Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1869)
- Date
- 1869-01-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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50 ich Hanau als den zwischen uns in der Milte gelegenen Ort zu unserer von uns beiden gewünschten Zusammkunst gewählt haben." Es zeigt dies wohl deutlich, daß der Wiener Exulant Enoch Levi, der sich als solcher in Fürth niederließ, nicht mit dem von Aschkenasi mit den größten rabbinischen Ehrentiteln genannten R. Chaggai Henoch Levi, verwechselt werden könne. Herr Kohn wußte uns aber weder den Ort, wo letzterer 1670 sein Rabbinat hatte, zu nennen, noch seinen Familiennamen anzugeben, obgleich Beide bereits 1776 von einem feiner Nachkommen in einem Buche betitelt: m\m"i nnppsox, genau beschrieben werden. „Von Seiten meines Vaters," erzählt er, „bin ich von der Familie Frankel, denn mein Großvater war ein Bruder von N. Hirsch (Frankel), der um Gottes Namen zu heiligen, zu ewiger Haft verurtheilt wurde. Der Vater dieses Glorreichen, war der Gaon Chaggai Henoch (Levi), welcher in Bamberg und Hanau Rabbiner war, und dessen Ruhm sich im Zemach David findet." In der Chronik, genannt Zemach David, Edition Frankfurt a. M. l692, und in den folgenden Ausgaben, wird nämlich von dem gefeierten Henoch Levi erzählt: — daß er Rabbiner in Hanau war, a. M. 5491 gestorben ist, vierzig Jahre hindurch täglich gesaftet und ein Buch, Rechtsgutachten enthaltend, hinterlassen hat. Laut dem Memorbuch der Synagoge von Hanau starb der große Rabbiner den 13. Tischri 5491, d. i. den 23. September 1690. Dr. Wiener läßt ihn schon vor 1689 sterben, und ritt sonach noch schneller als der Tod. Seine Schnelligkeit sidock machte Glück, zwei Geschichtschreiber schreiben ihm 1867 und 1868 nach, daß unser Rabbiner von Hanau dessen Exulant von Wien sei. Namentlich war es Herr S. Hänle, der in seiner Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach, S. 73 und 180, ebenfalls aus beiden Männern, Einen machte. Nach diesem Eingang gehen wir zur Lebensgeschichte unseres Rabbiners über. Unter den bedeutenden Gesetzeslehrern Deutschlands im 17. Jahrhunderts, ist es vor allen Henoch Levi,' oder Chaggai Henoch Levi, von der Familie Frankel (B'DiNn Dirr» ->vru.) Er wurde ums Jahr 1620 in Prag geboren, wo sein Vater David Levi Frankel als anerkannter Talmudist lebte. Später wurde David Levi als Rabbiner nach Eisenstadr in Ungarn berufen (Sota, p. 1212). Er war für seine Zeit ein sehr gebildeter Mann; ließ seine Kinder in deutscher Sprache unterrichten, und soll beim Herannahen seines Endes unter andern guten Lebens- Regeln und Erinnerungen, seinen Söhnen anbefohlen haben, sich kabbalistischer Künste, streng zu enthalten! (Sota, p. 1199). Die Söhne R. David Levi's waren, außer Henoch Levi, R. Chajim Levi, der im Jahre 1687, den 24. Januar, gestorben ist (Memorbuch von Hanau, p. 4.) Beide Brüder wurden als Rabbiner erzogen, und Beide zeichneten sich in ihrem Studium aus. Besonders widmete sich Henoch Levi dem Talmudstudium mit solchem Fleiße, daß er bei seinen glänzenden Anlagen bald berühmt wurde. Sein Ruf drang bis nach Wien, wo der angesehene Gemeindevorsteher Koppel Ritschest genannt der reiche Keppel von Wien, ihm seine Tochter zur Gattin gab (cpdwi ’ju Oiri' ivw). Alsbald schaarten sich Jünger um ihn, die an seinen reichen Kenntnissen ihren Wissensdurst befriedigten. Aber Henoch Levi war nicht nur ihr Lehrer, sondern auch ihr Wohlthätev. Er spendete ihnen täglich nicht nur seine himmlichen Schätze der Gelehrsamkeit, sondern auch seine irdischen Güter, die seine Frau ihm zugebracht hatte. Seine Wohlthätigkeit überhaupt kannte keine Grenze: er gab und gab Jedem, der töit ansprach, so viel, daß er am Ende selbst für sich nichts mehr hatte, und genöthigt war, Wien wie ein Vertriebener zu verlassen (ep dnh ’JS cnm "itottf, Sota, p. 1156). Er reiste mit seiner Familie nach Bamberg, wo das Rabbinat verwaist war. Henoch Levi übernahm dessen Verwaltung und entwickelte als Oberhaupt große organisatorische Thätigkeit. Seine Wissenschaft, seine Frömmigkeit und seine Toleranz, gewannen ihm alle Herzen sowohl bei Juden, als auch bei Christen. Er hatte Umgang und stand in brieflicher Verbindung mit den größten christlichen Theologen. Wir nennen.unter Andern R. Ephraim Cohen (a»-,sN ~iyw, Nr. 8 und 110), N. Gerson Oulif (miay, ’jW'jn Nr. 120), R. Jair Chajim Bacharach (mn ->'8', p. 2), Wagenserl, Arnold und Fronmüller. Letzterer, der Pastor zu Poppenried war, correspondirte fleißig mit ihm, und ist seine Antwort aus zwei Briefe de diversis Rabbinorum sententiis sibique c ontradicentibus mit demselben zu Altdors 1679 in 4 zusammengedruckt worden. Auch in Arnolds Nantlssa ad )VaAensei1ii Sotam findet man hin und wieder manches Denkwürdige von ihm. Besonders bemerkt man S. 1213 einen Brief, datirt vom 31. Dec. 1672 und Seite 1219, einen andern vom 4. Februar 1673. In Letzterem klagte er über Haß und Verläumdung von Seiten der Christen seiner Zeit. Hier seine eignen Worte: „Ich muß leider vernehmen, daß wir so viel gehaßt und über die Maaßen befeindet werden, in dem vermeinten, ungegründeten Vorgeben, als wenn wir Juden sollten die Christen verdammen; welches nicht allein durch unsere Schriften nicht zu probiren, sondern allein das Widerspiel zu probiren ist. Es ist auch wider alle Vernunft, daß eine Nation die Andere der Zeit verdammen sollte, derweil eine jede Nation vermeint, daß ihre Religion die Rechte sei; und ist darum keinem zu verdenken." (Forts, folgt.)