Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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49 \ AeitmrgSrw«h*L<h4e« nnb &ovrefpotu denzen. Deutschland. A«s Weftphahlen. In Nr. 50 des „Israelit" spricht der geehrte Correspondet, Herr Lehrer Rosenwald, den Wunsch aus, es möchte doch durch den Tod des Rabbiners Sutro hx“} erledigte Nabbinat doch recht bald wieder besetzt werden. Diesem Wunsche gegenüber, yerstattet in aller Bescheidenheit, ein Leser dieser geschätzten Bl., der in den localen Verhältnissen versirt zn sein glaubt, es sich, folgende Bedenken zu erheben: Bei dem neologen Standpunkte vieler Gemeinden in den Regierungsbezirken Minden und Arnsberg — wir erwähnen hierbei nur des Umstandes, daß erst jüngsthin wieder in zwei Mittelgemeinden der sog. 3jährige Cyclus bei minn nanp eingeführt wurde, nnsDDn nnwB, und daß in einigen Gemeinden sich gar kein Mikwah befindet — ist kaum eine andere Wahl als eine ultradicale zu erwarten, wohl keinesfalls eine im Sinne der Orthodoxie. Alsdann könnte aber das Nebel leicht zu einem chronischen werden, und daß der Regierungsbezirk Münster ein besseres Wahlresultat herbeisühren werde, ist — dem Zahlenverhältnisse nach — zweifelhaft. Wäre es daher nicht vielleicht gerathener, wenn die der Orthodoxie noch treu anhangenden Familien dahin strebten, daß die Provinz — entweder zusammen oder getrennt nach Regierungsbezirken — sich den benachbarten Provinzen, woselbst schon seit Jahren einige anerkannt fromme, hochachtbare Rabbiner zum Wohle und Heile ihrer Pflichtbefohlenen fungiren, anschlösse und diesen die obere Leitung ihrer Religionsangelegenheiten , als: Beaufsichtigung des Religionsunterrichts, Examina der Schochtim u. s. f. übertrüge? Dann wohl könnte eine successtve Wendung zum Besten erwartet werden. Berlin» Unter allen Factoren des jüdischen Lebens, die der Durchsprechung in Ihrem geschätzten Blatte würdig sind, scheint mir keiner so wichtig und doch so wenig beachtet als die jüdischen Restaurationen, wichtig, namentlich in unserer Zeit, wo durch die Bestrebungen der Reformrabbinen in der That Gasthäuser zu finden sind — und man braucht sie nicht mit der Diogeneslaterne zu suchen — an denen eben nichts koscher ist als das Wort "itco, das mit Goldlettern an der Thüre prangt. Dieser Umstand hat auch die orthodoxen Kaufleute, Reisenden rc. gezwungen, fast gänzlich auf die Annehmlichkeit warmer Speisen in fremden Städten zu verzichten. Wer nun weiß, mit welchen -Schwierigkeiten dies verbunden, der allein wird die ganze Tragweite der wahrhaft erschreckenden Thatsache ermessen können, daß es oft große Städte mit großen jüdischen Gemeiden gibt, in denen stch auch nicht eine Restauration befindet, wo ein glaubenstreuer Jehudi speisen könnte. Nirgends trat bis jetzt dieser traurige Umstand so sehr in die Augen, wie hier in Berlin, wo ein neologer Vorstand und ein neologes Rabbinat diesem wichtigen Zweige jüdischen Lebens auch nicht die geringste SorgfaÜ angedeihen ließen. Heute ist dies i"O3 anders und besser geworden! Durch die unermüdliche „Thätigkeit unseres vr. Hildesheimer", sind die Verhältnisse deS Fleischwaaren - und Geflügelverkaufes in so sicheren und vertrauenswürdigen Händen, daß selbst der orthodoxeste Ichudi keinen Anstand zu nehmen braucht, hier Fleischspeisen zu genießen, was allerdings vor 3 Monaten noch unmöglich war. Wir halten es nunmehr von großer Wichtigkeit bei dem Zusammenflüsse von Fremden aus allen Welttheilen in der Hauptstadt des norddeutschen Bundes, in diesem geschätzten Weltblatte — denn daS ist der „Israelit" in Wirklichkeit — hier ein jüdisches Hotel namhaft zu machen, daß seinen ganzen Fleischbedarf den Scharren der AdaßIsroöl entnimmt, und daß durch seine, den strengsten und genauesten Anforderungen des jüdischen Religionögesetzes entsprechenden Einrichtungen, das Zutrauen aller orthodoxen Iehudim verdient. Ich meine das Hotel des als glaubenstreuer Jehudi bekannten Hrn.L. Cassel eines Schülers von R. A. Eger am neuen Markt 10. Da dasselbe außer dieser streng orthodoxen Einrichtung auch allen Comfort der andern jüdischen und nichtjüdischen Hotels in seine prachtvollen Räumlichkeiten vereinigt, so kann es orthodoxen Glaubensgenossen aufs Beste empfohlen werden, umsomehr da dieselben auch manigfache geistige Anregungen daselbst finden, so die Sitzungen des Sefath - Emeth- Vereines, orthodoxe Versammlungen rc. GroH - Strehlitz. Am jüngsten Sabbth aa fand in der hiesigen Synagoge gegen Mittag eine einfache aber erhebende Feier, die Eröffnung des von Rabbiner vr. Groß für die jüdischen Gymnasiasten veranstalteten Sabbat-Gottesdienstes, statt. 40 Schüler wohnten dem Gottesdienste bei. Ein 14jähriger Tertianer trug in völlig tadelloser Weise das Musafgebet vor. Jeder der Schüler, welche zur Thora gerufen wurden, las eine Parascha vor. Der Rabbiner hielt dann anknüpfend an den Vers: osntw "6 lY’nym an die Kinder eine Ansprache über das Gebet, welche auf alle Anwesenden, unter denen sich auch mehrere Christen befanden, einen ergreifenden Eindruck machte. In unserer Zeit des religiösen Indifferent smus muß man vor allem darnach streben in der Jugend dey religiösen Sinn zu wecken ly nio> O’pj’i D’^y ’£>d. Die Einrichtung des Herrn Rabbiners verdient daher überall, wo die jüdi-