Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1869)
- Date
- 1869-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447423--07394-2462993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
542 Ben; also könne auch heute jeder Einzelne nach seinem Belieben dieLehre und das Gesetz unseres Gottes annehmen oder verwerfen. Herr Ph. scheint nicht zu wissen, daß damals Gott einen Bund mit uns geschlossen, der uns für alle Zeiten bindet. Herr Philippson erzählt uns in seiner Zeitung mit der ihm eigenthümlichen, edlen Bescheidenheit, daß die von ihm zur Motivirung seines' Antrages gehaltene Rede von einem seltenen Erfolge war; jeder Satz sei von Zustimmungsrufen begleitet, oft sei er von einem Beifallsstürme unterbrochen, und nachdem er geendet, sei er von der ganzen Versammlung umringt und mit Dankesbezeugungen überschüttet worden. Dann wurde der erwähnte Antrag, der also dieLehre und das Gesetz unseres Gottes der Willkür jedes Einzelnen preisgibt, e i n ft i m m i g zum Beschluß erhoben. Nichtsdestoweniger scheint eS noch einige Iehudim unter den Versammelten gegeben zu haben, die noch Einiges aus dem allgemeinen Brande zu retten suchten. Herr Dr. msä. Wollner auS Gleiwitz stellte in Verbindung mit Anderen den folgenden Antrag: „Die Synode wolle im Anschlüsse an den ersten Antrag des Herrn Dr. Ludwig Philippson und unmittelbar nach dessen Erledigung erklären: „Daß sie bei Heilung der Uebelstände, die vorliegen, vor Allem den Zusammenhang mit Bibel und traditionellem Schriftthume aufrecht zu erhalten bemüht sein will." Man steht, dieser Antrag verlangt nicht viel, nur den Zusammenhang mit Bibel und Talmud, nicht die Anerkennung derselben; trotzdem weigerte sich der Vorsitzende, ihn sofort zur Abstimmung zu bringen; ob er noch einmal vorgekommen, wissen wir nicht. Bis hierher sind wir den ausführlichen Mittheilungen der Philippsonstchen Zeitung gefolgt. Ueber den weiteren Verlauf der Synode entnehmen wir die Thatsachen den politischen Blättern, deren Berichte uns vorliegen. Am zweiten Tage beschäftigte sich die Synode mit Schulangelegenheiten, empfahl außer der Mittheilung der Religionsgrundsätze auch die Befestigung der Vertrautheit mit den biblischen Schriften (d. h. wohl Bibel-Lesen aus übersetzten Bibeln wie in den protestantischen Schulen) und stellte als höchste Aufgabe der Iudenheit die Gründung einer Lehranstalt für freie,'wissenschaftlicheForschung dar. Was die Herren unter „freier, wissenschaftlicher Forschung" verstehen, erhellt vielleicht aus einer Bemerkung des „Wiener Fremdenblattes". Demselben wird aus Leipzig mitgetheilt, daß die dortige Theaterdirection der Synode zu Ehren Gutzkow's „Uriel Acosta" neueinstudirt in Scene habe gehen lasten; „man bemerkte," fügt der Correspondent hinzu, „daß dieser Zuhörerschaft die erwähnte Dichtung innerlich sympathisch und geistig wahlverwandt war". Uriel Acosta war bekanntlich der Lehrer Spinozas, der ebenso wie sein Schüler in Conflict mit dem Iudenthume gerieth.. Es war die „freie, wistenschaftliche Forschung", die Uriel Acosta zur Selb st Vernichtung trieb, und in der Selbstvernichtung scheint die Synode die höchste Aufgabe der Iudenheit zu suchen und zu finden. Darauf brachte Herr Dr. Engel aus Wien folgenden Antrag ein: „Die Synode wolle nachstehende Fragen einer Commission zur eingehenden Erörterung und Beantwortung überweisen: „Ist ein von einer jüdischen Mutter geborener, aus was immer für einem Grunde unbeschnitten gebliebener Knabe im Sinne der für Israeliten bestehenden und als bindend anerkannten Normen als Jude anzusehen, und wie wird, falls die erste Frage bejahend beantwortet wird, ein solches Individuum späterhin wieder auf Grund der erwähnten Normen bei rituellen Anlässen sowohl subjectiv als objectiv zu behandeln sein?" Die Versammlung entsprach diesem Anträge und verwies die Fragen an eine Commission. Am dritten Versammlungstage wurden die sogenannten gottesdienstlichen Fragen besprochen. Die Thora-Vorlesung soll getheilt werden; die halbe Sidrah soll Morgens und die andere Hälfte derselben Nachmittags vorgelesen werden; das Auftufen zur Thora soll nicht abgeschafft werden, wohl aber der sogenannte „Trop". ES wurde ein Antrag gestellt auf Weglassung der „anstößigen" fcoom) Stellen der Bibel; jedoch wurde der Antrag abgelehnt. Ferner wurde folgender Beschluß gefaßt: „In den Stellen der Ge-! bete, in welchen eine Bitte um Wiederherstellung der Thieropfer (also die Mehl- und Weinopfer will matij belasten?) und der persönlichen Rückkehr nach Jerusalem ausgesprochen wird, find Aenderungen vorzunehmen. Chorgesang, Orgel und musikalische Aufführungen am Sabbat und an Festtagen wer-( den empfohlen." Fasten wir nun das Resultat dieser Synode zu-1 fammen, so können wir das Ergebniß mit den wenige« Worten bezeichnen, welche der König Achab an diel Thore seines Palastes schreiben ließ: pvn m dxiL" nbxi, „Achab hat keinen Antheil am Gotik Israels". Es sind drei Gruppen von Anschauungen, welche die Synode zu Tage förderte: 1) im Programm derselben wurde die Lehre und das Gesetz unseres Got-> tes dem Belieben des Individuums anheimgestellt;! 2) im Unterrichtswesen wurde als die höchste AufgabrI der Iudenheit die Gründung einer Anstalt für freick wistenschaftliche Forschung bezeichnet; 3) in Bezug m den Gottesdienst wurde die Leugnung der Zukunft! Jsra beliek Stau lesge maßg Die läge Sec geoffe Secte Laufe aber Syno £ati s drücke gemaä Norde nach ( Meerf« und m hd-o. lieh or der uri zweier rnerkwi Zahrta rühmte wohncr sie ist len brr grvßarl bahnen Stadt! unter denen Wahrer Cquipa. Menge der Stc gen; m, der Erd fährt ei; Eile, st