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Der Israelit · 1869-12-15 · Heft 50 (15.12.1869) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 50 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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962 Zn das Kloster zurückgekehrt, berichtete Vr. B. Don den guten Erfolgen, die feine Ermahnungen gehabt hätten. Er trug dem Prior auf, dem Gefangenen Zeit zu lassen, ihn nicht zu drängen, ihm mehr Freiheit zu gewähren und nur auf dem Wege der liebevollen Ueberredung, nicht aber mit Gewalt gegen ihn vorzugehen. Am andern Morgen ermahnte er Joseph in Gegenwart des Priors, den mit ihm verhandelten religiösen Grundsätzen nachzudenken. Joseph versprach, stch nach den Worten deS Geistlichen zu richten, und dieser kehrte nach Prag zurück. Die Mönche fanden in der Folge den Gefangenen viel williger, auf ihre Ideen einzugehen und priesen die Geschicklichkeit des vr. B., der dieses Wunder vollbracht hatte. Joseph aber genoß mehr Freiheit, und sein Zustand wurde erträglicher. Zn Prag angekommen, ließ vr. B. den Grafen Benno zu sich rufen. „Ich komme von Ihrem Bruder", sagte er, als der Graf bei ihm erschien. „Sie waren", fragte der Graf, „zu ihm geschickt" . „„Um ihn zu überzeugen oder doch zu überreden, vom Zudenthume zu lassen und zum Christenthume zurückzukehren."" „Und hatten Sie Erfolg?" „„Graf Dornbach, wie denken Sie über das Benehmen Ihres Bruders?"" „Aufrichtig gestanden, ehrwürdiger Herr, ich bewundere seine Charakterstärke und beklage tief das Verfahren meiner Mutter." „„Auch ich, Herr Graf, theile Ihre Ansicht, so seltsam Ihnen das scheinen mag. Auch der Kirchmsürst verfährt nur ungern so streng gegen Ihren Bruder; allein er kann nicht anders."" „Sie machen mich glücklich, ehrwürdiger Herr, durch die Theilnahme, die Sie für meinen Bruder hegen! O, stehen Sie uns bei, dem Unglücklichen zu helfen!" „„Uns? wer ist denn mit Ihnen im Bunde?"" „Der Psiegevater meines Bruders, der Kaufmann Raphael del Monte." „„Ah, das ist gut! Aber weder Sie, noch ich, noch del Mente — wir Alle dürfen uns nicht direkt an dem RettungSwerke beiheiligen, um nicht Verdacht zu erregen."" „Haben Sie bereits einen Plan, hochwürdigster Herr?" „„Ich habe einen solchen. Ihren Bruder aus dkm Kloster gewaltsam oder heimlich zu entführen wird unmöglich sein. Wir müssen die Flucht durch List zu bewerkstelligen suchen."" „Und Ihr Plan?" „„Ich habe einen Bekannten, einen alten Studienfreund, der es ganz ausgezeichnet versteht, mit Würde hohen Prälaten nachzuahmen. Er ist ein armer Teufel und wird uns , egen eine gute Belohnung zu Diensten stehen. Ich habe mich im Klost r erkundigt, Niemand kennt dort den hiesigen Kirchenfürst n. Mein Freund müßte dann den hiesigen Kirchenfürsten vorstellend nach Kloster Meinhardtsbrunn fahren und sich den GFangenen auslirfern lassen. Der Plan ist gut und wird hoffentlich gelingen. Die Schwierigkeit besteht nur noch darin, dafür Sorge zu tragen, daß auS der Kanzlei des Kirchenfürsten ein Schreiben an den Prior ergehe, das ihm die Ankunft Sr. Eminenz melde."" „Dafür lassen Sie mich sorgen; ich habe einen in der Kanzlei des Kirchenfürsten beschäftigten Diener gewonnen, der mir gegen eine gute Belohnung ein solches Schreiben besorgen wird." „„Gut das. Veranlassen Sie auch del Monte mit meinem Bekannten zugleich einen zuverlässigen, reichlich nut Geld und mit guten Paff n versehenen Mann mitzuschicken, damit Ihr Bruder mit Leichiigkeit über die Grenze entkomme. Es kann Wochen lang dauern, bis der Be'rug entdeckt wird. Aber auch dann werde ich dafür Sorge tragen, daß der Kirche: fürst von jeder Verfolgung absteht." Graf Benno beeilte sich, diese gute Nachrichten der Familie del Monte mitzutbeilen. Als darüber gesprochen wurde, wer die zuverlässige Person sein solle, der man Geld und Paffe anvertraue, da bestand Speranza darauf, daß sie diesen Posten übernehme und also thätig zur Befreiung des geliebten Bruderbeitrage. Ungern nur gab Raphael seine Einwilligung; aber weder er noch Graf Benno durften sich in dieser Zeit von Prag entfernen, ohne,Verdacht zu erregen, und einen Fremden wollte man nicht ins Geheimniß ziehen. Unterdeß unterrichtete vr. B. seinen Freund in der ihm bestimmten Rolle, und Graf Benno sorgte dafür, daß von der Kanzlei des Kirchenfürsten aus, besten bevorstehende Ankunft nach Kloster Meinhardtsbrunn gemeldet wurde. Rach wenigen Tagen fuhr der Freund des vr. B. in einer prachtvollen Equipage und in Begleitung von zwei Bedienten nach MeinbardtSbrunn ab. In einem leichten, mit zwei kräftigen Pferden bespannten Wägelchen fuhr auch Speranza dorthin. Eine alte bewährte Dienerin ihrer Eltern begleitete sie. (Forts, folgt.) Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rouxschcn Hofbuchhandlung. — Dampf«Schnellprefsendruck. von I. Gottsleben in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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