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Der Israelit · 1869-07-07 · Heft 27 (7.7.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 27 (7.7.1869)
Date
1869-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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526 hat für Jeden ein freundliches oder tröstendes Wort, ja er scheut selbst die Gefahr der Ansteckung nicht, indem er jedem Kranken die Hand reicht; in der That hat er sich einmal die Blattern dort geholt. In den Cholerazeiten besuchte er das Hospital zweimal täglich und gab dadurch den Aerzten und Wärtern das ruhrendste und erhebendste Bespiel freudiger Aufopferung. DaS Hospital hat eine besondere Abtheilung für die alten Männer und eine für die alten Frauen der Alterversorgungsanstalt, eine besondere Abtheilung für die unheilbaren männlichen und die unheilbaren weiblichen Kranken, eine solche für die männlichen acuten Kranken und eine solche für die acuten Kranken weiblichen Geschlechts, eine Abtheilung für Knaben, eine für Mädchen und eine für Wöchnerinnen. In die Alterversorgungsanstalt wird jeder Bedürftige ausgenommen, der 10 Jahre in Paris gelebt, sich tadellos betragen hat und nicht im Stande ist, sich selbst seinen Unterhalt zu verschaffen; in's Hospital aber wird jeder Glaubensgenosse ausgenommen, der an die Pforte desselben pocht, solange der Raum ausreicht. Es ist diese Anstalt ein wahrer Segen für die zahlreichen israelitischen Armen, welche fortwährend nach Paris strömen und deren Zahl sich gegenwärtig auf 5000 Seelen belaufen soll. Eine nicht minder segensreich wirkende Einrichtung ist die jüdische Suppenanstalt. Hier bekömmt jeder jüdische Arme ein vollständiges Mittag- oder Abend- Essen, bestehend aus Suppe, Gemüse und Fleisch für 2 sou8 die Portion (ungefähr 3 kr. rh. oder 10 Pf. preußisch) und wer auch diese nicht bezahlen kann, bekömmt die betreffenden Karten unentgeltlich. Hier findet keine Einschränkung statt, und es erhalten alle diejenigen Armen zu essen, welche es verlangen. Im Jahre 1868 wurden mehr als 120,000 Portionen vertheilt, was nahe an 400 für jeden Tag beträgt. Die Anstalt hat auch besondere Einrichtungen für den Sabbat, sogenannte Setzöfen, und werden diese sowohl wie alle anderen, so versicherte man uns wenigstens, nach streng jüdischem Ritus geführt. Ern Lhnenswerth ist auch das Waisenhaus, in welchem sich gegenwärtig 48 Kinder befinden. An der Spitze desselben steht Herr Rabbiner Meyer. Kinder, deren Eltern mindestens fünf Jahre in Paris gelebt haben, werden nach dem Tode des Ernährers der Familie darin ausgenommen. Die Knaben bleiben darin bis zu ihrem 14. Lebensjahre; dann werden sie in die jüdische Arbeiter-Schule, ecole de travaille, ausgenommen und zu geschickten Handwerkern herangebildet. Die Mädchen bleiben in der Regel bis zu ihrer Verheirathung oder bis zur Zeit, da sich ein nützliches Unterkommen für sie findet. Wir besuchten auch eine der vier jüdischen Armenschulen. Die Schüler und Schülerinnen zählen nach Hunderten, und sind stets nur 2 Lehrer und 2 Lehrerinnen an jeder Schule thätkg. Nichtsdestowmkger fanden wir die Knaben, die wir prüften, sehr vorangeschritten. Sie übersetzten den Pentateuch sehr geläufig und declinirten und conjugirten hebräische Substantiva und Verba, kannten die verschiedenere und verstanden sogar die unregelmäßigen Zeitwörter abzuwandeln. Es ist dies ein glänzendes Zeugniß für die Kinder und die Lehrer. Wie Vieles würde erst geleistet werden, wenn mehr Lehrer und Lehrerinnen angeftellt würden! Die für das jüdisch-religiöse Leben wichtigste Anstalt in ganz Frankreich ist die ecole rabbinique, da- Rabbinerseminar, unter der Leitung des Herrn Rabbiners Trenel. Als wir dieselbe gestern besuchten , wurde gerade „gelernt". Herr Trenel trug einen im Tractat Sabbat vor, im Perek N22 j’P'tno; man „lernte" den Herr Trenel machte auf uns den Eindruck eines talmudisch tüchtig vurchgebildeten Mannes. Die jungen Leute treten mit dem vollendeten achtzehnten Jahre in'S Seminar und bleiben dort solange, bis sie ihr Diplom erlangen, dasie entweder zum Rabbinate oder zum Q errabbinate befähigt. Die Schule zahlt gegenwärtig 10 Zöglinge. Dieselben erhalten Käst, Logis, Unterricht rc. im Seminar unentgeltlich. Mil dem Seminar steht eine sogenannte Talmud-Thora-Schule in Verbindung, irr welcher die jungen Leute für die eoolo rabbinigrrs vorbereitet werden. Die Talmud-Thora-Schule steht unter der Leitung des gelehrten und durch seine Leistungen aus jüdisch-literarischem Gebiete rühmlichst bekannten Professor Vogue. In Paris erscheinen vier Zeitnugen, die sich mit jüdischen Interessen beschäftige,. Vor Allen »L'Ünivers Israelite“, dessen Hanptredacteur der geistvolle Kampfer für die Interessen des orthodoxen JudenthumS Herr S. Bloch ist. Wir freuten uns unendlich, die persönliche Bekanntschaft dieses würdigen und gelehrten Mannes zu machen, der seit dreiß'g Jahren mit ungebrochener Kraft für Reckt und Wahrheit streitet. Möge der allgütige Gott ihn ferner kräftigen, damit er wie bisher die Fahne der Wahrheit und des R'chts hochhalte. — Die hebräische Z'ikschrist „Libanon" redigirt der gelehrte und fromme Herr Brill, der Schwiegersohn des berühmten lleisenven Rabbi Jakob Saphir anS Jerusalem. Auch die Richtung dieser gediegenen Zeitschrift ist eine streng religiöse. ES ist ein Ruhm für Paris und Frankreich, daß Herr Brill hier in dieser großen Metropole ein Blatt eairt, welches die h.b üijche Sprache pflegi und für daS Studium unserer heiligen Literatur so velsache Atregungen bringt. — Die „Archives Israelites“, früher der Reform gewidmet, sinv seil einigen Jahren bedeutend , besser geworden und gehören jetzt mchr der sogenannten' Mittelpartei an. D r Hanplreoacteur derselben ist Herr Isidor Cahe», eiu sehr talentvoller ManH

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