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Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Brief geschrieben haben, ja oder nein? — Isaak Gl.: Ich Hab' ihn geschrieben, und waS ist weiter? — Richter: WaS war die Veranlassung, daß Sie diesen Brief schrieben? — Isaak Gl.: Ich habe den gnädigen Herrn dort (ans Julius S. zeigend) nicht unglücklich machen lassen wollen. — Richter: Kannten Sie den Herrn Julius S. von früher? — Isaak Gl.: Woher soll ick ihn kennen, ich Hab' ibn doch in meinem ganzen Leben nicht gesehen. — Richter: Wie kommt cs, daß Sie sick für einen Menschen, den Sie gar nickt kennen, so interessiren? — Isaak Gl.: Ich bin all mein Lebtag so ein guter Potsch. Richter: Kennen Sie die Familie G.? — Isaak Gl.: Wie soll ick sie nickt kennen, wenn sie mich haben. ein halbes Jahr herumaehetzt wie einen Jagdhund, daß ich soll bringen einen Bräutigam für die Tochter. Und wie ich heb' g'habt einen Bräutigam, den Dr. Fl., ein prächtiger Mensch, haben sie sich auf einmal wieder entschlossen, sie nix zu geben einem Doctor, siezu geben einem Schuster. — Richter: Wenn die Familie G. die Tochter dem Dr Fl. zur ■ Frau gegeben hätte, bätten Sie daraus einen Vor- : Ihcil gehabt? — Isaak Gl.: Euer Gnaden, wie heißt i ein Vorrheil? Nickt hält' ich genommen ein Potschan-! del (kleinste Scheidemünze)^ weniger als 200 st. sür j meine Mühe auf jede Seite. Für waS plagt man j sich, bis man so was zusammenstellt? — Rickter: Es klärt sich mir somit Ihre Herzensgute auf; Sie-waren gereizt darüber, daß Ihr.in ein Verdienst enrging, und detzhalb haben Sie den Brief geschrieben? —-- Isaak Gl.: Nicht just deßhalb; aber auch deßhalb, weil Moses K. soll verdienen so leicht und ich soll durchfallen mir meiner Müh', ich soll mir's Maul abwischen. Richter: Wer ist Moses K.? — Isaak Gl.: Euer Gnaden, Moses K. kennen Sie nicht? Der schlechi teste Mensch von der Welt, er stellt Partien zusamj men, nur damit er Geld verdient. Bei mir ist auch! ein Stöckel Herz dabei. — Richter: Darüber weiß I ich jetzt genug. Sagen Sie mir, was ist das für .! ein Fehler, vor welchem Sie den Herrn Julius S. j warmen? — Isaak Gl.: Euer Gnaden, den Fehler! von einem Frauenzimmer packt mnn nicht so öffentlich! aus. — Richter: Hier bei Gericht können Sie schon : ungem'rt sprechen. — Isaak Gl.: Nein, Euer Gna- - den, ich möchte mir zeitlebens ein Gewissen daraus! machen, wenn ich der Fräulein schaden möcht'. — j Richter: Wie Sie es in der Richtung mit Ihrem! Gewissen halten, das haben Sie schon mit dem Briefe bewiesen, den Sie an Herrn Julius S. geschrieben haben. Jetzt sogen Sie ohne Umschweife, was ist das sür ein Fehler? — Isaak Gl.: Hab' ich denn dem Herrn Julius S. geschrieben, er soll den Brief hergeben? — Richter: Ich wünsche die Antwort auf meine Frage, was das sür ein Fehler ist, welchen das Fräulein Therese M. besitzen soll? — Isaak Gl.r Ich kann das nicht sagen. — Richter: Weil das Gänze eine böswillige Erfindung ist, weil Sie keinen Fehler kennen? — Isaak Gl.: Euer Gnaden! Mir - scheint gar, Sie halckn mich für einen schlechten Menschen? — Richter: Ich werde mich in keine weij teren Erörterungen einlassen, muß jedoch, wenn Sie j den Fehler nicht augeben, annchmen, daß Sie eigentlich von keinem Fehler wissen. — Isaak Gl.: Das nicht, ich Hab' gehört, sie ist halb und halb .... —! Richter: Von wem haben Sie das gehört? — Isaak Gl.: Wie die Leut' schon erzählen. Richter: Wer sind diese Leute, können Sie Jemanden nennen, von dem Sie das gehört haben? Isaak Gl.: Aber Euer Gnaden, wie soll ich die Leute beim Namen kennen, die man heute sieht und Gott weiß, ob man's j wieder einmal sielst. Richter: Und ans solches Gerede hin erlaubten Sie sich, einer Familie solchen Schimpf anzuthun, am Tage der Verlobung eine Partie zu zerstören? — Isaak Gl.: Euer Gnatcu, was beißt ein Unglück, was heißt zerstör-m? Cie 'oll den Dr. Fl. beirathen, der nimmt sie augenblicklich und ist auf Ohre eine bessere Partie. — Rickter: Und denn Dr. Fl. möchten Sie ein Mädchen zur Frau empfehlen, welches, wie Sie Herrn Julius S. schrieben, jeden Mann unglücklich macken muß? — Isaak Gl.: Euer Gnaden, verzeihen Sie, der Ur. Fl. ist ein Arzt, der kann sie cmiren. Der Richter vernimmt noch den Zeugen Julius S., welcher angibt, daß dieser Brief die Veranlassung j bot, daß er nicht zur Verlobung erschien.!. Der Vater des Mädchens deponirt von medicil nisckcn Autoritäten ärztliche Parere über den vollkommen normalen Gesundheitszustand seiner Tochter, und Dr. Desctznv stellt den Schlußantrag, es sei Isaak Gl. der Uebertretnng der Ehrenbeleidigung schuldig zu erkennen und mit Rücksicht auf das gemeine Motiv und in Würdigung der besonderen Gemeinschädlichkeit dcö Angeklagten und der der Familie bereiteten Unannehmlichkeiten die Strafe sür denselben strenge zu bemessen. Der Richter verurtheilt Isaak Gl. wegen Uebertretnng der Ehrenbeleidignng zu 6 Wochen Arrests, verschärft in jedcr Woche mit einem Fasttage. Richter: Wenn Sie glauben, daß das Urtheil zu hart ist, haben Sie das Recht, beim Obergerichte eine Betusurg dagegen einzubringcn. Isaak Gl.: Versteht sich; jetzt werd' ich mir erst auch einen Advokaten nehmen, so bleibt die Sache nicht. Richter: Für heute ist die Verhandlung beendet; ich werde Ihnen eine Urtheilsabschrift zustellen lassen, die geben Sie dann Ihrem Vertreter, damit er Ihre Berufung überreiche.

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