Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1869)
- Date
- 1869-01-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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26 liche ru ergänzen mir trotz angewandter Mühe bis jetzt nol nicht gelang. Dan ick in dieser Frage das Wort ergreife, wird der g. Eongreß natürlich finden, da ick, wie Sie aus den Druckblattern ersetzen, die unter Ihnen zu vertbeileu ich mir die Ehre gab, und auch wohl schon früher nnchten, zu etwas Aehnlickem schon lange die Initianve ergriffen habe. Ick werde erst die gegen den Antrag etwa geltend;u machenden Grunde refutiren. Diese sind: die Competenztrage und zwar, was für mick ebenso ernst, wie für irgend Einen im Saale ist, die Eompetenzüberschreitung nach der religiösen Seite. Allein: 1. ist tzier nur von einer nicht abzulengnenden seit Jahrtausenden b estehenden Institution und nicht von einer Schöpfung von Einrichtungen die Rede. Dieser Unterschied ist für mich sehr wichtig und maßgebend; 2. wird diese Angelegenheit nur mit einer Petition endigen, und Petitionen find eben keine selbstständige B e s ch l ü s s e; ll hängt diese Frage, wie ich mir weiter unten auseinanderzusetzen die Ehre geben werde, milder praktischen Ausführung des Gemeinde- und Schulstatutes zusammen, b) Rücksicht auf die öfseutlicke Meinung, die ich streng vom Haschen nach Popularität unterscheide. Letzteres hasse ich als eines selbstbewußten Mannes höchst unwürdig ans dem Innersten meines Herzens; erstcrer ist ein sehr wichtiger Factor zur öffentlichen Erziehung, und der nickt zu unterschätzende Sauerteig des Jahrhunderts. Wie verhielt sick nun die unverfälschte öfsentl. Meinung, als diese Frage von mir angeregt wurde? Die deutsche, französische, englische, ja auch die transatlantische jüdische Presse hat dieselbe mit größter Anerkennung besprochen, wovon die Blätter: Israelit, Ieschurun, Abendland, Univ. Isr., Iew. Cbron., Qccident und andere unzweideutige Zeugnisse bieten. Das in der ung. österreichischen Reickshauptstadt erscheinende Blatt eines Quidam sprühte natürlich Feuer und Flamme über den Urheber und die Sache, doch man merkt die Absicht und wird — nicht verstimmt. Wohl mag es noch einige Duodez - Blättchen geben, die lu verba maiustri schwören — denn „Brutus ist ein ehrenwertber Mann" und Phrasen von Rückschritt, Dunkelmännerthum x. sind noch immer billiger als Brombeeren; aber diese repräsentiren nicht die wahre öffentliche Meinung, der wir alle lauschen sollen; diese ist entschieden für uns. e) Schwierigkeit der für die Petition zu findenden, richtigen Adresse; die vorliegende Frage ist aber von so unendlicher Tragweite und Dringlichkeit, daß wir wohl die Hoffnung nicht aufgeben sollen für den so dringlichen Inhalt auch die richtige Form zu finden. Indem ich nun in das Merrtorische der Sache selbst erngehe, muß ich vor Allem fragen: was wollen wir denn eigentlich? Die kurze und bündige Antwort darauf ist: Nicht mehr und nicht weniger als j die Gewissensfreiheit. Wenn einer der bedeu-; tendsteu Koryphäen des Staatsrechtes die Gleichberech-! tigung so definirt, daß der Staat eine dem wahren j Gesammtwillen Lebensfähigkeit verleihende Verfassung gibt, so gilt dies rnutatig rnutauckis von der Komune ganz ebenso. Zur Lebensfähigkeit gehört aber unbedingt vor Allem die Entwickelung 'ämmtlicher bürgerlicher und socialer Kräfte. Ich stehe hier ganz einfach ' auf dem Boden der National -Oekonomie, und hatte ich heute vor ackt Tagen, fast in gleicher Stunde, das Glück, aus geheiligtem Munde die große Bedeutung der Israeliten Ungarns und Siebenbürgens für die vaterländische National-Oekonomie pronuncirt zu hören. Nun erleiden die ihren ratp haltenden Iehudim eine unsägliche Beschränkung und müssen für die Wahrung ihrer Gewissensfreiheit allwöchentlich eine im Verhältnisse ihres Geschäftes, progressive, gleichsam negative Steuer der Commune zahlen. Dürfen wir zu diesem himmelschreienden Unrecht schweigen, wäre dies nicht Selbstmord? Aber, wir werden nicht schweigen' Unsere Aufgabe als Vertreter der Israeliten Ungarns und Siebenbürgens ist es vielmehr, für die Freiheit auf religiösem Gebiete in die Schranken zu treten. Ja, nur die Dreiheit und nichts als diese will ick-! Und wäre ich der Erste, der Front machen würde, wenn der Antrag aus seiner apologetischen Form in irgend welche aggressive, wie: Intervention der Behörde nach Innen erweitert würde. Nur die Freiheit und ein Veto gegen Beschränkung derselben ist meine Tendenz. Verschließen Sie sich, g. C., nicht gegen die tausend Fälle tragischen Eonflictes, von dem jene innerlich durckwühlt werden, die gegen besseres Wissen und Gewissen der zwingenden Nothwendigkeit weichen zu müssen glauben, auf Kosten des anip rottf ihre Familie zu ernähren, während sie bei Hinwegräumen dieser Gelegenheit treu ihrem Gotte und ihrem Glauben bleiben würden. Ich darf mir wohl gestatten, Ihnen hier ein Factum unter tausend anderen mitzulbeilen. Einer meiner Freunde, Disponent in einem der hervorragendsten Geldinstitute ist Einer der rigorosesten Iehudim im praktischen Leben bis aus die Feier des rasr; und hat er mir schon oft mit Thränen in den Augen seine tiefe Bekümmerniß darüber geklagt, daß er eine so schreckliche Anomalie Platz greifen lassen müsse. Gehen wir aber einen Schritt weiter. Sie kennen die horrende Kluft zwischen Schule und Haus in Bezug auf die Heilighaltung des P2V. Von den Fällen, wo die Eltern ohne Conflikt der entgegengesetzten Belehrung ihrer Kinder entgegensteheu, will ich hier nickt sprechen; nur von den Fällen, in denen dieses mit tiefer Beschämung gegen besseres Wollen ge- . schieht. Nun, meine Freunde, sollten wir nichts thun, um diese Scham der Eltern gegen ihre eigenen Kinder möglichst zu verhüten? Und sollten wir ferner denn gar nichts zu thun für opportun halten, um solche Kinder, die vielleicht später der Verlockung gegenüber sich stärker als die Eltern zeigen würden, vor solcher jahrelanger Angewöhnung zu bewahren? Ich sagte oben, daß dieser Antrag auch in einer