Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1869)
- Date
- 1869-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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402 „Wie lächerlich haben sich diese Männer gemacht, daß sie ihre Einladung zur Synode geschickt an alle Juden in allen Ländern, nach Deutschland und Frankreich, nach Oesterreich und Rußland, nach Amerika und der Türkei! „Nun, von den Tausenden israelitischer Gemeinden haben sechzig, sage sechzig, die Einladung angenommen — sechzig Gemeinden, auf die jene 21 Rabbinen Einfluß übten, darunter hochberühmte Gemeinden wie Stadtberge, Peckelsheim, Sulzbach rc. Und diese wollen Israels Gesetz reformiren und des jüdischen Volkes Jugend erneuen? Wahrlich, es ist kaum der Mühe werth, um dieser Synode willen auch nur ein Wort zu verlieren! Ihre Grundlage ist eitler Tand und ihre Auswüchse werden eitler Tand sein! Durch diese Synode wird Israels Glauben keine Hilfe werden. Und wie von der Kasseler Versammlung weder Thora noch Weisheit gekommen, so wird auch von der Leipziger Synode nicht ausgehen das Wort des Ewigen. „Das Präsidium der Kasseler Versammlung hat sich nicht mit der Berufung der Synode begnügt, es hat den Vorstand der isr. Gemeinde zu Leipzig veranlaßt, einen Gemeinde-Tag auszuschreiben, an welchem über nicht-religiöse Gemeinde-Angelegenheiten berathen werden soll. Synode auf Synode, Versammlung auf Versammlung! Vielleicht verfängt die zweite Lockspeise dort, wo die erste keine Wirkung gethan 'iw \sn -»Vis! „Jede Waffe, die wider Dich geschmiedet wird, wird nicht gelingen!" hat unö der Prophet Gottes verheißen „Jede Versammlung, deren Endzweck kein gottgefälliger, wird nicht Bestand haben." Unser Glaube ist ewig, unser Volk ist ewig, unser Gott ist ewig. Wenn die jüdische Nation bestanden in ihrer Kraft und Heiligkeit in den Tagen des Kummers und der Mühsal, in den Zeiten, da Mordschwert uckd Vernichtung uns bedrohten, so wird'sie sicherlich bestehen in der Gegenwart, da Israel wohnt inmitten unö freundlich gesinnter Nationen, unter dem Schirm edler Fürsten, die uns unserm Gotte dienen lassen nach unseres Herzens Wunsche, die da nicht verlangen, daß wir der Religion unserer Väter den Rücken kehren, wenn wir nur unsern Bürgerpflichten genügen. Und wie unsere Verfolger von Außen nicht unsere Religion zerstören konnten, so werden auch die aus unserer eigenen Mitte stammenden Religionsstürmer niemals ihren Zweck erreichen, und wie die früheren Rabbinerversammlungen spurlos vorübergegangen sind, so wird auch die Leipziger Synode und all die Pläne und Ränke ihrer Begründer verweht werden wie die Spreu vom Winde. „Eine religiöse Versammlung kann nur dann nützlich und dringlich fein, wenn ihr Endzweck ist, die etwa von den Stürmen der Zeit wankend gewordenen Säulen deö Gesetzes zu stützen — aber einreißen und zerstören, das kann jede Gemeinde, die vom Geiste des JrrthumS erfaßt ist, für sich, allein und bedarf dazu keiner Synvde. Da« Einreißen und Zerstören kommt leider von sich allein. Thut doch Jeder, was ihm gefällt, und dazu, daß auch künftig Jeder thue, was ihm gefällt, beruft man eine Synvde, um die Sünde zu sanctioniren und dem Abfall den Schein der Gesetzmäßigkeit zu verleihen? „Jedenfalls ist es eine erfteuliche Erscheinung, daß sich zu den verderblichen Grundsätzen derer, welche die Synode berufen, nur sechzig größtentheils kleine, unbedeutende Gemeinden bekennen. Es scheint in Deutschland um die Religiosität unserer Glaubensgenossen doch noch viel besser zu stehen als man im Allgemeinen geglaubt hat; die ungeheure Mehrzahl der Gemeinden hangt treu an ihrem Gotte und der Religion der Väter, und verschmäht es, sich mit den modernen Religionsverbesserern emzulassen. Wahrlich, das zu sehen, erfreut und tröstet uns." — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, im Mai. Am 7. Mai hielt in London unter dem Vorsitze des Grafen von Shaftesbury der „Verein zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden" (!) seine Jahresversammlung ab. ES genügt, um die Lächerlichkeit eines solchen Vereinszweckes zu bezeichnen, aus dem Geschäftsbericht hervorzuheben, daß die Einnahmen für das mit dem 31. März endende Vereins-Jahr die brumme von 419,004 Gulden und die Ausgaben 390,600 Gulden betrugen, angesichts vieler Personen, die in London, der Metropole, tagtäglich hungern; ja angesichts der Thatfache, daß in dieser Stadt noch immer Fälle von Hungertod Vorkommen! — Der Bericht meldet ferner, daß Herr Fladd (einer der von König Theodor gefangen gehaltenen, famosen Missionäre) bereit sei, nach Abeffynien zurückzukehren, und sein Werk von Neuem zu beginnen, sobald die Ordnung dort wieder so weit hergestellt ist, daß er dies „mit Sicherheit" thun könne. Herr Stern dagegen fühlt sich diesem Posten nicht mehr gewachsen, beabsichtigt vielmehr, jetzt auf seinen Lorbeeren auszuruhen. (Man rechnet, bemerkt die „Allg. Ztg.", daß jeder von diesem Vereine „bekehrte" Jude dieser Gesellschaft auf mindestens sechstausend Gulden zu stehen kommt!-) □ München, im Mai. Am 12. d. M. fanden allenthalben in Baiern die Urwahlen zum Larid-