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Der Israelit · 1870-01-05 · Heft 1 (5.1.1870) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 1 (5.1.1870)
Date
1870-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 gekannt hat, daß derselbe nicht allein Jude, sondern — soviel uns bekannt geworden — auck gesetzestreuer Jude gewesen. Herr Major B. besuchte den Gottesdienst in der Synagoge in der Heidenreutergaffe ziemlich regelmäßig, und immer in Galla-Uniform, über welcher er das Thalith wie jeder andere Synagvgenbrsucher trug; so wurde er auch Vielemal in unserm Beisein zur Thora gerufen.) Asien. Calculta. (Ostindien.) In Calcutta wohnen 67?1 Juden. Feuilleton. R o st a n a i. (Eine historische Erzählung aus dem 7. Jahrhundert der gew. Zeitrechnung.) I. Das Hochzeitsfest. Au Babels Strömen herrschte Jubel und Freude unter den Söhnen und Töchtern Israels; nicht mehr hingen die Harfen an den Weiden; sie waren herabgenouunen und lustige Weisen ertönten, Lieder Zions auf fremdem Boden. Ein Hochzeitsfest sollte gefeiert wttden, an welchem das ganze in der Verbannung teilende Israel Antheil nahm. Hunna, der edle, feurige Sohn des ehrwürdigen Exilsfürsten C h a n i n a i, soll die schöne, stttige Jaleth a, die Tochter des hochgelehrten Gaon von Sura, des Rabbi Kaphnai, als sein Weib heimführen. Freue Dich, Israel! Davids Stamm wird neue Reiser treiben durch diese Ehe, Dein altes Königshaus wird blühen, bis Gott den Erlöser aus ihm wird hervorsprießen lassen, der Deine über alle Länder zerstreute Lämmerheerde sammeln und zurückführen wird in das Land Deiner Väter! Als unser Vater Jakob kurz vor seinem Tode die um sein Sterbebett versammelten Söhne segnete, sprach er zu Juda: „Nicht weichen wird der Herrscherstab von Juda, noch der Gesetzgeber von seinen Füßen." Und siehe, in Erfüllung ging das prophetische Wort des Stammvaters; Gott wählte das Königshaus seines Volkes aus Juda's Stamm; David und seine Nachkommen trugen die Kömgskrone. Als aber das Diadem gefallen war von dem Haupte der Davidstllltl, W TwvJJ 111UUtT ÄÜWlt) tlltt? die Sprossen aus Davids Haus, Hillel und seine Nachfolger, waren die „Gesetzgebers die Fürsten des Volkes von PaläMna, Hie Gottes Lehre lehrten, und andere Nachkommen aus Davids Haus, die LMsfürsten (Refch Gelutha, Exilarch) führten ben Herrscherstab über die in Babylon so zahlreich wohnenden Israeliten. Mit Hillel, dem Jüngern, dem zehnten Fürsten aus dem Hause seines gleichnamigen Ahnherrn, hatte das jüdische Fürstenthum in Palästina aufgehört, da der Römer deckende Herrschaft ein solches nicht mehr dulden wollte. Das eigentliche Davidische Herrschergeschlecht, die Nachkommen des Königs Jojachin, aus denen dereinst der mit heißer Sehnsucht erwartete Erlöser hervorgehen wird, herrschten zur Zeit unserer Erzählung, im Jahre 4360 nach Erschaffung der Welt (600 der gewöhnlichen Zeitrechnung) als Exilsfürsten in Babylonien unter der Oberhoheit der neuperstschen Könige. Gegenwärtig war Chaninai Resch Gelutha, das heißt, Fürst der außerhalb Palästinas lebenden Juden. Sein ältester Sohn und Erbe, Hunna, sollte sich mü Jaletha, der einzigen Tochter des weitberühmten Gaon von Sura, Rabbi Kaphnai, vermählen. In Sura und Pumbaditha waren die Hochschulen Israels; dorthin strömten alle lernbegierigen Jünglinge, und das Haupt jeder Hochschule hieß Gaon, d. h., der Herrliche, der Erhabene. Ganz Israel freute sich dieser Verbindung,, durch welche die Gedullah (Fürstengröße) sich mit der Thora (Gotteslehre) vermählte, denn die Tochter des frommen und gelehrten Gaon, so hoffte man, wird ihre Kinder in der Gotteslehre^ und in Gottesfurcht erziehen. In der Nähe der Stadt Me ch u s a, wo der Exilsfürst Chaninai residirte, waren an den Ufern des Euphrats große Zelte aufgeschlagen, unter welchen das Hochzeitsfest gefeiert werden.sollte. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich versammelt, die mit gespannter Erwartung dem Hochzeitszuge entgegensah. Da verkündete eine große Staubwolke das Nahen des Fürsten. Fünfzig Läufer in goldgestickter Livröe liefe» dem vergoldeten Wagen voran, der von acht Maultbieren gezogen wurde. In dem Wagen saßen der Fürst, zu seiner Linken der Gaon Kaphnai, gegenüber dre Brüder des Fürsten. Als der Wagen auf dem Festplatze angekommen war, da erscholl ein tausendstimmiges „Schalom!" (Heil!) „Jechi Chaninai, Aechi Hannassi laad (es lebe Chaninai, es lebe ewiglich unser Fürst)! riefen unablässig tausend Kehlen. Auch der Gaon wurde enthusiastisch begrüßt. Kaum waren die Jubelrufe verhallt, als ein neuer, prächtiger Zug die Aufmerksamkeit auf sich zog, Fünsuudzwanzig Läufer, ebenfalls in der Livree des Hauses des Resch Gelutha, liefen vor einem vergoldeten Wagen her, de« sechs mit Gold und Silber -und bunten Bändern geschmückte Maulthiere zogen. „Es lebe Prinz Hunna! es lebe der Bräutigam," rief Alles, als man den in dem Wagen sitzenden Prinzen Und seine Brüder, die neben ihm und ihm gegenüber saßen, erkannte.

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