Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1869)
- Date
- 1869-04-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Amerika. Aerv-Nork In New-Aork beabsichtigt matt ein neues jüdisches Hospital zu erbauen, welches 250,000 Dollar kosten soll. (Iew. M-ss.) Philadelphia. Der Präsident des 8v»rä ot Delegates, Herr Abraham Harft von hier, fordert in den Zeitungen die amerkanischen Juden zur Subscription von einem Dollar für den Bau einer Synagoge zu Madrid auf. Chicago. Herr vooliulo, Prediger in Chicago, rüher Missionär in China, gab in einer seiner letzten predigten die Mittheilung, daß er eS aufgegeben, die »iesigen Juden zum Christenthume zu bekehren. ES bedürfe, sagte er, 10 Jahre Arbeit und 50,000 Dollar, um einen der Nachkommen Abrahams für das Christenthum zu gewinnen, und unter 1000 Fallen ist kaum Einer, der nicht wieder zurückkehrt und im Glauben seiner Väter stirbt. (Chicago News.) $ e u i l i e t o n. Unmöglich. S echszehntes Capitel.*) Z»te KetmKehr. Louise fühlte sich seit dem Besuche des Rabbiners von B. sehr beunruhigt; auch der Brief an ihren Vater hatte die Stimme ihres Gewissens nicht zu beschwichtigen vermocht; sie kannte ihren Vater und wußte, mit welcher Halsstarrigkeit derselbe auf einer einmal gefaßten Meinung bestand. Sie beschloß, mit ihrem Sohne das Grab zu besuchen, das man für das ihres Gatten hielt und dort zu Gott um Erleuchtung zu beten. Ms sie den weihevollen Ort, das Haus des Lebens nennt ihn der Jude, betrat, überkam es sie ganz wunderbar. Ach, es ist etwas Eigentümliches um ein Todtenfeld. Der Mensch fühlt dort die Vergänglichkeit mehr denn irgendwo. All die vielen Menschen, die hier gebettet sind, wie haben sie gestrebt und gerungen im Leben, gehaßt und geliebt, gehofft und gefürchtet — und nun? Nun hat die Liebe und der Haß ein Ende, nun ist die Habsucht gestillt mit einer Hand voll Erde, und der Ehrgeiz muß sich mit vier Brettern .. *) In der vorigen Nummer «olle man statt „vierzehntes" fünfzehntes Capttel lesen. und zwei Brettchen begnügen. Ist doch hier das Endziel alles irdischen Lebens — soll man nach diesem Orte Vergehungen mitnehmen? Wie wird der sündige Mensch da bestehen können am Tage des Gerichts. Louise wurde sehr weich gestimmt; als sie nun daS Grab erblickte, das für das ihres Mannes galt und daneben dasjenige ihres Schwiegervaters, da strömten ihre Thränen. Lange stand sie stumm dort, keines Wortes mächtig, während ihr Söhnchen sich auf dem Rasen tummelte, den Schmetterlingen nachjagend. Endlich fand Louise Worte heißen, innigen Gebetes. „Allbarmherziger," sprach sie schluchzend, „o, erleuchte Du mich und führe mich den rechten Weg! Wie waren doch unsere Voreltern so glücklich, die in schwierigen Lagen des Lebens nicht zu bangen und nicht zu schwanken brauchten, die ohne Zweifel und Zagen den Aussprüchen der weisen Lehrer folgten! Ach, heutzutage wird Alles in Zweifel gezogen und der Unglückliche, dem Du, Gott, so schwere Wahl auferlegst, weiß nicht, wie er sich zu verhalten hat, wem er folgen soll. Ach, sei Du, o Gott, mein Stab und meine Stütze, mein Hort und mein Erretter! Laß mich die Wahrheit erkennen, ob der Staub, der unter diesem Rasen ruht, der meines unglücklichen Gatten ist oder nicht. Gib mir ein Zeichen, allbarmherziger Gott, woran ich die Wahrheit erkenne!" Sie sah sich auf dem Friedhofe um; da spielte unschuldsvoll ihr Söhnchen; es hatte soeben einen buntfarbigen Schmetterling gefangen und hielt ihn triumphirend an den Flügeln. Louise sah es und sprach: „Man hat mir als Kind gesagt, daß der Schmetterling das Symbol der Unsterblichkeit sei. Wie die Raupe an der Erde dahinkreucht, so wandte auf Erden der Mensch; wie die Raupe sich verpuppt und dann starr und regungslos liegt, so ruhe im Grabe der Todte; wie aber die Puppe aufbricht und der beflügelte Schmetterling sich in die Lüfte schwingt, also werden die Gräber sich öffnen und emporsteigen wird der Geist zu Gott, der ihn gegeben, um zu empfangen Lohn oder Strafe. Und ich sollte um irdischer Dinge willen sündigen gegen Gottes Gebot? Ach, Eduard, Eduard, warum hast Du mich verlassen? Liegst Du dort tief unten gebettet oder athmest Du noch die freie Luft und wirst wiederkehren zu Deinem Weibe, Deinem Kinde? Und wenn Du nun wiederkehrst und findest mich nicht so wie Du mich verlassen, findest mich als das Weib eines Andern? Was dann, was dann? Nein, ich will nicht, ich bleibe Dir tteu, mein Eduard, magst Du wiederkehren oder nicht, mag mein ' Vater zu- oder abreden! Gott hat mir in dem Schmetterling, dem Symbol der Unsterblichkeit, ein Zeichen gesandt — ich bleibe treu dem Gatten meiner Jugend, mag er schon gestorben sein oder noch unter den Lej benden weilen!"