Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1869)
- Date
- 1869-03-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Ein von Herrn Oberndörffer [x. übernommener Vermögensstand aus dem Vorjahre (1867) von st. 1405. 31 kr. Subscribirte Beiträge der Mitglieder „ 3818. — „ Spenden . » 122. 24 „ Einnahme aus Staatseffecten . „ 583. 25^ „ Summa st. 5929. 20 kr. Die Ausgaben: Geldgeschenke an Arme . . st. 3957. 18 kr. 8T*:::::: m £I Für Staatspapiere . . . „ 1085. 56 „ Summa st. 5631. 7 kr. Es bleibt somit ein Baarrest für das laufende Jahr im Betrage von 298 fl. 13 kr. Die Leitung dieses Vereines war also ebenso wie im vorigen Jahre eine vorzügliche, und verdient selbst der Ausschußbericht alle Anerkennung, die ihm hiemit unserseits auch ausgesprochen sei. Hamburg. Ein junges Justitut in unsrer Gemeinde ist scheinbar seiner Auflösung nahe. Es ist dieses die höhere Bürgerschule für israelitische Knaben, ein Institut, welches vor 10 Jahren mit vieler Mühe und ^bedeutendem Geldopfer gegründet wurde, und zwar aus der edlen Absicht den jüdischen Kindern eine Stätte zu schaffen, wo sie neben zeitgemäßer Bildung auch eine echt religiöse Erziehung genießen und nicht, wie bis dahin, in christlichen Schulen ihr jugendliches, für Alles!«icht empfängliches Alter verleben. Es gelang den Gründern der Anstalt tüchtige Kräfte bald bei der Eröffnung derselben zu gewinnen, und in kurzer Zeit erwarb sich das junge Institut Vertrauen in der Gemeinde. Besonders wuchs die Schülerzahl von Jahr zu Jahr unter der sorgfältigen Leitung des Herrn vr. Koref aus Prag, der seit fast 8 Jahren der Schule als Director bevorsteht, eines Mannes von echter Religiosität, ausgebreiteten Kenntnissen in Literatur und Sprachen, und von tüchtigem, talmudischem Wissen. Mit Liebe und Eifer widmete er sich der Anstalt, und mit größter Uneigennützigkeit unterrichtete er an jedem nzup selbst die bereits entlassenen Schüler der Anstalt zweistündlich in V'Jn. Unter diesen Umständen erwartete man, daß die Schule ungestört fortbestehen werde; jedoch haben die neueren Verhältnisse die Aussicht hierzu bedeutend herabgedrückt. Die Sucht der Eltern, den Kindern die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienst zu verschaffen, hat der Schule sehr viele Schüler entzogen; da bisher hier nur der Realschule allein diese Berechtigung zu Theil wurde, daher auch die meisten Eltern ihre Kinder in diese Schule schicken. Bei diesem veränderten Verhältnisse bat das Sckulconnte auf sreundschafliche Weise seine Verpflichtung gegen vr. Koref gelöst und gedenkt provisorisch die Leitung der Anstalt selbst zu übernehmen. Wie wir hören, ist vr. Koref entschlossen vom Lehrerfache zurückzutreten und sich um eine RabbinatS- Stelle zu bewerben. Herr vr. Koref ist, abgesehen von seiner pädagogischen Befähigung als Leiter einer Schule, auch ein guter Redner. B. C. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Im Unterrichtsministerium ist man gegenwärtig damit beschäftigt die Ausführungsbestimmungen zum Artikel XV des Staatsgrundgesetzes, namentlich insoweit sich dieselben auf die Israeliten beziehen, zu entwerfen. Artikel XV normirt, daß jede gesetzlich anerkannte Kirche und Religionsgesellschaft.das Recht der gemeinsamen öffentlichen Religionsübung habe, daß ste ihre innern Angelegenheiten selbstständig verwalte und ordne rc. rc. Ueber die Art dieser Ausführungsbestimmungen, besonders aber über den Modus, wie diese Vorlagen vor die Legislative gelangen sollen, ist noch nichts Entschiedendes bestimmt. Zur Einberufung einer israelitischen Conferenz ist das Beispiel in Pesth gewiß nicht ermunternd, doch werden Vertrauensmänner aus den Provinzen, denen man genaue Kenntnisse der Verhältnisse zumuthen darf, bei Abfassung der betreffenden Entwürfe, die übrigens nach den einzelnen Kronländern verschieden sein werden, zu Rathe gezogen werden. Spanien. Madrid, 11. Febr. Die Eröffnnng des Cortes fand in feierlicher Weise statt. Serrano sagte in seiner Ansprache: Nach Zertrümmerung der alten Fesseln seien die Volksvertreter berufen, ein neues Staatsgebäude aufzufübren. Die Finanzlage sei zwar schwierig, doch hoffe die Regierung, daß die Cortes durch tiefgreifende Reformen der Staatsadministration Abhilfe schaffen werden. Sie hoffe ferner, daß die Cortes die regterungsseilig proclamirte Religions-, Preß- und UnterrichtSfreiheitJ und das Versammlungsrecht sicherstellen werden. Die Sclaverei solle abgeschafft werden, doch, ohne Ueberstürzung und ohne Gefährdung der Wohlfahrt der Antillen. Die auswärtigen Beziehungen seien befriedigend und mit einigen Staaten intimer geworden. England. Lsndsn, 16. Febr. Die Liberalen in der City haben sich bereits vorläufig geeinigt, den bei der letzten Wahl vorgeschlagenen Baron Rothschild jetzt, wo sein conservativer Gegner Bell mit Tod abgegangen ist, wieder als Candidaten aufzustellen. Sobald ein in den nächsten Tagen zu berufendes liberales Meeting der City öffentlich diesem Beschlüsse Ausdruck gegeben haben wird, werden ohne Zweifel die Tories ihre ver-j gebliche Opposition aufgeben *) *) Siehe Hauptblatt.