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Der Israelit · 1869-12-15 · Heft 50 (15.12.1869) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 50 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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X. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 50 des Israelit. Aeiturrgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, am Chanukafeste. Wohl sind jetzt Tage des Liedes, o»jm iw ynp r^DV ’D’"; die erschütternde Nachricht jedoch: omö rn"rs jffn mn Wi'K! der ehrwürdige Rabbiner zu Ungwar ist nicht mehr, kann uns nur trauervolle, wehmüthige Lieder entlocken. Ja, lieber Leser, diese Art des Gesanges verlange, und ich will dir singen aus dem Innersten meines Herzens, mit der ganzen Kraft des großen Schmerzes, der mich erfüllt! Denn eine tiefe Wunde ist meinem Volke, dem glaubenstreuen Israel geschlagen. — Die glaubenstreue Judenheit hat in dem Verblichenen einen ihrer edelsten Vertreter, die talmudische Wissenschaft einen ihrer größten Gelehrten, und die ungarische Orthodoxie einen ihrer edelsten und uneigennützigsten Führer verloren! — Ungarn hat wohl, G. s. D., jüdische Gelehrte von hervorragendster Größe, Männer, die an heiligem Eifer, an Thatkraft und Kampfeslust, den großen Verblichenen übertreffen, aber — in Bezug auf ausschließliche Hingebung an die heilige Sache, auf rücksichtslose Uneigennützigkeit wurde der ehrwürdige Verblichene kaum erreicht. — Und diese Eigenschaften waren es, die seinen Freunden und Gegnern die Anerkennung seiner Ueberlegenheit einflößten, diese Eigenschaften brachten es dahin, daß der Verblichene vielleicht, ja ganz gewiß, auf der ganzen Erde keinen Feind hatte. Bevor ich mireinige Züge aus dem Leben dieses xmrr darzustellen erlaube, will ich auf eine der Hauptbesorgnisse aufmerksam machen, die das Ableben dieses Mannes in uns erregen muß. — Die Farben der verschiedenen Parteischattirungen innerhalb der ungarischen Judenheit sind nämlich so schwacher und matter Natur, ja oft leider ganz verwischt, daß man nur die beiden, von einander grell geschiedenen Hauptgestalten, Neologie und Orthodoxie, wahrnehmen kann. Ja nicht einmal die Begriffe: Orthodoxie und Orthodoxen, werden immer gehörig unterschieden; denn sehr oft mußten wir leiser die traurige Erfahrung machen, daß Leute, die in ihrem Privatleben nichts weniger als orthodox waren, zu Wortführern der Orthodoxie gemacht, dieser die Achtung und Anerkennung Vieler entzogen haben. — Sehr wahr ist ferner die Thatsache, daß Viele für die Sache des einfachen, echten JudenthumS zu streiten vorgeben und scheinen, und sich endlich als solche entpuppen, die sich dessen gar nicht zu schämen scheinen, daß sie di° Bestrebungen der Neologie unterstützm — Wer weiß eS ferner nicht, daß so mancher Fromme, dessen Herz für v'OV nnv mm viel heißer schlägt als das so mancher Lautschreier, von eben diesen Schreiern ohne weiteres verdächtigt und als ytenö verschrieen wird.?- Daß nun trotzdem bis jetzt die ungarische Orthodoxie in manchen Beziehungen ein einheitliches Band umschlungen hat; daß ferner die verschiedenen Schattirung'N innerhalb der ungarischen Orthodoxie bei all den Begriffsverwirrungen dennoch erkannt werden konnte und von der Orthodoxie selbst als zu ihr gehörig cnerkonnt wurden, dies ist fast einzig und allein dem Einflüsse des ehrwürdigen Ungwarer Rabbiners zuzuschreiben. Sem Wort hatte nämlich, weil jeder wußte, daß es von keiner Nebenabsicht getrübt war, die Kraft eines Orakelspruches. Seinen großen Tugenden gegenüber mußte jeder hitzige Wortschwall wirkungslos verkalken; nur er konnte sich erlauben die ungerechter Weise Verdächtigten zu vertheidigen, ohne selbst verdächtigt zu werden.-- Sind nun diese ehrlichen, milden und immer nur die innere Ueberzeugung aussprechenden Lippen verstummt: wer wird es übernehmen können, da« Wort mit eben solchem Erfolge zu führen? Wer ist mit jenen Eigenschaften ausgestattet, die dem Verblichenen eigen und die Ursachen seiner Leistungen waren? Nur zu sehr begründet ist leider die Besorgniß, daß sich in Ungarn nicht leicht ein Mann findet, der den großen Verblichenen in dieser Beziehung ersetzen könnte!- Rabbi Menachem Eisenstätier d"i war der Sohn des weithin berühmten Rabbi Meier, Verfasser deö „vn noN 5»"iL7", von dem er seine wahrhaft großen Eigenschaften geerbt. Rabbi Meier Eisenstädter war der größte Schüler des idid onn, dem dieser sein großer Meister in seinem berühmten Werke den Titel „piOn nnftn" gibt und die Anerkennung seiner großen Eigenschaften und ungewöhnlichen Gelehrsamkeit sehr oft in der rührendsten Weise ausspricht. Einst, erzählt man, kam Rabbi Meir weinend ins iiU'l^-Zimmer zu seinen Schülern und erzählte ihnen, daß ihn sein großer Lehrer, ibid ddd, plötzlich eines Titels beraubt hätte, der immer sein Stolz war. „Ich weiß nickt, wie ich das verschuldet habe, sprach er unter Thränen, daß mich mein Lehrer nicht mehr nennt. — Diese Bescheidenheit, welcke in diesem, allen seinen damaligen Schülern unvergeßlichen Ausdrucke liegt, charakterisirt ganz das Wesen dieses Mannes sowohl als feines

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