Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XI. Jahrgang. Zweite Beilage z« Rr. 3 des Israelit. Le i t e n d e r A11 i f e l Literarischer Mericht. Gelegenheitspredigten jüdischer Kanzelredner. Erster Pand: Trauungsreden für alle Wochenabscbnitte des Jahres von Elias Ka'peles, Rabbiner. Breslau 1870 Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch.) — Das Bedürfniß, aus dem diese Sammlung hervorgegangen, ist ein wohl cerecktsertigt'es, da in der Tbat in unserer an stickten, tendenziösen und — schlechten Predigten so überaus reichen homiletischen Literatur bis jetzt an guten, echt religiösen Casualreden ein fühlbarer Mangel herrschte. Die Gelegenheit zu einer solchen Rede tritt oft unversehens und plötzlich an den Redner heran, und nur em durch Talent oder lange Wirksamkeit hervoragender frediger vermag eö, eine solche Casualrede in^kurzer eit zweckentsprechend auszuarbeiten. Daß die Sammlung von Gelegenheitsreden wirklich diesem Mangel abhelfen werde, das beweist uns schon dieser erste Band, der 45 Trauungsreden, nach den Wochenabschnitten geordnet — natürlich mit Ausschluß der Wochenabschnitte, in denen die religiöse Trauung verboten, und dessen Herausgeber Herr Rabbiner Karpeles, ein wackerer langbewährter Kämpe für das orthodoxe Judenthum. Auch der Inhalt dieser Trauungsreden ist ein guter. Eine schöne, blumenreiche und doch kernige Sprache, ein reichhaltiger Gedankeninhalt, eine seltene Fülle von Schrift- und Midrascherklärungen, vor allem aber eine warme, echt innige Frömmigr keit zeichnen diese Predigtsammlung vorteilhaft aus, und lassen uns hoffen, daß das auch äußerlich schön ausgestattete Buch nach dem Wunsche seines würdigen Verfassers „zur Erhaltung und Heiligung echtjüdischen Familienlebens, das Jahrhunderte hindurch unser Stolz, unsere Zierde war, sein Sckärflein beitragen wird, daß das Prvphetenwort sich erfülle: Mein Volk soll in glücklichen Wohnungen, in sicheren Hütten, in ungestörten Ruhestätten wohnen." — geitrrugsrrachrichten ttttfc Correfporrdenzen. Donaufürstenlhümer. Bukarest, 1. Januar. In der Sitzung vom 28. v. M. war die angemeldete Interpellation des Deputirten Jon Codrescu an der Tagesordnung. Die Forderung um Aufklärung war an das Gesammt-- Ministerium im Allgemeinen, an den Premierminister und den Minister dcS Aeußern aber insbesondere gerichtet, und betraf die Bewegung der Israeliten in Rumänien und die Thätigkeit der unter dem Namen Alliance israelite „Universelle" bestehenden Gesellschaft. Codrescu stellt vor Allem den Satz auf: daß es sich bei dieser Frage nickt mehr darum handle, daß einzelne Individuen ins Land kommen, um sich hier ein ruhiges Stückchen Brot zu verdienen, sondern daß hier von der Invasion einer Nation die Rede sei, die eine andere Nation überschwemmen wolle. Nun geht Redner auf die Thätigkeit der Pariser israelitischen Alliance über, zeichnet in grellen Farben die Tendenzen derselben, die dahin gingen, einen israelitischen Staat zu gründen, wozu eben der Orient und speziell Rumänien in Aussicht genommen sei; citirt zum Beweis dieser seiner Behauptung mehrere Auslassungen journalistischer Organe der Alliance und stellt sodann die folgenden statistischen Bemerkungen an: Im Jahre 1849 befanden sich — laut amtlichen Ausweisen — 11,056 israelitische Familien in der Moldau^ folglich kam 1 Israelite auf 27 Rumänen. — Im Jah-e 1869 beträgt die Zahl der Israeliten" 400,000. Diese Ziffer sei in dem Berichte des Rabbiners Lewi an die Alliance und durchaus nicht zu hoch gegriffen. Hiervon entfallen 25—50,000 auf das Land diesseits des Milkov (Wallachei), der Rest aber,auf das Land jenseits des Milkov (Moldau). Die rumänische Bevölkerung der Walachei auf 5 Millionen, jene der Moldau auf 2 Millionen veranschlagt: entfällt 1 Israelite auf 5 Rumänen, wo ' vor 20 Jahren das Berhältniß von 1 zu 27 bestand. In Frankreich kommt 1 Israelit auf 240 Franzosen, in England 1 Israelite auf 728 Engländer, in Oesterreich 1 Israelite auf 31 Oesterreicher. Angesichts solcher Thatsachen Müsse jeder Rumäne berechtigte Besorgnisse um seine Nationalität,- sowie um sein mit dem Blute seiner Ahnen erkauftes Vaterland hegen. Codrescu stellt schließlich das folgende Begehren an die Regierung: „Es werde den Juden keine Güterpacktung mehr gestattet; die vom Minister ergriffenen Maßregeln, wonach es den Israeliten nicht erlaubt ist, auf dem flachen Lande Schänken zu halten, sollen mit Energie dnrchg'führt werden; es sei dm Juden der Ankauf von Immobilien verboten; man verzichte lieber vorläufig auf die Befteiung von der Konsularjurisdiktion, als daß man die Befreiung mit dem Zuge-