Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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109 thesie antcr Wasser gesetzt hat. Die Einwohner trugen ihre Möbel vom 1, in den 2. Stock. Der Iimmer ist groß besonders an der Brücke Quattri Cappi. Doch scheint man sich sehr wenig um dieses Quartier zu kümmern. Es ist dar Ghetto, das Iudenviertel! :K u § ( a n d. Vev der polnischen Grenze wird der „Danz. Ztg h geschrieben: Die große, in der ganzen Welt Mitleid und Tbeilnahme erregende Noth der west-russischen ',lud«w ist leider jetzt verdoppelt worden durch 4>en ebenfolgten kaiserlichen UküS, welcher ausschließlich een Juden die Pflicht auserlegt, bis zum 3t. Lebensjahre zum Militärdienst gezogen zu werden, wohingegen die Christen nur bis zum 2$. Jahre diese Verpflichtung haben. .-Zwar enthält dieser UkaS zugleich eine Begünstigung (?); aber die Juden könnet obne ihre Ueberzeuguug verleugnen zu wollkn, keinen Gebrauch von dieser das Gewissen verletzenden Begünstigung machen, welche nämlich alle militärpflichtigen Inden, dw sich taufen lasten, vom Militairdienst befreit. Wer einigermaßen mit den Verhältnissen der hiesigen Juden vertraut, daß sie nämlich im 18., spätestens im 20. Jahre ihres Alters schon vcrbeirallm, und bei Erreichung des 30. Jahres mit einer zahlreichen aus 5—ö Kinder bestehenden Familie beladen. für deren Unterhalt sie rastlos bestrebt sind, der kann sich leicht eine Vorstellung machen von dem panischen Schrecken, den der obige Ukas auf die unglücklichen Familienväter. die das 31. Jahr nicht erreicht haben, bervorgebracht; denn sie sehen sich mit einem Schlage gänzlich rninirt, ihre Gewerbe und Geschäfte plötzlich vernichtet; ihren in'S tiefste Elend jählings gestürzten Familien entrissen, werden sic in strengster Hast gebalten, nach der Gouoerucmentsstadt geführt und v»u hier mit einer bewaffneten Escorte nach dem Kaukasus zur Erfüllung ihrer Militärpflicht auf wie viel Iabre? weiß der liebe Gott! tranSporttrt werderr. - A s i e rr. schönste Gebäude von Bombay. Die^ Vorhalle ist von weißem Marmor, ebenso der Almemer. DaS Holzwerk ist von Ebenholz. Sie wird durch 5 prachtvolle Leuchter beleuchtet, welche morgens und abends angezündet werden. Das ganze Gebäuoe ist von dem verstorbenen David Saston errichtet worden. Für einen Amerikaner oder Europäer ist dev Anblick des Innern der Synagoge sehr auffallend, besonders am Sabbat, wo auch viele Frauen anwesend sind. Die Männer sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen und tragen Turbane und lanpe weite Kleider von allen Farben. Die Damen, welche ui Sänften zum Gottesdienste sich tragen lasten, tragen Kleider uno Beinkleider von rosa-weißer oder blauer Seive; ibre Gesichter sind gänzlich verhüllt mit einer Art Schleier. Es ist in der Synagoge eine schöne Gallerie für die Damen, wie bei uns, und können diese von den Männern nicht gescheit werden. Dec Gottesdienst wird nach portugiesischem Ritus abgehalten. Die Gemeinde ist streng orthodox. Ich glaube sicher, daß, wenn Jemand in der Gemeinde in pc von einer Orgel u. s. w. spräche, große Aufregung unter den Gemeindemitgliedern entstehen würde. Der pn, IbenNahum Ben Selim, ist ein Araber, wie dies meist die hiesigen Juden find. Bei Hochzeiten erhält er häufig ein Geschenk von 100 bis 5*000 Realen ( 10 bis 530 L.) und hat er einen Gehalt von 6000 Realen. Sie sehen also, dast ein in Indien nicht schlecht gestellt sind. Caleutta (Ostindien.) Es freut uns, mittheileu zu können, daß ber der jüngsten Anwesenheit des Herzogs von Ediuburg die Juden großen Antheil an den öffentlichen Manifestationen zu Ehren des Prinzen genommen. Sie zeichneten sich besonders durch ihre Illumination ans. (Iew. Rec.i Afrika. Algier. Die Israeliten der Provinz Algier haben an den Kaiser der Franzosen eine Petition gerichtet, in welcher sie um die französische Naturalisation bitten. (Univ. ISr.) Bombay. (Ostindien.) Einem interesianten Bericht über Bombay in dem „ Iew. Mess." entnehmen wir Folgendes, die isr. Bevölkerung betreffende: Ich war?ebr freudig überrascht. die Wahrnehmung zu machen, daß eine große Iaht der wohlhabendsten und einflußleichsien Kaufleme Bombays Glaubensgenossen sind. Es gibt oaürer zwei Synagogen; die eine ist in dem Fort (so wird der Stadttheil genannt, wo die Geschäfte der Stadt sind), die andere in Byculla, wo mehr die Privatwvbnungen sind. In Letzterer war ich mehrmals gewesen; dieselbe ist meiner Ansicht nach das Amerika. Gtueiunati. Der hochberühmte (?) Reformer Dr. Wise in Cincinnati ist sehr erfinderisch. Er hat für die Wintermonate am Freitag einen Gottesdienst auf 7 Uhr Abends angeordnet, damit die Juden, die ibre Geschäfte am Freitag Abend nicht früher schließen können resp. nicht wollen, Gelegenheit haben, eine Predigt son Dr. Wise zu hören und sich erbauen können, Dr. Wise spricht die Hoffnung auS, daß andere Gemeinden seinem Beispiele folgen werden. (Iew. Mess.)