Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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128 ES ist in dieser Stelle allerdings noch nicht von einer Taubenpost in des Wortes engster Bedeutung die Rede; Salomo wird hier auch als Beherrscher der Lhierwelt gedacht und kraft seiner Machtvollkommenheit gebietet er dem genannten Vogel, der überhaupt in der späteren Agada eine große Rolle spielt, der Bote seines Willens zu sein. Jedenfalls liegt aber d»r ganzen Darstellung der Gedanke zu Gründe, daß man sich der Vögel als Ueberträger von Briefen bedienen kann, eine Vorstellung, die jedenfalls der schon bestebenden und im Eebrauü gewesenen Taubenpost entnommen ist. Da wir nun aber das Bestehen und daö Bekanntsein der Taubenpost in älterer Zeit als evident bewiesen annehmen können, so erhalten wir Licht über einen Ausdruck, dem wir bloß am Anfang des Midr. Esther begegnen. Da von den Briefen, die Homan in die Provinzen des persischen Reiches sendete, die Einwohner zur Niedermetzelung der Juden aufiordernd, die Rede ist, lesen wir: prnie corontt' nypa, eine Bezeichnung, die als term. teodn. für das Unterwegssein der Briese gebraucht, gewiß aus einer Anschauung, welche die Taubenpost bereits kennt, hervorgegangen ist. Die erstgenannte Stelle aus dem Targum Scheni und die folgende aus dem Midr. Esther sind die ältesten Quellen in der gesommten Literatur, die auf die Bekanntschaft mit der Taubenpost Hinweisen. Es wird jedoch aber auck nicht ohne Interesse sein, die übrigen jüngeren Quellen kennen zu lernen, die der Taubenpost Erwähnung thun. Zu Ps. 55, 7: „Wer gäbe mir Flügel wie die Taube u. s. w." bemerkt Iben Eöra, daß deshalb das Bild der Taube gewählt sei, weil die Könige durch diese ihre Briefe schicken: Qy 'vw mr *v2tm onvirD do1;cn vm1 ncyi di« »ja. Ausführlicher beschreibt das Wesen der Taubenpost Kimchi zu Gm 8, 7. (rrirn vy p"-"“i ed. Ginzburg. Preßb. 42). Zu dem Vers, daß Noah die Taube ausschickte, um zu sehen, ob das Wasser abgenommen, bemerkt derselbe, daß die Taube den Instinkt besitze, in ihr Nest wieder zurückzukehren, und es daher der Gebrauch der Könige sei, Tauben zu Hause zu züchlln, sie nach weit entfernten Gegenden zu senden und Briefe an deren Flügel zu befestigen, daß dieselben mit der Antwort zu dem Sendenden zurücktehren, welche der Empfänger ihnen anknüpft, v' DJ nd-ud oobcn ruo pi nap nai»n yac rn rpB333 aro pisopi D’p'rrn mcipoa rikidlpdt omaa m&aaa nm« nai»rn anaa .induv d« rot? «vn ONd 'v DJ. Hieran knüpft Kimchi eine recht treffliche Erklärung einer Talmudstelle, die er im Namen der Geonim N'sia m’op «nu« nrni «na nn?> nru «na ... rnri' Dnpi eine, anführt. In Tract. Sabbath f. 49 a lesen wir nämlich, daß Israel der Taube zu vergleichen sei, weil es durch feine Gebote geschützt sei, wie diese durch ihre Flügel, st« n^y nnwa rui’ nö jn^y dj’JD man). Es ist allerdings auffallend, was das beißen soll, daß die Taube durch ihre Flügel geschützt sei. Raschlls Erklärung, daß die Taube durch ihre Flügel vor Frost geschützt sei, und sie mit diesen die sie bekämpfenden Vögel abwehre, scheint nickt ganz zutreffend zu sein. Jedoch die von Kimchi im Namen der Geonim angeführte Erklärung scheint das Richtige zu geben. Da man die Tauben, so lautet dieselbe, zu Botendiensten gebrauchen könne, und sie immer richtig wiederkehrt, deshalb schlacktet man sie nicht gern, läßt sie am Leben und schont sie; die Dienste, die ihre Flügel verrichten, dienen ihr also zum Schutz. Wo sich diese Stelle in den Schriften der Geonim befindet, ist mir nicht bekannt, aber jedenfalls besitzen wir in der selben eine alte Quelle für die Taubenpost. Es muß auch hier einer Briesbeförderung durch Hirschkühe Erwähnung gethan werden, von welcher Nochmanidks berichtet. Zu Gen. 49, 21 bemerkt derselbe: „Unter den Herrschern herrscht die Sitte, sich einander Hirschkühe zuzuschicken und damit verhalle cs sich folgendermaßen: Hirschkühe, die im Gebiete des einen Königs geboren sind, werden in den Gärten des andern großgezogen, man bedient derselben sich alsdann als Post, indem an die Hörner drs ThiereS Briefe geknüpft worden, welche dasselbe, in Freiheit gesetzt, an den Ort seiner Geburt hinträgt." (Jrua m^«n »a pjyn *pi d^’« rP n? mPtP1? p« Ottnoa zun ite'iro imN* pssn stdv ps*a npuw .uiyo* 3ijern nno pnn «*m nmpa mußon aoa nrp»? tna n»am), Nachmanides setzt dieses Verfahren als ganz bekannt voraus, indem er yrr «im hinzumgt und citirt dazu eine Stelle aus dem Talmud jer., in welcher auch von der Eigenschaft dieser Thiere, die Heimath nach vielen Jahren noch wieder aufzufinden, die Rede ist. Nebenbei sei noch bemerkt, daß diese Erklärung, die uns Nachm, gibt, sehr viel für sich hat. Sehen wir uns nämlich die Segenssprüche Jacobs genau an, so finden wir immer, daß bei dem Vergleich mit den Thieren, dasselbe bis ans Ende ausgeführt ist. Jiffachar mit dem last tragenden Esel, Dan mit der verwundenden Schlange, Benjamin mit dem reißenden Wolf, nur bei Napthali vermissen wir das Treffende, wenn der Vergleich nur auf die Schnellfüßigkeit sich beziehen soll; das Bild scheint durch das -istp ne«;njn gestört, es muß uns wie ein Bild im Bilde erscheinen, da doch das Botschaftbringen, oberflächlich angesehen, nicht als Eigenschaft der Hindin gedacht wird. Nach der Darstellung aber, die Nachmanides gibt, ist diese Schwierigkeit trefflich gehoben. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.