Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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967 schon gesehen, daß eitle Träume, trotz der Deutung, die man den Leuten gegeben, eitel geblieben sind. Ich habe indeß bei dem Spruche: „„Eine unreif abgefallene Frucht der Prophetie ist der Traum"", bereits gesagt, daß es zweierlei Arten von Träumen gibt, den natürlichen und den göttlichen, und daß es eben der natürliche ist, wo diese eiteln Vorspiegelungen stattstnden. Ja selbst bei dem bedeutungsvollen Traum kommt es auf die richtige Deutung an, und Das mag auch die Meinung Abahu's sein: Die Träume an sich lassen weder steigen, noch fallen, sondern die richtige Deutung ist die Hauptsache, wie das eben die unmittelbar darauf erzählte Geschichte von Jose ben Halephtha Zeigt." — So nahm man denn, um den Widerspruch zu lösen, verschiedene Arten von Träumen an, und zwar zuvörderst in Rücksicht auf die Veranlassung. Es Mt Träume, sagt man, welche eine normale Erscheinung des Lebens sind, ein einfaches Product der Phantasie, wobei indeß das Gedächtniß und auch der Verstand mitunter Mitwirken, und welche eben darum ohne weitere Bedeutung sind, und Träume, welche von einer höheren Eingebung ausgehen, sei es von einer göttlichen, einem Engel, oder auch von einem Dämon. — Äv unterscheidet sich nach Artemidorus rm Griechischen oneiron von enypnion, daß dieses eben eine bedeutungslose Wirkung des körperlichen Zustandes und der Einbildungskraft bezeichne, jenes hingegen einen die Zukunft andeutenden Traum. — Nach der kabbalistischen Lehre soll Joseph seine Träume durch den Engel Gabriel erhalten haben, Pharao hingegen die seinen durch den Himmelsfürsten, der Aegypten vorgesetzt ist. Die Deutung aber habe Joseph' durch den göttlichen Geist erhalten, der sich auf ihn niedergelassen, wie denn auch Pharao sagt (1 B. M. 41., 33): „Werden wir einen Mann, wie diesen, finden, in welchem ein göttlicher Geist ist?" — Ferner heißt es: „Alle Träume, welche die heilige Schrift bringt, j haben ihre Deutung zur Seite, weil es Träume gemeinen Inhaltes sind, und zwar sind deren sechs: Der Traum Josephs, der Traum des OberbäckerS und des Obermundschenks, der Traum Pharaos, der vom Geräusche eines Gerstenbrodes, welches durch daS Lager Midian's rollte (Richter 7, 13.), der Traum 'Nebukadnezars und endlich 6. der Traum Daniels; alle Träume aber, welche göttlichen Inhaltes sind, bedürfen keiner Deutung neben der, welche der heilige Geist selbst gibt." — Hinsichtlich der Form unterscheidet man dreierlei Arten von Traumen: 1) ein unmittelbares Wort der Gottheit oder eines Dämons, griechisch Odrsinati8mo8; 2) deutliche Gesichte, griech. Loraura; 3) dunkele Bilder, im Griech. besonders durch onsiros bezeichnet, abgesehen von den sogenannten Schlummerbildern, welche ohne inner» Zusammenhang, vor dem Einschlafen, ehe der wirklich? Traum beginnen kann, statthaben. — Hinsichtlich der Zeit, heißt es bei denRabbinen, ist besonders der Morgentraum von Bedeutung, und auch Horaz sagt:*) „Geschaut nach Mitternacht, wo wahr die Träume sind," weil, wie sowohl der hebr. Cammentar als der lateinische Scholast bemerkt, in der Morgenstunde der Sinn frei von den Gedanken des Tages und da- Gehirn nicht mehr vom Dunste der Speisen und Getränke umnebelt ist. — Bei den Rabbinen werden zugleich noch zwei Arten von Träumen angegeben, welche in Erfüllung gehen sollen, der Traum, den Jemand über einen Andern träumt und der Traum in einem Traume; nach einigen auch der Traum, der sich wiederholt, wie das bei Pharao stattgefunden. — (Fortsetzung folgt.) *) Sat. JL, 10 v. 33. — Ebenso Ovid Heroid. 19, 195. — Vgl. auch Plat. Criton 32. — ANZEIGEN um Neujahr 1870 wird ein mit guten Zeugnissen versehener Lehrer für hebräische und deutsche Unterrichtsgegenstände gesucht. Gehalt 600 fl. bei freier Wohnung. Offerten unter Nr. 1522 bei ^verehrt. Expedition d. Bl. einzusenden. Pensionat Durch die Anstellung meiner Tochter als Lehrerin an der Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellfchaft dahier ist es mir möglich, Mädchen, welche diese oder eine andere der hiesigen Lehranstalten besuchen, in Pension zu nehmen. Für eine sorgfältige körperliche und geistige Pflege, für eine den Anforderungen der Zeit in jeder Beziehung entsprechende gründliche Ausbildung, für gewissenhafte Beaufsichtigung wird aufs Angelegentlichste Sorge getragen werden. Mainz, im December 1869. Faid, Oberlehrer. Cgur ein auswärtiges Kurz - und Strumpfwaaren- O EnAroo - Geschäft wird ein Magazinier und ein Comptoirift gesucht. Offerten nimmt die Exp. »ul* Nr. 1526 entgegen.