Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1869)
- Date
- 1869-10-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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von ihm mittelst Drohungen Geld erpressen, in Folge -dessen entstand eine Zusammenrottung des Volkes und die Aufregung nahm bald große Dimensionen an, da es eben Freitag Abend war und die Ju>en gerade aus dem Tempel kamen. Ein Komitatspandur war zugegen, aber nur „weil rr noch heute einen Juden erschlagen müsse", wie er sagte. Er brachte auch noch vier andere Vanduren, und anstatt daß sie sich bemüht hätten, dem Skandal ein Ende zu macl en, hetzten sie das Volk noch auf; zuletzt überfielen sie einen an der Sache völlig unbetheiligten Juden und schleppten ihn ins GefLngniß. Mit einem begnügten sie sich jedoch nicht, sondern es wurden noch mehrere Juden gefangen genommen und zwar während des großen Versöhnungösestes , so daß sie ihren Gottesdienst gar nicht beenden konnten. Dem Bericht zufolge sind die gesetzlichen Schritte gegen die Schuldigen bereits eingeleitet worden. Rußland. „Hamagid" vom 29. Sept. d. I. bringt uns die erfreuliche Nachricht, daß die Hungersnoth in Westrußland als beendigt anzusetzen ist. Die diesjährige Ernte ist eine überaus segensreiche gewesen, io daß man bereits Korn auö den bisher vom Hunger heimgesuchten Gegenden ausführt. Freilich ist der Zustand unserer dortigen Glaubensgenossen in Folge der fürchterlichen zwei Hungerjahre ein sehr bedauernswerther,aber die eigentlicheHungerSnoth darf als beseitigt angesehen werden. Nach alten Ncchrichttn, die „Hamagid" aus den verschiedensten Gegenden zufließen, wird unter göttlichem Beistände für jetzt dort Niemand mehr Hungers sterben. Möge der Allgütige die Wiederkehr solcher schrecklicher Zustände gnädiglich verhüten. An uns ist eS nun, Y'du bleibende Institutionen zu schaffen, um unsere Glaubensgenossen aus dem Elend em porzuz'eben, das in den letztverflossenen zwei Jahren so viele Opfer gefordert hat. Amerika. In Philadelphia wurden sämmtliche jüdische Wohlthätigketlsvereine in einen Centralverein vereinigt. Durch diese Einrichtung verspricht man sich viel Gutes, da dieser Centralverein um so entsctiedener noch allen Richtungen hin den Bedürftigen zu helfen im Stande ist. Salt Lake City. Wir brachten jüngst einen Bericht über die unter den Mormonen im westlichsten Theile von Nordamerika wohnenden Juden. Anschließend an denselben theilen wir nach dem „Jew. Rec." Weiteres über dieselben mit: Ich vergaß in meinem letzten Briefe, Ihnen mitzutheilen, daß Brigham Aoung (der Oberpriester der Mormonen) unfern Glaubensgenossen einen P^atz zu einem Friedbofe geschenkt hat und daß wir eine Wrhltkäligkeilsges. llschaft mit «inem GründungScopital von 4000 Dollar «riiätet haben. Es gibt eigentlich zweierlei Mormonen; die einen bekennen sich zur Poliegamy, die andern zur Monogamie. Den den ersteren ist Brigham der Präsident, von den ar.dirn Jost pH Smitb. Um den Wohlstand der Mormonen zu befördern, hat Biigh. m ein Edict erlassen, welches den Mormonen verbietet, mit Juden oder Fremden in gesü östliche Beziehung zu trettn. Dadurch ist das Geschäft ganz darnieder geschlagen und wird mit jed«m Tage schlechter, und wenn Brighams Gedanken nicht eine Aer derung erleiden, befürchte ich, daß unsere Glaubensgenossen gezwungen sind, diese Stadt zu verlassen. Dies ist e-ne traurige Nachricht, um so mehr, als ich das vorige Mal geschrieben, daß die Juden sehr geachtet seien. Brigham ist in seinen allen Tagen fanatisch geworden, und die einz'gc Hoffnung uns rer Glaubensgenossen und aller Fremden ist, daß die Meinungsverschiedenheit der be-den Präsidenten bald eine Besserstellung ihrer Lage herbeisühren wird. Die Mormonen glauben, daß Israel das von Gott erwählte Volk ist, daß aber Gott in letzterer Zeit sie (die Mormonen) zu Seinen Heiligen und ihre Präsidenten als Seine Propheten erwählt habe und daß Gott diesen im Traume erscheine. Brigham läßt eS sich euch angelegen sein, die Juden, besonders Frauen zu bekehren. BiS jetzt ist es sihm gelungen, einen Juden, welcher jetzt vier Frauen hat, zum Glaubenswechsel zu veranlassen. In Sacramento (Californien) wird gegenwärtig eine Synagoge mit einem Kostenauswande von 180,000 Dollar erbaut. Palästina. □ Jerusalem. Unser Stadtrath hat den Oberrabbiner veranlaßt, bei seinen Volksgenoffen auf ernstliche Maßregeln zur Wegschaffung der berghohen Kehrichthaufen im Südosten des verpesteten übervölkerten Judenviertels zu dringen. Die Nothwendigkeit der Beseitigung dieser todlbringenden Malariaküche Wird wohl längst eingesehen und von den Aerzten beständig gefordert, auch würden die Mittel wohl ausreichen, doch werden sich die in ewigem Unfrieden lebenden Vorsteher der verschiedenen Gemeinden schwerlich zu gemeinschaftlichen Leistungen verständigen können. — Eine engliche Dame und der bekannte Sir Moses Montefiore haben dem Statthalter eine bedeutende Summe zur Verwendung für die hiesigen Armen übermittelt. Die Weisheit unserer Regierung hat es für zweckmäßig erachtet die betreffenden Liren für die Jaffa-Straße auszugeben, wohl in der weisen