Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1870)
- Date
- 1870-02-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XL Jahrgang. M 6 Ein Kentral - Hrgan für das orthodore Iudenlhum. Herausgegeben von Br. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 9. Februar 5630 (1870). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens L Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder fl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. Inserate l‘/2 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Francozu« sendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt: Leitender Artikel: Vorurtheile. Zeitungsnachrichtmund CorrefpondenzenrDeutschland: Mainz. Mainz. Schnaittach. Berlin- Berlin. Kiel. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Innsbruck. — Frankreich: Paris. Paris. Paris. Paris. Paris. Paris. Besancon. Mühlhausen. — Amerika: New-Dork. New-Dork. New-Dork. Washington. Feuilleton Bostanai. Znyatt der Akeikage r Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Oesterr.- Ung.-Monarchie: Wien. Aus Mähren. — Frankreich: Paris. — Italien: Rom. — Rußland. — Asien: Bombay. Calcutta. — Afrika: Algier. — Amerika: Cincinnati- Leitender Artikel. Aorrrrtheike. Mainz, den 1. Februar. Unsere geehrten L.ser werden sich eines Artikels in Nr. 4 dieser Blätter erinnern, in welchem von einer in öffentlicher Vorlesung gethanen Aeußerung des Herrn Professor Dr. K Röder zu Heidelberg die Rede war; Herr Prof. R. hatte nämlich behauptet, daß eö bei Juden ein noch in diesem Jahrhundert vorgekommener Brauch sei, Sterbende oder solche, die man dafür hält, gewaltsam zu ersticken, um sie auf diese Weise schneller in ein befferes Jenseits zu befördern. Wir erhalten nunmehr in Bezug darauf von Herrn Profcssor R. das folgende Schreiben: „Herr Redacteur! Mit lebhaftem Bedauern habe ich die Jndiscretion wahrgenommen, mit der eine, von mir auf Befragen vertraulich ertheilte nähere Auskunft alsbald in der „Frankfurter Zeitung" an die große G^cke-geäugt worden ist, deren Klänge auch in Ihrem BlatWWren Widerhall fanden. Dies bestimmt mich zu ein Paar Worten darüber, in der Voraussetzung, daß Sie nicht zu Jenen gehören, die stets geneigt sind, aus jeder Rüge alter jüdischer Mißbräuche, Angriffe auf „daS Judenthum" herauszudeuten. Der unleugbaren RechtSforderung, daß, wie jedem andern Unfug, so auch diesen hier und da vorkommenden Unsitten der Juden gesteuert werde, von denen manche entschieden lebensgefährlich waren, ist man erst etwa seit 50 Jahren allmählich nachgekommen, indem es früher dem „christlichen Staat", nach der damals vorherrschenden menschenfreundlichen Auslegung dieses Wortes auf einen Juden mehr oder weniger nicht ankam. Als solche Mißbräuche hatte ich namentlich das sonst übliche, nun längst verbotene, übermäßig schnelle Begraben angeführt, sowie das Benutzen eines kalten unterirdischen Lochtz in einer Stadt des mittleren Deutschlands zum Reinigungsbad, das sicher manchem Leben vorschnell eine Ende gemacht hatte. Ebendahin schien mir auch der sogenannte „Fertigmacher" zu gehören, von dem mir mehrfach erzählt worden war, daß er die Bestimmung gehabt habe, einen schweren Todeskampf abkürzen zu helfen. Ob ein solcher Mißbrauch nicht wenigstens an einzelnen Orten bestanden hat, scheint mir noch keineswegs ausgemacht, auch wenn ich die