Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1869)
- Date
- 1869-04-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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274 ließ mich der Rabbiner rufen 'm seine Wohnung; bei seinem Kaffeetrinken eELrte er mir , daß Rosenbaum ihm gesagt hatte, ich hätte heute, am Samstag, geschrieben, wobei er mir sogleich mein Urtheil verkündete. Ich gab ihm zur Antwort, er sollte machen, was er wollte, eine Arrest-Strafe glaubte ich, könne er mir nicht geben. Ich weiß wirklich nicht, liebe Mitbürger, ob ich eine Sünde begangen habe, denn wrr haben so viele zu beobachten, daß auch einmal, eine vergessen wird, besonders bei einem Manne wie ich, der Nahrungssorgen und seine Kunden (!) zufrieden zu stellen hat und sich nicht in der Gallerie Herumtreiben kann und den Leuten ihr Unglück abwarten, sondern früh und spät arbeiten muß. Am 29. Morgens 6 Uhr wurde das Urtheil verkündet an einer Tafel, die an der Thüre in der Synagoge hängt. Dasselbe lautet, daß ich den heiligen Sabbath und Festtag entweiht, weshalb alles von mir geschlachtete Fleisch (!) religiösgesetzlich (?) als tres e erklärt und vor dessen Ankauf gewarnt wird. Der hiesige „Judenschächter" ist angewiesen, auf Verlangen mir zwar zu schlachten, es ist ihm aber strengstens untersagt, die religiös gesetzlich nothwendige Untersuchung zu nehmen. Die Beurtheilung dieses ganzen Falles überlasse ich meinen Freunden und Mitbürgern. — Homburg, 29. Mär; 1869. M. Marx, Metzgermeister." Wir müssen gestehen, eine größere Frechheit als diese „interessante Ansprache" eines jüdischen Metzgermeisters ist uns noch niemals vorgekommen. Also dieser ytna rühmt sich öffentlich in der Zeitung, daß er am 27. März, d. r. am ersten Tage des Peßachfeftes, der wie bekannt, auf einen Sabbat siel, öffentlich den Sabbat und den Festtag entweihet habe; er behauptet ferner, er wisse nicht, ob er dadurch eine Sünde begangen, denn er habe so viele (Sünden) zu beobachten, daß auch einmal eine vergeffen wird. Aber noch nicht genug des Frevels! dieser Mensch beschwert sich noch, ßdaß man ihm in religiöser Beziehung kein Zutrauen mehr schenken will, daß der Rabbiner das von diesem Sabbatentweiher zum Verkauf gebotene Fleffch für „trese" erkärt?! Dabei will dieser Mensch auch noch Denjenigen verdächtigen, der pflichtgemäß das unerhörte Gebahren des Herrn Metzgermeisters zur Anzeige gebracht, während er doch selbst von vornherein seine schwere, muthwillige Sabbatverketzung zugesteht! Und nun kömmt gar das „Franks. Journal", nennt das Vorgehen des Rabbinen von Homburg eine jüdische Bannbulle, behauptet, daß hier wg. „Frömmigkeit" und blinde Intoleranz Hand in Hand gehen. Wahrlich, der Haß gegen die positiven Religionen ist heutzutage so groß, daß derselbe die Leute um ihren Verstand und um die Fähigkeit, logisch zu denken, bringt. Ein jüdischer Fleischverkäufer verletzt öffentlich den Sabbat. Nach jüdischem Religionsgesetze hak er in Folge-dessen in Bezug auf dieses Religionsgesetz jeden Anspruch aus Vertrauen eingebüßt. Was ist natürlicher, als daß der Rabbiner, der dazu bestellt ist, über die Beobachtung und richtige Handhabung des Religionsgesetzes zu wachen, davon seiner Gemeinde Mittheilung macht? Und das nennt man „Bannbulle", „blinde Intoleranz!" O, so fragt doch einmal Eure „fortgeschrittensten" Rabbinen, die Stein, Geiger rc„ ob der Rabbiner von Homburg nicht vollkommen correct gehandelt hat? Jeder, der nur ein Fünkchen Menschenverstandes hat, muß das zugestehen. Aber was kümmert die modernen Religionshasser der gesunde Menschenverstand, wenn sie nur auf die Vertreter der positiven Richtungen — gleichviel, ob Juden oder Christen, — schimpfen können? Dem Herrn Rabbinen von Homburg aber gereicht das Ganze nur zur Ehre. Zum 201. Male ist am heutigen Tage der große Sonnencyclus von je 28 Jahren vollendet worden. Was hat die Sonne — mono nnw pru — nicht schon Alles geschaut in diesem großen Zeiträume von 5628 Jahren? Sie hat Abraham kämpfen sehen, einen einzigen Mann, gegen eine ganze götzendienerische Welt, sie hat geleuchtet, als Gott Seine Thora vom Sinai herab gegeben, sie hat unser Volk wandern sehen in die Verbannung zu Noth> Elend und Verfolgung, sie hat viel des Frevels, aber auch gar manches heldenmüthige Martyrium geschaut, — sie leuchtet und wärmt heute, wie am Schöpfungstage, und ebenso leuchtet und wärmt unsere Gottgeoffenbarte Religion. Große, mächtige Völker sind erstanden und verschwunden; aber Israel und seine Thora ist gehlleben, wird bleiben, solange die Zonne leuchtet, wird bleiben, selbst wenn der Sonnenball nicht mehr leuchtet, dann wird Gottes Majestät uns leuchten und seine Frommen beglücken O'yssn, psn D\mi jdiv dj*m „dann werden die Sünden verschwinden von der Erde und Herr Metzgermeister M. Marx und dessen Helfershelfer nicht mehr da sein." Jüdische Literaturbriefe. Von Gustav Karpeles. I. Wenn Sie, verehrter Freund, mich auffordern, über den gegenwärtigen Stand der Dinge in unserer kleinen literarischen Republik, Ihnen genügende Auskunft zu geben, so setzt mich das einigermaßen in Verlegenheit. Denn die erste Anforderung, die an jeden Literarhistoriker gestellt werden muß, ist' die strengste Objectivität, die entschiedenste Unparteilichkeit. Diese Anforderung — ich gestehe es offen — kann ich bei meinen Besprechungen über die jüdische Liter« Mist dersel Lag«, Zinn strenx tivitä! lassen Punkt« schein, thum stuvlic Stant verdar wäre, eines : ganger meinen der P wissen Chome jüngste Sauer! her ein der die unl wo Iwi, *) Da trpzig, I.