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Der Israelit · 1869-11-24 · Heft 47 (24.11.1869) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 47 (24.11.1869)
Date
1869-11-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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903 rufungsschreiben auf den erwähnten Tag sind bereits in den Hauben der Delegirten. Es wäre sehr zweckmäßig, wenn die Verhandlungen der Delegation öffentlich abgehalten oder doch wenigstens Berichterstattern von Zeitungen freier Zutritt gestattet werden würde, damit das Publikum bald und vollständig erfährt, wie seine Vertrauensmänner gesprochen und abgestimmt haben. Die Sitzungen beginnen Morgens 9 Uhr im Gebäude des Ministeriums für das Kirchen- und Schulwesen. Heilbronn am Neckar. Das hiesige Tagblatt vom 14. Nov. enthält die erfreuliche öffentliche Anzeige der 17 hiesigen israelitischen Firmen von Landesproductenhandlungen, daß sie für die Folge und zwar vom Samstag den 20. d. M. an am Sabbat keinerlei Getreide annehmen noch abgeben werden und deßhalb ihre Geschäftsfreunde und Lieferanten bitten, hievon Notiz zu nehmen. Die Chefs dieser Handelshäuser haben sich zu diesem löblichen Entschlüsse sowohl für sich, als für ihr israelitisches und christliches Dienstpersonal und die Sackträger verbindlich gemacht, daß nämlich auch durch diese Gehilfen weder Einnoch Verkäufe abgeschlossen werden dürfen. Die Mitglieder haben sich hierzu nicht nur durch ihr Ehrenwort, sondern auch dadurch in einer rechtsförmigen Urkunde unterschriftlich verbindlich gemacht, daß Uebertretungen mit einer Conventional-Geldbuße von 25, 50 und 100 Gulden bestraft und solche Strafen zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden. Möchten unsere Ellenwaarenhandlungen, die am rär ihre Läden offen haben, diesem guten Beispiele bald folgen und so dieser heilige Tag seinem beseligenden Zwecke zurückgegeben werden o^iy nna ffön iw ’ywn dvqi Berlin, 14. November. (Jüdische Briefe aus Berlin II.) Das größte Ereigniß im Lager der f. g. jüdischen Fortschrittspartei ist die Berufung Vr. Geigers zum zweiten Berliner „Rabbiner"! Seit einer Reihe von Decennien ist es ja der sehnlichste Wunsch des vr. Geiger, sich die Rabbinatsstelle der Berliner Gemeinde zu ergattern. Es ist im Grunde den Geigerianern nicht zu verargen, wenn sie sich so unmenschlich freuen; welche Niederlagen hat vr. Geiger und seine Partei erlebt! Bereits zweimal hier zum „Rabbiner" vorgeschlagen, fiel er jedesmal mit großer Majorität durch, bis er endlich, nach langen Kämpfen und Mühen, mit einer Stimme Majorität zum zweiten „Rabbiner" gewählt wurde. Noch ei n solcher Pyrrhussieg — und die Partei desvr. Gsiger hak sich ein für alle Mal unmöglich gemacht! — Es kursirte hier vor Kurzem das Gerücht, daß Herr vr. Geiger die auf ihn gefallene Wahl nicht angenommen hätte, wir können dies aus bester Quelle dementiren; die Ablehnung von Seiten Geigers ist für die Frankfurter Gemeinde nicht zufürchte« und für die Berliner g emeinde nicht zu hoffen. Vielmehr wird der Großmogul der Reform, wie wrr hören, Anfangs des nächsten Jahres die hiesige Judenschaft mit seiner Ankunft beglücken. Mit ihm zieht zu gleicher Zeit ein dritter Rabbiner in die Mauern Berlins ein, ein Mann, det bisher sein Licht in der Stadt Ravicz leuchten ließ, es ist dies ein gewisser vr. Ungerleider. Das wohllöbliche Bert tter Repräfentantencollegium hat diese« Herrn — horribile dictu — den hiesigen gesetzeSkr e u e n Israeliten als Brosamen hingeworfen. Eine solche gewaltthätige, ungesetzliche Octroyirung, wie es die hiesige Repräsentanz durch die Wahl Geigers und Ungerleiders für die Orthodoxen geübt, verdiente von Seiten der Publizistik die ernsteste Züchtigung! Adolph Kohut. Berlin. In der Sitzung des medicinischen Vereins zur Erforschung und Vernichtung von Krankheitsursachen (vom 1. April d. I.) machte der Privat - Dozent vr. Bergson (Jude) darauf aufmerksam, daß die Juden mit der Fleischuntersuchung und zwar nicht zu ihrem Nachtheil viel genauer seien. Auch werdm die Orthodoxen unter ihnen weder von Taonia noch von Trichinosen befallen. Dagegen sprach vr. Ulrich: In Betreff der rituellen Schächtung des Fleisches bei den Juden finden nicht zu unterschätzende Inkonsequenzen statt. So z. B. werde jedes Vieh verworfen, bei welchem sich nach dem Tode die geringste Pleuraverwachsung herausstellte, wogegen durch und durch mit Tuberkeln durchsetzte Rinds-und Hammelslungen als unverdächtig passiren.*) Rumänien. Bukarest. Um das beharrliche Leugnen des Ministers Cogalniceano, als seien bis jetzt noch keine Juden aus den Dörfern vertrieben worden, gründlich zu widerlegen, bringt das „Echo Danubien" in seiner 146 eine große Liste, in welcher die Namen der vertriebenen Juden mit ihrer Kinderanzahl und die Orte, wo sie bis jetzt gewohnt haben, einzeln aufgezählt werden, und verspricht das Blatt demnächst die Fortsetzung der Liste zu bringen. Bukarest. Nach einem Beschluß mehrerer ru- *) Anm. der Red. Herr Dr. Ulrich ist in Bezug auf beide von ihm angeführten Fälle vollständig im Jrrthum; es ist durchaus nicht wahr, daß jede Pleuraverwachsung den Genuß des Fleisches zu einem unerlaubten macht (vergl. Joreh Deah c. 54); ebenso irrig ist es, daß durch und durch mit Tuberkeln durchsetzte Lungen das Fleisch des Viehes als zum Genüsse erlaubt erscheinen lassen. (Siche Jorch Deah c. 37.)

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