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Der Israelit · 1870-02-23 · Heft 8 (23.2.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 8 (23.2.1870)
Date
1870-02-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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139 amerikanischen Glaubensgenossen der Auswanderung der westrussischen Juden nach Amerika nicht günstig gestimmt sind. New-Nork, im Januar. In einer hiesigen Zeitung beklagt sich ein Herr Lion, (Löwe) daß ein Einhorn, ein Adler, ein Hirsch und eine Anzahl Affen sich zu einer Menagerie in Philadelphia vereinigt und diese „Rabbinerconferenz" genannt hätten, ohne ihn, den König der Thiere, vorher um Erlaubniß gefragt zu haben. Der gute Mann vergißt, daß wir hier in einer Republik leben, daß also die Einhörner, Hirsche, Adler, Affen rc. keinerlei Autorität zu respectiren haben. Herr Lion möge sich jedoch beruhigen, all diese wilden und zahmen Thiere sind ganz unschädlich ntorCD Dia sie gleichen dem Viehe und schwinden hin ">211 D^'.yb O'p' aber das Wort unseres Gottes wird bestehen für die Ewigkeit." Feuilleton. N 0 st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) VIII. Der Knabe Bostanai, Zur Freude Aller, die ihn sahen, wuchs Bostanai heran. Sein holdes Kindesantlitz war schön wie der Mond, der in milden Sommernächten leuchtet. Von kräftiger Gestalt, besaß das Kind eine wunderbare Kraft im Erfassen dessen, was man ihn lehrte. Rabbi Kaphnai hatte das Gaonat, das heißt, die Leitung der Hochschule aufgegeben, um sich ganz der Erziehung seines Enkels zu widmen. Damit Bostanai nicht einsam zu lernen brauche und damit er zugleich einen Genossen habe bei seinen kindlichen Spielen, hatte Rabbi Kaphnai einen verwaisten Knaben, in gleichem Alter mit Bostanai, zu sich genommen. Achai, so hieß die Waise, war ebenfalls ein reichbegabtes Kind, und die beiden Knaben liebten sich bald wie Brüder. Von Zeit zu Zeit mußte Rabbi Kaphnai nach DeSdagerd an den Königshof reifen, um dem Könige über das Besinden und Gedeihen Bostanai's Bericht zu erstatten. Kosroes hatte seines Traumes und des in ihm geleisteten Versprechens nicht vergessen. Eines Tages kam er s lber nach Mechusa, um sich von dem Wohlbefinden seines Schützlings zu überzeugen. Er freute sich des klugen, kräftigen Knaben, und befahl, mit der größten Sorgfalt über dessen Erziehung und Entwickelung zu wachen. An dieser Sorgfalt ließen eS nun Mutter und Großeltern nicht fehlen. Rabbi Kaphnai selbst unterrichtete den Sohn seiner Tochter und deffen Gespielen. Rabbi Kaphnai, der als ehemaliger Gaon ein Wissen besaß, von dem daS heutige Geschlecht sich kaum eine Vorstellung zu machen vermag, unterrichtete die Kinder nur in den fünf Büchern der Thora. Aber an jedes Wort knüpfte er nicht allein, was die mündliche Lehre, was Mischnah, Gemara, Midrasch, Siphra und Siphrö darüber lehren, sondern auch alles profane Wissen, was damit im Zusammenhänge steht. So lehrte er die Kinder die Schöpfungsgeschichte und zugleich mit den ersten Versen der heiligen Schrift lehrte er sie den wunderbaren Bau des W ltalls kenncn und den Zusammenhang jvon Himmel und Erde, und als sie die Schöpfungsgeschichte des dritten Tages gelesen und verstehen gelernt, da zeigte er ihnen die Größe des Schöpfers an ^en zahllosen Pflanzen und Bäumen; ebenso Lehrte er sie bei der Geschichte des vierten Tages den gestirnten Himmel kennen und bewundern und die Stellung und den Laufe der Gestirne und den Wechsel des Mondes; und bei der Geschichte des fünften Tages beschrieb er ihnen all die Fische und die Thiere, die im Wasser leben und alle die Vögel in der Luft, und ebenso bei der Geschichte des sechsten Schöpfungstages erzäblte er von den Thieren auf dem Trockenen und von der wunderbaren Begabung und Bevorzugung des Menschen. Dann setzte er bei der Geschichte des siebenten Tages die Lehren auseinander, die sich an die Feier des Sabbats knüpfen, in jedem Wort und jedem Buchstaben der heiligen Schrift Andeutungen gebend, die es unauslöschlich dem Gedächtnisse einprägten. Also ging der große Lehrer mit seinen begabten Schülern die fünf Bücher der Thora durch, das erste Mal nur sich an das Allgemeine haltend und von allen Kenntnissen und religiösen Forschungen nur die allgemeinen Grundsätze offenbarend; dann aber wiederholte er die fünf Bücher der Lehre, jetzt Alles ins Einzelne erklärend und damit daS ganze Gebiet menschlichen Wissens und Erkennens seinen Schülern m'tcheilend. So waren diese zehn Jahre alt geworden. Jetzt lehrte sie ihr großer Lebrer die Mischnah, deren Inhalt und deren Zusammenhang mit der Thora den Schülern schon bekannt war. An die Mischnah, welche die Knaben auswendig lernten, knüpfte Rabbi Kaphnai gleich den gefammten in der Gemara enthaltenen Lehrstoff, und als die Jünglinge das fünfzehnte Jahr erreicht hatten und nunmehr an die uns überlieferten Discussionen des babylonischen Talmuds kamen, war der Inhalt derselben ihnen schon vollständig bekannt, so daß sie auch ine Formen mit Leichtigkeit in sich aufnahmen. Jetzt hielt es Rabbi Kaphnai auch an der Zeit, seinen Enkel mit dem Geschicke seines Vaters und seines Vaterhauses bekannt zu machen. Wie knirschte

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