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Der Israelit · 1869-03-24 · Heft 12-13 (24.3.1869) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 12-13 (24.3.1869)
Date
1869-03-24
Page
– (sequence 26)
Language
German
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wÄchdC unsere Finanzen in so erheblichem Maße in Anspruch nimmt, ein Tempel werden, in dem wir Gott inder uns gewohnten, durch hundertjährigen Gebrauch geheiligten Weise werden anbeten können, ohne unserem Gewissen und unseren Anschauungen Zwang anthun zu müssen? „Zu unserem tiefen Bedauern müssen wir diese Frage in einem Sinne beantworten, welcher uns große Besorgnisse einflößt. Der Synagogenbau wurde von unseren Vertretern unter der Bedingung beschlossen, baß die Bestimmung über den in dem neuen Tempel herzustellenden Cultus bis zur Vollendung des Baues osten und nach keiner Seite hin entschieden werden soll. Indessen ist, wie allgemein bekannt, die Orgelsrage einseitig bereits faktisch gelöst; eS ist sowohl der Platz zur Aufstellung dieses Instruments im Synagogenraum reservirt, als auch die Anfertigung desselben in Auftrag gegeben worden." „Mit der Einführung der Orgel, gegen deren Gebrauch in den Synagogen sich wiederholt und energisch stimmberechtigte Capacitäten geäußert haben, ist aber die CultuSfrage in einer Richtung entschieden worden, die in uns gerechtes Mißtrauen erweckt. ES durchläuft außerdem unsere Gemeinde das offene Geheimniß, daß die hierorts in der Synagoge „zum Storch" eingeführte Cultusordnung in die neue Gemeinde-Synagoge übertragen werden soll. Wenn dabei von Modificationen die Rede ist, so geht deren Tendenz dahin, noch den letzten Rest hebräischer Gebete in deutsche umzuwandeln. „Wenn der Cultus für den neuen Tempel nun in dieser Weise ohne Anhörung competenter Urtheile festgestellt werden soll, so fürchten wir einst einer vollendeten Thatsache gegenüberzustehen, welche unsere religiöse Ueberzeugung auf das Tiefste verletzt. Um uns nun, die wir gleiche Lasten tragen, auch gleiche Rechte zu wahren, um insbesondere auch unsere Ansichten über den Gottesdienst bei der Einführung des Cultus in der neu erbauten Synagoge geltend zu machen, wollen wir in Kürze diejenigen Punkte bezeichnen, welche uns als unerläßliche Bedingnisie erscheinen und über welche wir jetzt, wo es noch Zeit ist, völlige Klarheit verlangen müssen." „Wir billigen die Bestrebungen der neueren Zeit nach einer dem ästhetischen Sinne zusagenden Form des Gottesdienstes, welche die Würde desselben hebt. Allein wir stnden nicht, daß die Orgelmusik unsere Andacht im Gotteshause erhöht oder stärkt. So lange also die Bedenken nicht beseitigt sind, welche von competenter Sette dagegen erhöhen Wochen, so lagge köntten wir die Einführung der Orgel nscht genehmigen." „Auch wir (!) sind für die Kürzung desjenigm Gebesstoffes, der sich in der nachtalmudischm Zett angesammelt hat; insbesondere sind wir für den Wegfall dunkler (?) Pijutim. Wir wollen aber nicht unsere allen, Herz und Geist gleich erwärmenden Gebete verflüchtigen lassen in kühle, der Form allein Rechnung tragende Worte ohne tiefern Sinn." „Aus ^diesem Grunde rührt unsere Abneigung gegen die in der Synagoge „zum Storch" eingeführte Gebetordnung her, die wir als dem Iudenthum durchaus widersprechend verwerflich finden." „Wir verlangen also, daß in der neuen Gemeinde- Synagoge : 1) von der Einführung der Orgel Abstand genommen wird. 2) die hebräische Sprache berbehalten werde; sie ist für uns zugleich das Band, welches unS mit unserer großen Vergangenheit und mit unseren Glaubensgenossen auf dem weiten Erdenrund innig verknüpft; für die dieser Sprache Unkundigen ist durch Uebersetzung der Gebete gesorgt und 3) daß das Gebet in seinem substantiellen Theile nicht geändert werden soll. „Wir richten daher an die verehrlichen Gemeinde- Vorstände die ergebene Bitte, in dem einen oder d«n anderen Sinne uns eine definitive Antwort über diese Punkte innerhalb vier Wochen zugehen zu lassen; u«S entweder offen zu sagen, daß unsere Forderungen unberücksichtigt bleiben werden, oder, was wir aufrichtig wünschen, uns den Inhalt derselben zu garantiren. Vor Allem aber müssen wir um eine entscheidende Beantwortung im Interesse der Gemeinde bitten. „Für den Fall nun, daß unsere Forderungen abgelehnt werden sollten, sind wir fest entschlossen, weitere Schritte zur Wahrung unserer gefährdeten.Interessen einzuleiten. „Wir lieben den Frieden und wollen die Gemeinde nicht durch ein Schisma trennen. Aber mit dem Aufgeben unserer religiösen, in uns tiefwurzelnden Ueberzeugung wäre uns dieser Friede zu theuer erkauft." Breslau, 3. Februar 1869." Dieser Tage verlieh Ihr bisheriger Breslauer Correspondent, Herr Gustav Karpeleö, Breslau für immer. Wie viel er theils durch Beförderung orthodoxer Interessen in dieser Stadt, theils durch seine interessanten Mittheilungen im „Israelit" für da« Iudenthum geleistet, braucht ich nicht erst zu erwähnen. Für mich wird es die schönste Belohnung sein, wenn ich als Ihr hiesiger Correspondent ihn würdig werde ersetzen können. Adolf Ko Hut. ANZEIGEN. fjKtn Lehrer und Vorsänger sucht bis 1. Juni dieses! bescheiden. Franco - Offerten unter Nr. 284 besorgt H Jahres in einer Gemeinde einen Dienst. Ansprüche I die Exped. d. Bl.

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