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Der Israelit · 1869-08-25 · Heft 34 (25.8.1869) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 34 (25.8.1869)
Date
1869-08-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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675 in den Schvoß legte und die Sorge um diesseitige Armen dem — Schippenbeiler UnterstützungS- Comitb überließ. — Oesterreichischer Kaiserftaal. Aus Boskotvitz in Mähren meldet man von /gröblichen Excessen, deren die zur Losung behufs der Militärstellung am 7. d. dahin gekommenen Bauernsöhne aus der Umgegend schuldig machten. Sie schleuderten im trunkenen Zustande Steine gegen die Bewohner, welche sich eiligst in die Wohnungen flüchteten, zerschlugen Fenster und Portale. In dem eine Viertelstunde von Boskowitz südlich entfernten Dorfe Mlatkow drangen sie in das Haus eines Israeliten, Namens Samuel Bader, und mißhandelten den wehrlosen alten Mann auf unmenschliche Weise. Nachdem sie ihn geprügelt und ihm mehrere Zähne ausgeschlagen hatten, versetzte ihm einer mit einer eisernen Schaufel einen solchen Hieb auf den Kopf, daß er blutend, bewußtlos zusammenstürzte. Als die durch den Sohn des Verletzten aus Boskowitz requirirten Gensdarmen ankamen, hatten die Excedenten bereits die Flucht ergriffen. Da jedoch einer derselben bekannt ist, so dürfte es nicht schwer sein, auch die andern Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Die Boskowitzer Bezirkshauptmannschaft hat auch deßhalb eine strenge Untersuchung eingeleitet. Aus Wartzen, 6. August, schreibt man dem „N. F. Ll : In der Nacht vom 4. auf den 5. d. M. brach hier in dem Hause des hiesigen israelitischen Bürgers Samuel Steiner Feuer aus, in einem Lokal, welches nicht affekurirt war und nur beim Tage benützt wurde. Das Feuer nahm große Dimensionen an nnd nachdem die zur Hilfe Herbeigeeilten die geretteten Gegenstände so behandelten, daß sie diese ganz unbrauchbar machten, bat die Frau des Steiner, lieber die Gegenstände in Rauch aufgehen lassen, als dieselben unbrauchbar zu machen. Darauf hin schleppte der hiesige ^»tadtnotär mit Hilfe einiger Bauern das arme Geschöpf unter den größten Mißhandlungen zur nächsten Nähe der Brandstätte. „Wo die Noth am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten." Zum Glück nahmen einige verständige Herren die in Ohnmacht gefallene Frau in Schutz, und nur der größten Mühe und Energie dieser Herren ist es zu verdanken, daß die Frau vom nahen Feuertodte gerettet werden konnte. Aber das Schauspiel war noch nicht beendet. Kaum verließ ^ie große Volksmenge die Brandstätte, als der intelligente Herr Notär den S. Steiner und seine Gemahlin m den Arrest mittelst starker Eskorte wie gemeine Verbrecher transportirte. Die Beschädigten haben gegen den Notar Regele Karoly einen Proceß bereits angestrengt. Aus dem Reograder Comitat wird geschrieben, daß dort die durch unsere freisinnige Legislation gebrachten liberalen Gesetze nicht nur geschrieben fo«- dern bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, so z. B. waren nicht nur bei den Landtagswahlen ISraeliten in das Centralausschuß und das KonscriptionScomk« gewählt, sondern eS find im KomitatS- Schulrath jetzt wieder zwei Israeliten, und zwar Dr. Anton Baumgarten und Heinrich Felsenburg; so wurden auch zur Assentirungs-Kommission zwei Israeliten gewählt. D o n a u f ü r st e n t h ü m e r. Bukarest. Ein von zahlreichen rumänischen Juden gezeichnetes Schreiben über die Verfolgungen, denen sie und ihre Glaubensgenossen ausgesetzt sind, wird von Sir Francis Goldsmid in den Spalten des „Daily Telegraph" veröffentlicht. Dasselbe lautet im WeseiMchen folgendermaßen: Geehrter Herr! Wir, Ihre Glaubensgenossen in Rumänien rufen aus der Tiefe des Jammers und der Bangigkeit, in die wir gestürzt sind, Sie um Ihre menschenfreundliche Hilfe und Unterstützung an. Wir sind unaufhörlich den bittersten Beleidigungen in diesem Lande, wo wir früher stets ungetrübte Sicherheit genossen, ausgesetzt. Wir leben in fortwährender Furcht und nie endendem Schrecken. Die Regierung regt sich nicht, um zu unseren Gunsten den nöthigen Einfluß zur Geltung zu bringen, während unsere Gegner sich auf die Behauptung stützen , wir bemächtigten uns ausschließlich des Handels im Lande und würden schließlich die Rechte der Christen beeinträchtigen. Man hat uns die Freiheit genommen, unseren gewohnten Geschäften nachzugehen und Hauseigenthum zu erwerben. Wir dürfen nicht in Dörfern wohnen und leiden unter allen möglichen, gesetzlichen Ungerechtigkeiten. Es hat uns nichts geholfen, daß wir bei den Provinzial-Präfekten Beschwerde führten und wir hatten ebenso wenig Erfolg mit unserem Gesuch an den Fürsten Karl. Er ist leider ebenso machtlos in Bezug aufl unsere elende Lage und seine Hände sind dnrch die Formen der bestehenden Konstitution gebunden. Außerdem folgt er auch blindlings den Zuflüsterungen CogoluicoLkno'S. Dieser, der Minister des Innern, thut sein Mögliches, um seinen Licblingsplan, Vertreibung der Juden aus den Dörfern, zur Ausführung zu bringen. So sind denn Familien, die an jegliche Bequemlichkeit dos Lebens gewöhnt waren, obdachlos Hinausgetrieben worden und wandern umher, ohne zu wissen, wo sie ihr Haupt niederlegen sollen. Den armen Verbannten hat man nicht einmal Zeit gelassen, die spärlichen Ueberreste ihrer beweglichen Habe zu sammeln. Um die Härte der Kränkung noch zu mehren, jagte man sie am Sabbat aus ihren Wohnstätten.

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