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Der Israelit · 1870-01-12 · Heft 2 (12.1.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 2 (12.1.1870)
Date
1870-01-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4 19 es seien keine Gelehrten, nicht ein Zunz, nicht Cassel zur Berathung zugezogen, die doch die eigentlichen Sachverständigen seien. Auch diese Auslassung machte den Eindruck der Gehässigkeit und Feindseligkeit gegen das ganze Unternehmen und rief wiederholte Unterbrechung, ja sogar einen persönlichen Angriff des Dr. 'Steinthal, dcm er allerdings später eine Entschuldigung folgen ließ, hervor; der Vorsü ende konnte mit Mühe und nur durch die Beschwichtigung, daß ja die Erwiederungen nicht ausbleiken würden, die Ordnung erhalten. Prof. Lazarus erwiederte nun selbst: was die Frage über die politische Autonomie betrifft, so könnten allerdings über die Beurtheilung derselben nicht Alle Bernstein's sein, nur soviel zur Beruhigung, daß der Abgeordnete Assessor Laster das Statut geprüft ' und nichts dagegen eingewendet habe, daß auch die Breslauer Fränkelsche Stiftung ganz frei von staat- Ucher Beeinflussung und Genehmigung ja, daß dies von den Behörden selbst ausgesprochen sei; „frei politischen Behörden gegenüber" kann natürlich nur innerhalb der gesetzlichen Grenzen zu verstehen sein. Was ferner den Vorwurf, daß die Männer der Wissenschast nicht zur Berathung zugezogen seien, betrifft, so seien, wie er schon bemerkt, solche allerdings um ihr Gutachten angegangen worden; daß abcr die vom Vorredner Genannten nicht zugezogen seien, habe mehr in einem sehr opportunen Zartgefühl seinen Grund, da ja voraussichtlich eben diese Gelehrten dazu berufen seien, als Lehrer an dem Institute zu fungiren und es nicht den Anschein haben dürfe, als sei ihr Urtheil von gewisser persönlicher Rücksicht dictirt worden. Uebrigens sei der Zweck gegenwärtiger Berathung nickt ein prinzipieller, sondern vorzugsweise, ja ausschließlich , um über die materiellen Mittel, die Anstalt in's Leben zu rufen. Hierauf ging man zur Berathung über die einzelnen §§. über, und wurden §§. 1, 2, 3 in unveränderter Fassung angenommen! Uebergehend zu §. 21 referirt der Vorsitzende Prof. Lazarus. daß sich Geiger gegen denselben ausgesprochen habe. Dr. Philippson bemerkt, dieser §. sei nicht nur unmöglich sondern auch gefährlich. „Das Curatorium soll die Lehrer verpflichten und centroliren, daß die Vorträge nicht im Sinne einer religiösen Partei seien", Männer von Charakter aber müssen immer einer Partei angehören und diese kann sich in ihrer Lehre unmöglich verleugnen und müßte unwillkürlich ihre Anschauung zum Ausdruck bringen. Gefährlich aber sei es, weil dieses nur zu fortwährenden Denunciationen der Scküler über die Lehrer führe, er stellt daher das Amendement dafür zu setzen: „Die Vorträge sollen strenge im Interesse der Wissenschaft sein", und die Worte nicht im Sinne rc. zu streichen. Dies wurde auch allgemein angenommen. Die Conservativen bemerken, das Amendement, solle wohl gegen die Ausschreitung des Curatoriums fein, und sie behielten sich vor, zu §. 7 (die Verwaltung betreffend) ihre Anträge zu stellen. Dr. P. Mayer macht hierzu den Vorschlag, daß das Curatorium auö Männern von jeder Partei bestehen solle und alle Hauptrichtungen darin vertreten seien. Dieser Antrag wurde jedoch nicht genügend unterstützt, indem mau dagegen geltend machte, daß bei einer wissenschaftlichen Anstalt dies nicht thunlich und zweckdienlich sei. — Es hatten sich nun schon viele Mitglieder entfernt und fand schon das folgende weniger Theilnehmer. Es kam nun noch §. 13 (Ausschluß aller Rabbinen der Gemeinde Berlins vom Curatorium) zur Sprache; daß dieser §. nur von Berlin spreche, und daß man ihn im Allgemeinen auf „alle die in Function seien" erweitern solle. Dr. Philippson beantragt, die Zahl des Curatoriums nicht zu beschränken, sondern von der Betheiligung der Provinzen abhängig zu machen, und etwa zu bestimmen, daß dieselben Länder bei einer gewisien Anzahl von Vereins-Mitgliedern das Recht auf entsprechende Vertretung im Curatorium habe. Der Saal hatte sich aber schon so geleert, daß man fernern Berathung nickt für zweckentsprechend hielt und dieselbe vertagte. Dies objectiv der Verlauf dieser immerhin interessanten Versammlung. Mit Ihrer Erlaubniß lasse ich noch einige Artikel in Bezug auf die Beurtheilung de- Statuts selbst und die Lebensfähigkeit der beabsichtigten Anstalt folgen. Die Verhandlungen der israel. Deligirtmcommifston zu Stuttgart. ii. Man war auf Vorschlag Sr. Excellenz des Ministers!, übereingekommen, den Stoff des Entwurfgr ppenweise in der Art durchzuberathen', daß man die wichtigsten Punkte hervorhob und Untergeordnetes daran knüpfte oder zwischenhinein berieth. Der Gang der Versammlungstst mir ebensowenig mehr ganz gegenwärtig, aÜr alle Redner, und was sie gesprochen; ich habe mich bemüht, das für die Leser des „Israelit" Interessanteste, so genau als möglich aus dem Gedächtnisse zu reproduciren. Zunächst kam die Gemeindeversammlung an die Reihe und aus dieser der für die Orthodoxie wichtigste Punkt, nämlich §. 5, welche von den unerläßlichen und freiwilligen Gemeindeanstalten handelt. Der Entwurf fordert als unerläßlich: Gottesdienst Md Religionsschule, dafür einen Vorsänger (Religionslehr«) und paffendeLocalitäten. Dagegen dürfen Frauenbad, Sckächter, confeffioneller Friedhof rc. wohl «mf den Etat der Gemeinde übernommen werden, die Ge-

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