Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1869-09-16 · Heft 37-38 (16.9.1869) · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 37-38 (16.9.1869)
Date
1869-09-16
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2447395-2447432--07611-2463219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

748 Wer aber andere Beweise für die höchsten Wahri Heiten des Judenthums sich aneignen wollte, wandte sich entweder zur Gruppe der: 2) Religionsphilosophen, M imO»ideS, Albo! rom u. f. f., oder zu der: 3) Der Kabbalisten. Wie aber Erstere, den Grundgedanken der Kabbala, den Glauben an die Existenz supernaturaler Wetten, als 2n"iy ebenfalls obenanstellen — Maimoni des n"s rown sagt: überall, wo in der h. S. der Ausdruck nenp Dipo, 'i m u. dgl. vorkömmt, sei solcher transcedental als «2^1 nby Ort des zukünftigen Lebens zu nehmen — ebenso können Letztere, namentlich die Koryphäen derselben, die nämlich ein wohlgeordnetes kabbalistisches System lehrten, die Werke und Beweisführungen der jüdischen Religionsphilosophen durchaus nicht entbehren. Weshalb? möchte aus Folgendem wohl einleuchten: Derjenige würde nämlich sehr irren, welcher meint, in der Kabbala directe Beweise für die höchsten Wahrheiten der Religion zu finden. Dazu genügten die religionsphilosophischen Schriften. Als Beleg hierfür führen wir eine Stelle aus R. Menachem Asarja di Fano poi.i n^s wörtlich an: nro my:« pi£> '3 lyw nowo uoo vvj «2 uruew dtd v"2"i D’Bnson ,1^2 inspD ,p^nno nnmn "inxn i'Kitr *p2tv iroN’30 un»3 «m mioo;yjoj nn nt rum .ntyn« Die Hauptgrundlage des Judenthums ist und bleibt: Die Ueberliferung » ruio«. — swnn mauern n"i bba. Die Thätigkeit der kabbalistischen Literatur war aber nach einer ganz andern Seite gerichtet. Es galt ihr nämlich als Ziel, die totale Gegensätzlichkeit des Körperlichen und des Geistigen, des munn und des rmovu der physischen und der metaphysischen Welten zu beweisen, und wie diese in allen Grundregeln des Seins, die entschiedensten diametralen Gegensätze bilden, damit wir hieraus das jnn xbivK jnnBrn^an: die Ursache weßhalb wir «an Odip, geschweige denn Gvtl selbst, nicht begreifen vermögen, erkennen möchten. Diese totale Gegensätzlichkeit, ist nach den allerersten Regeln der Logik, unumstößlich erwiesen. Denn rlüch 0"201.1^ pun nt>o Cap. 6 ist die erste aller logischen Regeln, daß aus zwei Vordersätzen, notwendig ein dritter Schlußsatz folge. Sagen wir z. B.: 1) jeder Mensch denkt; 2) N. ist ein Mensch; so folgt hieraus: 3) N. denkt. Ebenso aus folgenden zwei Vodersätzen: 1) keine Form ist ohne Wesen p« miit 'd2 idJi, 2) die Form des Weltalls ist die Körperlichkeit oder der Raum, das Wesen desselben aber ist: die Zeit, folgern wir nun den Schlußsatz: 3) daß beim Ueberirdischen, dessen Form daS Geistige Nicht an Raum gebundene ist, mithin auch besten Wesen, das nicht Zeitliche, also die Ewigkeit sei« muß. Dieses ist, wie enp'1 'B rrnnn dp andeutet, die Grundidee des heiligen Opferdienstes nu2-ipn moy. Denn beim Opferdienste waren die beiden Fundamentalgesetz: 1) Raum; sie durften nicht außerhalb deS Tempels, divs irnpvv pm und 2) Zeit; sie dursten nicht außer der bestimmten Zeit, dns um1? pin, dargebracht werden. Es sollte damit das Körperliche und Zeitliche, dem Ueberirdischen und Ewigen geopfert werden, und es gilt wegen dieser Gegensätze, die talmudische Regel p'E^’ nb D»rnpo ybm Chulin 98 b. die Gesetze des Profanen und die Opfergesetze stehen in keinerlei innerer Beziehung zu einander. Unser Gewährsmann dafür, daß dieses Axiom der Gegensätzlichkeit von niunnanb nroiw, die Grundidee der systematischen Kabbala sei, ist — außer R. Menachem Asarja di Fano in seiner kleinen Psychologie \ap iDND und »n ^2 dn no«o Cap. 2 - kein Geringerer als der anonyme Verfasser deS 'junn idd, Sepher Hachinuch, myo 248 und in .'seiner Vorrede, indem er mit wenigen Worten sagt: nroteom rounn, 0»"ii04 D”2E?n on, Physisches und Metaphysisches bilden die entschiedensten Gegensätze in ihrer Wesenheit, und nur beim Mensche« finden sich — wie durch ein fortwährendes Wunder — Geist und Körper verbunden, weßhalb auch Geistesstörungen, bei denen dies wunderbare Gefüge sich gelöst hat, die am schwersten zu heilenden Krankheiten sind. In dieser Weise besagt uns die Lehre von der Gegensätzlichkeit des murin und m’OBU, indem das; eine körperlich und vergänglich, das andere aber geistig 1 und ewig ist, weßhalb wir das Supernaturale nicht ganz begreifen können. Die Kabbala aber deckt mit doppeltem Schilde gegen das Befassen mit unstatthaften Forschungen. Der Mensch bildet danach zuerst einen Gegensatz zu den supernaturalen rnrnvO: Seelenwelten, tropisch auch: Eigenschaften*) u. A. m. Die niederen nuinnnn nn»BD, bilden aber einen so totalen Gegensatz zu dem Cyclus der höheren nn»E>D niJ’byn. Um dieses durch einen leichtfaßlichen Ausdruck zu bezeichnen, nennen die D’b2ipo den Cyelus der höheren: '0 und den der niederen o\ Die t>‘«M ie *nn welche wir nach -eu SelichoS sagen;, st-hen nach Angabe dm vorzüglichsten v'k'pv, in keinerlei Beziehung' zu dm nn'vv. Anmerkung d. E. (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: I>r. L ehmann. — Verlag der Le Sioux'fchm Hofbuchhandlung. — Tamrt- Echnellpreffendruck von I. SottSleben in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.