Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1869)
- Date
- 1869-03-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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r m WÄchM der Unterricht ertheilt wird und in welchen Lehdev üttd Schüler wohnen. Es ist wünschens werth, daß Viefe großartige Anstalt ausreichende Unterstützung Me. - Ä nt e r i t a. St. KvMeiSeo Die Ackerbaugesellschüst des Staates Calisornien hat unserm Glaubensgenossen Herrn 8. Landsberger in San Francisco als Auszeichnung ob seiner Leistungen in der WeincultUr eine goldene Medaille verliehen. Asien. Teheran Der Schach von Persien läßt gegetzettwärkiß die erste Eisenbahn in seinem Lande er- VktuM. Ein Jude, Namens Salomon, also ein Mitglied desjenigen Volkes, das in Persien die schrecklichsten' Verfolgungen zu erdulden hat, ist der Unternehmeder Eisenbahn. . tn - i .. nrt- .. ———... i in . i Feuilletons Unmöglich. Zehntes Capitel. Aas ZSegrLVniß. Eine zahlreiche Menschenmenge war am Bahnhofe versammelt, als der Eisenbahnzug die Leiche nach N. brachte; man wollte dem Tobten die letzte Ehre erweisen, denn das unglückliche Geschick Eduards hatte in den weitesten Kreisen die größte Theilnahme erregt. Auch Louisens Vater kam fast gleichzeitig mit der Leiche von einer anderen Richtung her in N. an; der Telegraph hatte ihn herbeigerufen. Auch der Rabbiner von B., den wir am Anfänge unserer Erzählung kenneu lernten, hatte sich eingefunden; er drückte dem Bcmqmer Ahrens stumm die Hand. Dann nahm er ihn bei Seite und sagte: „Herr Ahrens, ich habe etwas Wichtiges mit Ihnen zu besprechen." „Lieber Freund," entgegnete Louisens Vater, „hat das nicht Zeit bis nach diesem traurigen Leichenbegängnisse?" „Nein," sprach der Rabbiner eifrig, „es duldet das gar keinen Aufschub. Sehen Sie, das Gericht hat die geländete Leiche für die Ihres Schwiegersohnes erklärt." „„Nun, wasdenn noch?"" „Das jüdische Religionögesetz verlangt mehr als das; es muß vor einem jüdischen Beth Din die Sache untersucht und von diesem ein Verbiet abgegeben werden, ehe der Sohn des Vermißten Kaddisch sagen, ehe sein Weib sich wieder virheiräthen darf!" „Hegen Sie Zweifel, Herr Rabbiner?" „„Ich kann das nicht sagen — allein, es ist dem Gesetze nicht Genüge' geschehen, und Ihre Tochter wird nicht eher heirathen dürfen, bis so gethan ist worden, wie ich gesägt habe."" „Und was verlangen Sie?" „„Daß der Sarg geöffnet, die Identität unzweifelhaft festgestellt, die Beweise geprüft, die Zeugen, die ihn bald nach der Landung gesehen, vernommen werden!" „Und das Leichenbegängniß, zu dem sich tausend Menschen eingefunden, sollte solange verzögert werden? Nimmermehr!" „Ich beschwöre Sie, Herr Ahrens, verfahren Sie nicht leichtsinnig! Ihre Tochter zählt erst 26 Jahre!" „„Gut denn; ich will mit Ihnen zu meiner Tochter fahren — sie soll entscheiden."" Während der Leichenzug sich langsam und feierlich durch die Straßen der Stadt dem ziemlich weit vom Bahnhofe entfernt gelegenen israelitischen Friedhofe zubewegte, fuhren Ahrens und der Rabbiner von B. nach Louisens Wohnung. Es war ein herzzerreißendes Wiedersehen zwischen Vater und Tochter; doch hatte man nicht lange Zeit, sich den Ausbrüchen des Schmerzes hinzugeben. Der Banquier sprach von dem Verlangen des Rabbinen. Louise wehrte mit beiden Händen ab. „O, nicht doch, nicht doch," rief sie, „nur das nicht; mir verursacht eine solche Voraussetzung den furchtbarsten Schmerz." „Meine Tochter," sagte der Rabbiner sanft, „Sie sind noch jung, und die Zeit lindert jeden Schmerz!" „„Den weinigen nie!"" rief Louise entschieden. „Sie hören es!" sagte der alte AhrenS zu dem Rabbinen, „verlieren wir keine Zeit. Wir müssen eilen, uns dem Leichenzuge wieder anzuschließen 1" Als sie wieder im Wagen saßen, sagte der Rabbiner : „Ihre Frau Tochter befindet sich jetzt in einem unzurechnungsfähigen Zustande; wenn sie zur Vernunft kommen wird...." ,,„O, hören Sie auf!" unterbrach ihn AhtdnS; „„ich bin froh, daß die Leiche gefunden, und Sie wollen aufs Neue Ungewißheit in die Sache bringen! Es ist ja unmöglich, daß ein Anderer Eduards Rock und Portemonnaie bekommen haben könne!"". In diesem Augenblicke hatte man den Lerchenzug erreicht, der bald am Friedhofe anhielt. 'Andächtig lauschte die zahlreich versammelte Menge den ergreifenden Worten des die Leichenrede haltenden Dr. I. Der Redner schilderte zuerst die Schönheit der im herrlichsten Frühlingsschmucke prangenden Natur.