim v. 22, glaubt dieses Factum in die Zeit der Griechenherrschaft verlegen zu müssen, indem in der spätern Zeit unter den Römern von einem Schim. Haz. nichts bekannt sei, und auch da müsse man nicht an Schim.' I. (so wollen wir ihn der Unterscheidung halber bezeichnen) dem Sohne des Honia denken, sondern an besten Enkel, der auch Schim. geheißen, oder an den noch spätern Schim. b. Matisjahu. Demnach sei, wie daselbst weiter ausgesührt wird, das .nrm DJ^pDp auf Kallinikos Seleukos zu beziehen, welcher um mehr als 3^0 Jahre vor der Zerstörung Jerusalems gelebt. Er begründet die Annahme des Schim. III. noch ferner dadurch, daß Mcgilla 11a, die Stelle vorkommt, 'O'mpnw D’Ji’ 'v'a dtidnd ♦ ♦ ♦ pnsn pyctp nnb, hier könne aber durchaus nicht Sä im. I. gemeint sein, da in dessen Zeit noch keine Gefahren und Verfolgungen vorgekommen wären. Abgesehen, daß weder von dcm zweiten noch dem dritten Schim. erweislich ist, daß sie den Beinamen Hazadik gehabt härten, treten urs gegen diese Ausführung folgende Bedenken entgegen. Meor En. o. 32 berichtet, daß Menasche, Bruder des Schim. I. zu Kallinikos in freundschaftlicher Beziehung und daß Schim. selbst bei Antioäus dem Großen in hoher Gunst gestanden. Wodurch läßt sich nun die Vermuthung rechtfertigen, daß Kallin. solche judenfeindliche Gesinnungen gehegt und den Befehl gegeben hätte, Götzenbilder im Tempel aufzustellen? Außerdem aber ist schwer zu erweisen, daß Schim. II. noch Zeitgenosse des Kalliu. gewesen und von Schim. III. wird dies fast zur Unmöglichkeit. Rapoport, Erech Mill'n S. 130, setzt den Vorgang in die Zeit des Kaisers Caligula, von d'em Josefus, Alterth. XVIII., c. 8 ausführlich berichtet, er habe dem Statthalter Petronius strengen Befehl erlheilt, mit einem Kriegsheere nach Jerusalem zu ziehen und die Ausstellung seines Bildnisses im Tempel nöthigenfalls mit Gewalt zu erzwingen. Dieser war bereits bis Ptolemais vvrgedrungcn, wohin die Juden zu Tausenden zu ihm kamen und durch Bitten und Vorstellungen ihn von seinem Vorhaben abzubringen suchten, indem sie mit aller Bestimmtheit erklärten, daß die ganze Nation tausendmal den Tod vorziehen als eine solche schmachvolle Entweihung ihres Heiligthums dulden wolle. Bald darauf fiel Callg. durch Mörders Hand und die Ausführung des unsinnigen Befehls unterblieb. — Demnach wäre die Leseart des Jerusch. On^p d«j Casus C'ligula die richtige. In Betreff des Schim. glaubt Rap, es sei Schim. b. Kimchis, welcher Jos. Alterth. das. 2, 2. als Vorgänger des Jischmael b. Phabi erwähnt, welcher die Stimme vernommen, die ihm Calig.'s Tod verkündete. Jndeß ist auch diese Ausführung nur mit Vorsicht aufzunehmen. Denn außerdem, daß bei diesem Schim. das' Epitheton Haz. noch weniger zu erweisen ist, und daß ferner bezweifelt werden muß, ob derselbe zur selbigen Zeit Hoherpriester gewesen, was nach Jos. Alterth. XX, 10. 1. und Talmud Pesachim 57 nicht zutrifft, müßte eö wohl statt Kn-ray rodva paffender heißen Nrrvtt rpDD (Schluß folgt.) Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofduchhandlung. — Dampf--Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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