Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1869)
- Date
- 1869-04-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447412--07157-2462745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 war, scheinen nicht vereinzelt bleiben zu wollen. AuS vielen Orten treffen hier Nachrichten von ähnlichen Austritten ein, und selbst hier in Lemberg gab es in den letzten Tagen Straßen-Excesse, welche denselben Character trugen und ein bewaffnetes Einschreitek der Sicherheits - Organe zur Folge hatten. Die Gazeta Nar. macht den Vorschlag, man möge Volksversammlungen berufen und in diesen den „Pöbel" über die Grundsätze rer Freiheit, der religiösen Toleranz u. s. w. belehren. Solche Mittel können vielleicht anderswo überall zweckmäßig sein, bei uns möchten solche Volksversammlungen das beste Mittel sein, um den „Pöbel" nur desto mehr gegen die Juden aufzureizen und Iudenhetzen im Großen zu organisiren. Aus wird folgender Vorfall berichtet: Auf dem Bahnhose in Brody hat letzten Samstag ein besonders frecher Raubanfall stattgefunden. Nachmittags war ein Zahlreiches Publikum auf dem Bahnhofe versammelt, welches den Fürsten Sapieha erwartete. Einem Arbeiter italienischer Nationalität stach der Perlenschmuck einer reichgekleideten Jüdin und die Sabbatmüze ihres Mannes besonders in die Augen. Er riß dem Letzteren die Kopfbedeckung herab und stürzte dann auf die Frau, um ihr die Perlen zu nehmen. Da die Frau mit beiden Händen ihre Perlenschnur festhielt, zog der Italiener ein Meffer hervor und schickte sich an, der Abwehrenden die Finger von den Händen buchstäblich abzuhauen. Die Jüdin, vom Blutverluste angegriffen, stürste bewußtlos zusammen und es gelang dabei dem Thäter, der Ohnmächtigen den Perlenschmuck sammt Sabbathaube vom Kopfe zu reißen. Aus JKagy-Kalna, Barser Comitat, wird folgende Wahlepisode berichtet: Auf dem Wege zum Wahlplatze wurde ein Jude von drei Wählern der Linken angehalten, die ihm mit ihren Knitteln einige Hiebe versetzten. Um seine Haut zu salviren, verstel der Jude auf den Gedanken, seine Angreifer zu fragen, wieviel sie verlangen, wenn sie ibn löslichen. „Dreißig Gulden," sagte der Eine. „Ich gebe Euch zehn," versetzte der Jude und zog eine Zehnerbanknote aus der Tasche. Den drei Männern gefiel dieser Handel, und sie ließen ihn ruhig weiter. Nachdem die Wahl vorüber war, erhielt das Nagv-Kalnaer Oberstuhlrichteramt Anzeige von dem Vorfall, untersuchte die Sache genau, und übergab die Schuldigen dem Comitatsgericht, von dem sie nun die verdiente Strafe gewärtigen. Frankreich. Herr Adolph Hinstin, Chef des Genie-Bataillons auf Martinique, wurde zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Paris In Frankreich werden, wie ein französtsches Blatt meldet, die jüdischen Soldaten dazu angehalten, der Mesie mitanzuwohnen. Ist das Gleichheit? fragt mit Recht jenes Blatt. Straßburg. Die Gemeinde zu Wintzenhek« (Haut-Rhin) mutz ihre Synagoge repariren und vergrößern; die Ausgaben für die projectirten Arbeiten sind beträchtlich; der Municipalrath wollte auch dazu beitragen und votirte mit Einstimmigkeit zu diesem Zwecke eine Summe von 8000 Fr. Feuilleton. ♦d'öj -rapp nr Di' (Nach Inhalt, Reim und Rhythmus.) Von Abraham Tenvlau. Bor allen Tagen nimm diesen in Acht! Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht! — Sechs Tage steh'n Dir zur Arbeit bereit, Der siebte sei Deinem Gotte geweiht, Den Sabbat halte in Heiligkeit, Am sechsten Tage war Alles vollbracht. — Vor allen Tagen nimm diesen in Acht! Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht! — Der heiligen Tage erster ist er, Der Sabbattag ist heilig und hehr, Erweise segnend bei'm Weine ihm Ehr', Und doppeltes Brod sei ihm dargebracht. — Vor allen Tagen nimm diesen in Acht! Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht? — Erweise ihm Ehre mit Speise und Trank, Und Gott wird geben, zum Lohn und zum Dank, Dein Brod und Dein Kleid Dir, voll und blank Und Manches auch noch, was Lust Dir macht. —- Vor allen Tagen nimm diesen in Acht! Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht! — So laß Dir nichts abgeh'n am Sabbattag, Und hast Du gehalten Dein volles Gelag,! So danke dem Herrn, der Alles vermag! Der Dich zum Lichte der Völker gemacht! — Vor allen Tagen nimm diesen in Acht!! Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht!! Die Himmel erzählen, wie herrlich Er ist! I Die Erde rufet: „Wie gnädig Du bist!" I Seht, Seine Hand erschuf was da ist! | Und fehllos hat Er Sein Werk vollbracht! I Bor allen Tagen nimm diesen in Acht! I Denn Gott hat ihn selber mit Ruhe bedacht! -A