Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447395-2447401--06874-2462451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 v SB I hochgelahrt das Amt in Schutz nahm*). Höchst naiv, § da ein Rathsherr, Herr Moritz Diener den Nagel | auf den Kopf traf und frisch, fromm, frei, froh ded cretirte, ein Rabbiner sei in unserer Zeit etwas ganz J Ueberflüssiges und könnte ganz gut in die rrpo gewor- I fen, wollte sagen mitsammt der mpa hinausgeworfen jjj werden. Ihre Leser sehen also, welcher „Muth" im | Kopfe (?) dieser hohen Herren herrscht, und daß man sich | bei Manchem auf das Aeußerste gefaßt machen muß. '' In der Tbat muß tiefer Kummer das Herz eines je- , || den Jchudi erfüllen, wenn in einem israelitischen Congrefse so schnöde, schmähliche Niedertracht siär ungen' straft geltend machen darf; wie berechtigt ist daher die Besorgniß vor Vergewaltigung und vor Schädii gung unserer heiligen wenn solche Menschen h zu Wortführern in confessionellen Angelegenheiten ge- 7 wählt werden. — Aus der Commission für Wahlstatut und Hausi ordnung künftiger Congresse ist auch bis heute sehr wenig zu referiren. Da die Commission ziemlich gegenstandslos ist, hielt dieselbe noch sehr wenige Sitzungen und wartet eben das Einlaufen der Materialien zur Statistik ab, wozu sie in ihrem, in der vorigen Woche in der einzigen Plenarsitzung des Congresses erstatteten Berichte die einzelnen Deputirten aufforderte. UebrigenS ist aus den Commissionen nur noch zu erwähnen, daß das von der Scbulcommission entsendete Subcomite den Entwurf für Volksschulen beendet hat. 1 In der am 21. d. abgehaltenen Congreßsitzung kam f wenig BemerkenswertheS vor. Eine Anzahl von Ge- ' meinden reichten Petitionen um Subvention ihrer Schule ein, die Verificationscommission berichtete die Erledigung sämmtlicher Rückstände, nach welcher alle bis aus zwei, wo eine Untersuchungscommission be- - schlossen wurde, verifizirt wurden. Eine schon früher unter den Deputirten bekannte, zur Beruhigung der öffentlichen Meinung angebrachte Interpellation eines Deputirten verlangte Aufschluß über die bisherige Thätigkeit der Commissionen; in Folge deren der oben erwähnte Bericht der letztgenannten Commission verlesen, vom Präses der Schulcommission die erfreuliche Einmüthigkeit in letzteren und die dadurch zufriedenstellenden bisher erreichten Resultate hervorgehoben, und vom Schriftführer in der Gemeindecommission für die ersten Tage der nächsten Wochen die Vorlage des Gemeindestatuts-EntwurfeS in Aussicht gestellt wurde. Daß letzteres sich von Tag zu Tag verzögert, indem in Folge der Nichterfüllung dieses Versprechens heute, und wie man hört, auch morgen keine Plenarsitzung des Congresses sein kann, wird voraussichtlich die Mißstimmung im Lande mehr und mehr steigern. UebrigenS muß man gerecht sein und zugeben, daß sich in jener Commissiou die principiellen Gegensätze so himmelhoch- *) In Abwesenheit des Rabbiners scheint etwa ein Sekretär die fltifrc entscheiden zu sollen. Wie geistreich! thürnren, daß man diese, wenn es überhaupt möglich, I sicher nicht so schnell Hinwegräumen kann. » Sonst ist aus dieser Sitzung nur noch hervorzu- » heben: 1. Der Voranschlag der Diäten rc. bis medio I Januar mit circa 21000 fl. (der für December betrug » circa 30000 fl.) sowie der Budgetbericht über die j Repartirung der Rückzahlung der Vorschüsse der Con- \ greß- und Wahlkosten, daß die Gemeindevorsteher der \ Wahlbezirke znsammentreten und diese Vertheilung auj tonom vornehmen sollen. 2) Eine hochwichtige Petil tion des Rabb. zu Hallas, zu deren Verständniß fol- E gende im Auslande kaum glaubliche Thatsache gehört. ) Im ganzen österreichischen Staate werden nämlich die j israelit. Soldaten zur Kirchenparade kommandirt und U müssen in der Kirche mit den übrigen an bewußter ja Stelle niederknieen. *) Die Petition richtete sich nun da- A hin, daß der Congreß zur Abstellung dieses unerhörß ten Vorganges beitragen möge. Die Petition wurde \ selbstverständlich der Petitionscommission übergeben und werde ich über diesbezügliche Verhandlung zur j Zeit Bericht erstatten. Schließlich noch die Anzeige, daß, wie ich höre, heute noch eine wichtige Sitzung j; der Schulcommisston über den größten „Feuerbrand" des Congreffes, nämlich den vertagten Antrag des Dr. Z Kohn bezüglich der Seminarfrage stattfinden wird. | Sollte ich die Resultate dieser Sitzung noch heute er- | fahren, so will ich sie Ihnen sofort mittheilen. j Nachschrift. Oben erwähnte Sitzung der Schulcommission, welcher um ihres besondern Interesses j willen, eine große Anzahl von Deputirten beiwohnten, - hat schon eine große Anzahl von Hauptrednern ins Treffen geführt. Da die Tagesordnung aber morgen fortgesetzt wird, so halte ich es für besser, dieses hochwichtige Thema für meinen nächsten Bericht zusammenzuhalten, zumal der gegenwärtige schon ohnedies übermäßig lang geworden ist. -! AeitungSttachrichterr und Correspon- ' denzen. I Deutschland. Würzburg Bezugnehmend auf die Mitthei-; lung in einer der jüngsten Nummer d. Bl., daß sich j dahier ein Comite zur Unterstützung unserer nothleidendm Glaubensgenossen an der russischen Gränze gebildet und einen deßfallstgen Aufruf hat ergehen lasten, freut es mich, Ihnen heute schon Nachricht von den - erfolgreichen Resultaten dieses Aufrufes geben zu können, indem bereits fünfhundert Thaler p. C. an das Unterstützungs-Comite nach Memel übermittelt *) Anm. des Correctors: In der neuesten Zeit hat nach einer Mittheilung des „Wiener Fremdenblattes" die österreichische Regierung diesem Uebelstande bereits abgeholfen.