Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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956 Haß, nicht die Verfolgung, nicht die Verachtung, nicht die Schmähung der Feinde konnten es unterdrücken; der deutlich ersichtliche Beistand deS allmächtigen Gottes führte über alle Schwierigkeiten hinweg, wendete ab die Giftpfeile der Verleumdung, machte unschädlich den Haß der Widerfacher, kräftigte die werthen Freunde und edlen Mitkämpfer. Wenn wir auf daS verflossene Jahrzehnt zurückblicken, so dürfen wir uns sagen, daß die Unsrigen G. s. D. eine rege Thätigkeit entwirrest haben, daß die Bekenner des orthodoxen Judenthums allüberall gekämpft und sich gemühet, und daß sie nirgendwo die Hände in den Schoaß gelegt haben, sprechend: „Was sollen wir thun?" Und in ber That, Gott hat dieses Mühen gesegnet, und die Richtung der Zeit ist bereits eine andere geworden. „Zurück zu dem Gotte der Väter!" lautet die Parole, und „Hoch die heilige Gotteslehre!" ist das Feldgeschrei, und wenn uns die Wiener „Neuzeit" konsequent „den Tambour von Mamz" nennt, so acceptiren wir diesen Namen gern, da wir es waren, die überall zur „Reveille", zum Erwachen und Kämpfen ausgerusen haben; dieser Titel hat ebensowenig etwas Schimpfliches für uns wie der eines „Schulklopfers" und vieler hundert anderer, mit welchen die Gegner so gern bei der Hand sind. Was der „Israelit" auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlthätigkeit geleistet hat, wo'len wir nur dehhalb hervorheben, um unserm edelmüthigen Leserkreise, der stets in ergiebigster Weise zu helfen bereit ist, unfern herzinnigen Dank auszusprechen. Daß die Üebung von Liebesthaten DHDn rvd'w, diese Stammestngmd deS jüdischen Volke« noch kräftig in Israels Mitte waltet, ist eine höchst erfreuliche Erscheinung. Die allgemeine und reichliche Unterstützung der darbenden Glaubensgenossen in Westrußland ist ein Ergebniß der gegenwärtigen Zeit, wie die Vergangenheit kaum ein ähnliches aufzuweisen hat. Möge der Segen des Allgütigen die edlen Spender reichlich belohnen! So sehen wir denn im festen Vertrauen auf den Herrn der He rschaaren getrost dem kommenden Jahrzehnt entgegen. Möge die Saat des Guten, die in den vergangenen Jahren gefäet ist worden, aufgehen, reifen, und zur herrlichen Frucht sich gehalten, möge Gott uns gnädiglich ferner nur Gutes säen und pflanzen lassen, damit das hochheilige Erbe unserer Väter ganz und unverfälscht den kommenden Geschlechtern zn Theil werde. „Der Israelit" aber möge, wie sein Name besagt, als rüstiger Gottesstreiter das Böse bekämpfen, das Gute befördern, allüberallhin Segen verbreiten, allüberall Erkenntniß lehren, Licht und Aufklärung bringen in die weitesten Kreise — Aufklärung über Israels Pflichten und da» Lickt der göttlilen Lebre -ne» m)n> msD nj o denn eine Leuchte ist Gottes Gebot und Seine Lehre ist Licht! — Air Statuten und Beschlüsse des ungarischfentet. Kongresses. Mainz, den 7. Dec. Zu unserm Bedauern erfahren wir, daß der ungarische Cuitusmimster, Herr Baron EötvöS, die in der Ueberfchrift genannten Statuten und Beschlüsse, welche das ungarische Israel seiner religiösen Freiheit berauben, durchzuführen entschlossen ist. Wir geben hier einen Artikel des zu Pesth erscheinenden „Freien Lloyd" wieder, der die in Rede stehenden Verhältnisse bespricht; derselbe lautet: „Wir können es nur tief bedauern, über die Thäigkeit, ja über die Intentionen des Herrn Eötvö» zu einem entschieden abfälligen Urtheile genöthigt zu sein. Zieht man die jüngsten Kundgebungen dieses Mannes in Erwägung, so ist es rein unmöglich zu einem andern Resultate zu gelangen. Es genügt vollkommen, sein nickt zu rechtfertigendes Verhalten jenen jüdischen Staat bürgern gegenüber, welche die mit ihrer religiösen Ueberzeugung unvereinbaren Congreßstatuten zurückziiweisen den Muth hatten, genau irr'S Auge zu fassen, um darüber ganz im Reinen zu sein, inwieferne auf die liberalen Anwandlungen unseres CultuSministers zu rechnen sei. Wir wollen für heute ganz davon abseben. daß Herr Eöteös, trotz der eindringlichsten Vorstellungen von Seiten der orthodoxen Landesjudenheit, nichts Eiligeres zu thuu hatte, als für die von aller Welt perhorreSzirten jüdischen Statuten di-' Sanktion der Krone zu erwirken, um auf d ese Weise eine Pression auözuüben und eine Unterdrückung der individuellen Gewiff'mSfreiheit zu erzielen. Wir beschränken uns darauf, hier eine« Mkniftenal- Erlaß an die Comitatsbehörden zu reproduzrren, der die schonungslosen Hiebe vollkommen rechtfertigt, deren Herr Eötvös von Seiten selbst der Regi rungspreffe so häufig sich erfreut. Der in Rede stehende Erlaß lautet: „20,517. Zufolge einer Anzeige des Ignaz Widder, Commissärs des 18. Distrikts, wonach die im Comitate wohnenden Jsraeliien durch Agitationen irregeleitet, dahin streben, die Congreßstatuten, namentlich die Jnslebentretung der Gem«inde-Organisatkon zu hintertreiben, fordere ich Sie mit Bezugnahme auf meine Verordnung, Z. 29.19«), auf, die Verfügung zu treffen, daß die Vorstände und Rabbiner sämmtlicher Gemeinden deS ComitateS vor den respectwen Sluhlrichter citirt werden, der sie mündlich über Fol-l gendeö aufk Sien möge: Die Congreßftatuten unterscheiden sich von den Staatsgesetzen nur insoferne, indem sie für die LandeSbürger anderer Ccnfeffiouen nicht bindend sind, während sie als Statuten, rmlche die Adm.nisiration der Gemeinden, das Verhältnis derselben zu einander und