Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1869)
- Date
- 1869-06-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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519 Mm für Laupheim und Fabrikant Dan. Rosenthal aus Göppingen für Jebenhausen gewählt werden. Wie man hört, soll die Delegirtencommission schon Mitte oder Ende Juli d. I. zu einer Synode nach Stuttgart einberufen werden. Eine Vorversammlung der gesinnungsverwandten Delegirten unter Zutritt des Publikums wäre am Platze. Ueberhaupt sollten die Verhandlungen der isr. Synode selbst wie bei der evang. Synode in Stuttgart und dem jüdischen Congresse in Pesth öffentlich sein. Berlin, den 7. Tamus. Unser Artikel in Nr. 23 hat bei Bielen zu einem Mißverständnisse Anlaß gegeben, indem der hier allgemein bekannte und sehr verehrte Dr. Lazarus aus Prenzlau neben Dr. Beck und Dr. Levy genannt worden war und man also das von diesen Ausgesagte auch auf jenen beziehen konnte. Obschon für Alle, die H. Dr. Lazarus kennen, eigentlich gar kein weiteres Wort nöthig wäre, erklären wir hiermit dennoch, daß wir es außerordentlich bedauern, dieses Mißverständniß hcrvorgerufen zu haben, und wir nur deßhalb den. Namen ohne alle Bemerkung in dem genannten Zusammenhänge angeführt, weil wir glaubten, daß das Ablehnen schon hinlänglich für den Mann spreche. — Daß außerdem als fernerer Candidat der „Münzenlevy" genannt war, während es Levy der „Chaldäer" ist, wollen wir nur der Wahrheit wegen berichtigen, obschon damit durchaus nicht gesagt sein soll, daß ein chaldäischeö Wörterbuch ein höheres Verdienst um Erhaltung unserer Religion sei, denn eine Geschichte der jüdischen Münzen. Unterdessen ist auch die Probepredigt des Herrn Dr. Beck resultatloS geblieben. Wir wollen hier nicht erzählen, wieso derselbe seine Anstellung, die schon im Nathe des Vorstandes beschlossen gewesen sein soll, unmöglich gemacht hat. Wenn sein Character, seine religiöse Gesinnung, seine Bildung ihn nicht befähigen, Rabbiner der Berliner Gemeinde zu werden, dann haben wir es nicht mit ihm zu thun, sondern mit dem Vorstande, der solche Männer für diesen Posten herauösucht. Hingegen geht die Hoffnung, , Herrn Dr. Hildesheimer zu gewinnen, von Tag zu Tag mehr zur Gewißheit über und die Zeichnungen für das Seminar, neuerdings auch Zeichnungen zur Bildung einer separaten Gemeinde mehren sich stets. Es läßt sich zwar nicht so unbedingt in Abrede stellen, daß man außerhalb mit Recht unter der Berliner Gemeinde sich eine der Religiosität ganz entfremdete vorstelle; denn die Gemeinde als solche verdient vielleicht kein besseres Urtheil. Dennoch aber liefert die zahlreiche Betheiligung an den genannten Zeichnungen, die Freude, mit der dieses fiattfindet, und die bange Sehnsucht, mit der alle aus Eisenstadt kommenden Nachrichten erwartet werden, hinlänglich den Beweis, daß, wenn auch in stiller Zurückgezogenheit, eS hier noch viele Männer gibt, deren Herz warm für daS echte Judenthum schlägt. Die Herren, die sich der Mühe der Unterschriftensammlung unterziehen, finden außer dem erhebenden Bewußtsein der guten That, reichlichen Lohn in einzelnen bei dieser Gelegenheit sich darbietenden Scenen, die rührend und erhebend zugleich, am stärksten für die G. s. D. noch vorhandene religiöse Gesinnung der Betreffenden zeugen. Von großem Vortheile dabei ist, daß Dr. Hildesheimer einen großen Theil seiner Studienzeit hier verlebt und dadurch Vielen persönlich bekannt und noch lebhaft im Gedächtnisse ist. So erz'chlt man sich, wie er z. B. einer der Mitbegründer des StudienbefördernngsvereineS gewesen und durch seine persönliche Verwendung bei dem damaligen Polizeipräsidenten es dnrchgesetzt habe', daß trotz des Widerspruches deS Vorstandes, der Verein und seine Statuten von der Regierung zu Potsdam genehmigt wurden. Dazu kommt, daß man weiß, daß bei den n"a günstigen Familienverhältnissen des Hrn. Dr. H. nicht egoistische Vortheile ihn nach Berlin führen, sondern es rein uvb geschieht, wenn er dem an ihn ergangenen Ruse Folge leistet. Darum ist auch bei den Reformern und einem großen Theil der zu8t6-ini1i6u die Angst vor diesem unabhängigen, in Wissenschaftlichkeit und Character großartigen Manne so außerordentlich, daß sie zu Lügen ihre Zuflucht nehmen und u. A. das Gerücht zu verbreiten suchten, daß Dr. H. bereits erklärte hättte, nicht kommen zu wollen. Eine am vergangenen Freitag aus Eisenstadt eingetroffene Depesche widerlegte sofort alle die ausgestreuten Mahrchen und s. G. w. wird bald eine weitere Depesche zu der vorangegangenen negativen die positive Ergänzung bringen. Kempen, 9. Juni. Der „Breslauer Morgenzeitung" wird von hier geschrieben: Ein interessanter Proceß schwebt jetzt am hiesigen Gericht, dessen Entscheidung man mit einer gewissen Spannung entgegensieht. Eine Breslauer Buchhandlung ließ hierorts durch ihren Reisenden die jetzt in Leipzig erscheinende und von Professor Fürst redigirte illustrirte Bibelausgabe verschleißen. Es fanden sich auch 9 Abonnenten, welche nach Durchsicht der ersten Lieferung den Abonnementsschein aus das ganze Werk unterschrieben. Doch schon beim Erscheinen des zweiten Heftes verweigerten alle die Abnahme. Die Buchhandlung wurde klagbar und bei dem jüngst stattgefundenen ersten Termin erhoben die Verklagten den Einwand, daß das Buch antijüdisch sei, daß der orthodoxe Jude dasselbe gar nicht in sein Haus nehmen dürfe, da in den Anmerkungen z. B. behauptet werde, ein Israelit bleibe auch dann noch Israelit, wenn er den vorgeschriebenen Act der Beschneidung an sich nicht habe vollziehen lassen: die Beschneidung aber sei ein Dogma der jüdischen Religion, das Zeichen des Bundes, ohne das ein Jude als solcher nicht gedacht werden könne. Sie