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Der Israelit · 1869-07-21 · Heft 29 (21.7.1869) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 29 (21.7.1869)
Date
1869-07-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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EBP 4M 571 ANZEIGEN. Dringende Mite! Am 27. Juni d. I. wurde Judu Strand von Himbach, Kreises Büdingen (im Großherzog- Ihum Hessen), am hellen Tage und in Gegenwart einer großen Anzahl Leute Meuchlings erstochen. Der brave und rechtschaffene Mann hatte nie eine Veranlassung zu einer solchen That gegeben, die aus reiner Mordlust entsprungen zu sein scheint. Der Mörder befindet sich in den Händen der Gerechttgkeit. Aber mit "der Sühne für das Verbrechen ist noch keine Hilfe für die atmen Hinterlaffenen gebracht, denen der Verlebte ein treuer Ernährer gewesen ist, vielmehr stehen der alte Vater und die junge Frau des Ermordete» hilf- und mittellos da. An alle Menschenfreunde ergeht deßhalb die dringende Bitte, der armen Familie hilfreich beizustehen. Moh», Bürgermeister in Himbach. Koch, Bürgermeister in Düdelsheim. Röruheld, Pfarrer in Düdelsheim. S. Ehrmann, Fabrikant daselbst. G. KiSmann, Banquier, Frankfurt a. M. Br. med. Marcus, Arzt in Frankfurt a. M. Gaben wolle man gefäll. einsenden an Ido» med. Marcus, Langestraße 16, Frankfurt a. M. Erneueter Nothruf! Lange hat das hiesige Comite gezögert, ehe es l»em Unterzeichneten zu diesem er >eueten Nothruf den Auftrag gegeben. Der Geldzufluß aber hatte zum Erschrecken ab-, die Noth aber noch bedeutend zugenommen, so daß sie wohl erst jetzt ihren Culminationspunkt erreicht hat, auf welchem sie stch noch vier bis sechs Wochen, bis zur bevorstehenden Ernte, erhalten wird. Zu Hunderten lagern die halbverhungernden Schattengestalten auf den Straßen, in den Synagogen und Bothvmidraschim mancher Städte und beten zu Gott um rasche Beendigung ihres Elends. In den Schulen sterben die Kinder sammt ihren Melamdim. In dem Flecken Pnrwine bei Schaulen brachten Kinder das Messer an das Krankenlager der Mutter und baten und jammerten, sie möge ihnen Brod schneiden; sie nahm das Messer aus der Hand der Kinder und — schnitt sich die Kehle ab. Durch das erschreckliche Elend der Ihrigen zu wildem Wahnsinn getrieben, schlitzte eine Frau in der Kreisstadt Telschen sich den Bauch auf, um den Leuten ad ocuios zu demonstriren, daß sie lange nichts gegeffen habe. In der Kreisstadt Schaulen lag auf armseligstem Lager ein Großmutter in den letzten Zügen. Sie verschmähte in ewahrhaftem Heroismus jeden Bissen, um ihre zahlreichen Kinder und Enkel nicht zu verkürzen. Einen Schatz aber verbarg sie vor aller Welt, um denselben, wie sie sagte, für den Augenblick der höchsten Noth zu verwahren, der ihr noch nicht gekommen schien. Die Familie hatte vordem gute Tage gesehen; man glaubte in der That, die Großmutter habe irgend ein Kleinod aus der Zerrüttung, in welche die Familie nach und nach gerathen war, gerettet. Aber was zog man nach ihrem Ableben unter dem Kopfkiffen hervor? Ein altes verschimmeltes Stück Schwarzbrot. Edle Menschen! Wo Euch dieser Nothruf auch zu Gesicht kommen möge; ob zu Hause, ob auf Reisen, ob in den Badern, wohin Ihr Euch, zur Erholung oder zur Kräftigung, begeben, sendet und sammelt Gaben für die Verhungernden. — Und Ihr, Bravsten der Braven, Ihr Männer der Presse! Nehmt Euch noch einmal dieser Unglücklichen — Ihr habt ja jetzt die Zeit dazu — auf das Wärmste an! Für Euch Alle aber wollen wir zu Gott beten, daß Euch niemals, gleich uns, solch ei« Elend vor's Angesicht treten möge. Memel in Preußen, im Juli 1869. In» Aufträge des Unter stützungs-Comite’s für die Israeliten der benachbarten russischen Grenze. Dr. Rülff, Schriftführer. Unser Schatzmeister ist, wie bekannt. Herr Julius Hirsch, Firma: I. Hirsch u. Co. Bitte, Bitte! Die Hinfälligkeit unseres alten Gotteshauses hat uns benöthigt, den Neubau eines solchen vorzunehmen. Im Bau begriffen, find uns alle Mittel ausgegangen, und sind wir außer Stande, denselben auezuführen. Im Namen unserer orthodoxen Gemeind: bitten wir Sie, Glaubensbrüder, uns eine Unterstützung zu dem Gottgewcihten Werke senden zu wollen. Raszkow, Prov. Posen, im UN 5629. H. Müller, J. Zerkowski, Vorstand der Syn.-Gememde.

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