Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1869)
- Date
- 1869-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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425 Oesterreichischer Kaiserstaal. 3Bien. DaS hiesige „Fremdenblatt" schreibt: „Der StadtphysikuS Dr. Jnnhaufer hat sich bei der jüngst vorgenommenen Visitation der Friedhöfe die Ueberzeugung verschafft, daß nicht nur auf den katholischen Friedhöfen, sondern auch auf dem israelitischen der Raum zur Bestattung der Verstorbenen bereits mangelt. Auf einem der Fri.dböfe mußte sogar ein Gehweg aufgelassen werden, um eine Reihe von Gräbern gewinnen zu können. Es liegt sogar die Gefahr nahe, daß, bei Vermeidung jedweden Scherzes in dieser so ernsten Angelegenheit die Leichen bald „unterstandslos" erklärt werden müssen." am 25. Mai. Wenn auch die Auslassungen, durch die Ihr hiesiger Correspondent die von dem größten Theile der orthodoxen Juden Ungarns, und Siebenbürgens gethanen Schritte herabzusetzen sucht, keiner Beleuchtung bedürfen, und durchaus kein Grund vorhanden ist, die Correctysit der von demselben nach seiner vermeintlichen Kenntnis; der Landesverhältnisse getadelten Schritte zu vertheidigen, so läßt es dennoch die Achtung vor der Sache, die bisher in Ihrem geschätzten Organe vertreten wurde, als unabweisbare Pflicht erscheinen, Ihnen, hochgeehrter Herr Redacteur! den Beweis zn liefern, daß Ihr hiesiger Berichterstatter entweder über Thalsachen schreibt, die ibm unbekannt sind, oder durch absichtliche Entstellung das Vertrauen mißbraucht, das jede Redaktion ihren Correspondenten zu schenken genötstgt ist. In dem in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienenen Artikel sucht derselbe die Annahme zu verbreiten, daß die am 26. v. M. Sr. Majestät überreichte Petition nur von derjenigen Partei ausgegangen sei, welche unter dem Namen Chassidim bekannt ist. Wir wollen durchaus nicht untersuchen, ob jener Correspondent zu einem Urtheile über diese Partei irgendwie competent ist und sind ebenso weit von der Absicht entfernt, uns mit demselben über irgend einen Gegenstand in eine Controverse einzulassen, sondern wollen nur einfach constatiren, daß die jüngst hier stattgefundene Rabbinerversammlung von solchen Rabbinern veranlaßt war, die nicht zu dcr erwähnten Partei gehören, sondern von der Gesammtheit der geietzestreuen Juden Ungarns und Siebenbürgens mit Recht zu den bedeutendsten rabbinischen Koryphäen gezählt und als die bewährtesten und würdigsten Vorkämpfer ihrer heiligsten Interessen verehrt werden. Cs genügt, zur Charakteristik jener Versammlung die Namen der aus ihr gewählten Rabbinen zn nennen, die von Sr. Majestät in Privataudienz empfangen wurden; es waren dies die Herren Oberrabbiner S. W Schreiber in Preßburg, M. Eisenstädter in Ungvar, D. Deutsch in Balassa-Gyarmath, I. Katz in Deutsch-Kreuz und I. H. Weiß in Erlau. Die Beiheiligung dieser Männer, deren Vergangenheit dafür bürgt, daß sie sich zu keinem mit ihrer Ueberzeugung nicht im Einklänge stehenden Schritte bringen lassen und von denen bereits Tausende von Schülern als Rabbiner zur Erhaltung und Hebung jüdischen Wissens und Lebens wirken, ignorirt Ihr Correspondent; ja er hat sogar im offenen Gegenlatze zu den Thatsachen ausdrücklich behauptet, daß die Herren Oberrabbiner von Preßburg und Ungvar nicht bei jener Versammlung gewesen seien'.! Sie ersehen hieraus, welchen Anspruch von Glaubwürdigkeit die Mittheilungen Ihres hiesigen Correspondenten haben. — Der Herr Oberrabbiner von S. A. Ujhelst war durch Unwohlsein von der Tbeilnahme an dev Versammlung verhindert. Die Unwahrheit der Angaben Ihres gegenwärtigen hiesigen Berichterstatters ergibt sich übrigens auch schon daraus, daß sich 700 theils größere, theils kleinere Gemeinden, Tausende von Mitgliedern solcher Gemeinden, deren Vorstände nicht orthodox sind, 230 Rabbinen und <0 Mitglieder des gewesenen Congresses an jenen Petitionen betheiligten. Die zuletzt angeführte Ziffer beweist auch die Unrichtigkeit der weiteren Angabe Ihres Correspondenten, daß nur 56 Congreßdeputirte der Petition beitraten; es haben von den 34 Deputirten, die erst am Schluffe des Congresses bei dem Cultusmiuister ihre Proteste eiureichten, nicht blos 1.4 sich an dem Majestätsgesuche betheiligt, sondern einer derselben war auch persönlich bei der Deputation, die von Sr. Majestät bei Entgegennahme der Petition huloreichst empfangen wurde. Diese aus einfachen Tbatsarben und Ziffern beruhenden Berichtigungen werden Ihnen, hochgeehrter Herr Redacteur! genügen, um den Werth der Mitteilungen zu bemeffen, die Ihnen von Ihrem gegenwärtigen hiesig i-n Correspondenten zngehen. (Wir müssen es natürlich unserm geschätzten»Pesther Correspondenten überlassen gegen diese harten Angriffe sich zu vertheidigen. Leider erhellt aus den beiderseitigen Correspondenzen ein Zwiespalt innerhalb der ungarischen Orthodoxie. Wir selbst stehen der Angelegenheit zu fern, um ein Urtheil darüber haben zu können. — Was soll daraus werden, wenn im eigenen Lager sich Zwiespalt erhebt? Die beregte Thatsache erfüllt unS mit tiefer Trauer. — Red.) Prag Nach dem früheren Gesetze mußten alle Kinder, die in den Findelhäusern geboren und untergebracht wurden, im katholischen Glauben erzegen werden. Ein jüdisches Mädchen gebar im FindelhauS zu Prag einen Sohn, der in Folge dieses Gesetzes getauft wurde. Später beiratheten sich der Vater und die Mutter, aber der Sohn mußte katholisch bleiben. Er erlernte ein Handwerk und arbeitete längere Zeit in Wien. Dieser Tage kam er von Wien und überraschte seine Eltern mit der Nachricht, daß er Jude