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Der Israelit · 1868-12-02 · Heft 49 (2.12.1868) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 49 (2.12.1868)
Date
1868-12-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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923 schaft strebte, mußte endlich auch zur ausgiebigen Erörterung in der Nationalversammlung gelangen. Am 12. April wird der Antrag, den katholischen Glauben für den nationalen zu erklären, förmlich gestellt und von der Geistlichkeit und ihrem Anhang mit leidenschaftlichem Eifer unterstützt und vertheidigt; eS war für diese eine Gelegenheit, die einen Triumph über die Linke verschaffen konnte, und sie sollte genutzt werden. Man begnügte sich dieses Mal nicht damit, im Hause selbst Alles aufzubieten, um den Beschluß durchzusetzen; als die Versammlung die Debatten abbrach und ihre Entscheidung vertagte, da zogen die Clericalen aus unter ihren Führern, um in besondern Zusammenkünften die Haltung der Majorität der Volksvertreter mit Heftigkeit onzugreifen und auf neue Demonstrationen zu sinnen, um für den Fall, daß ihr Antrag in der Nationalversammlung eine desinitive Ablehnung erführe, zur Hilfe gegen die siegreichen Liberalen aufzurufen. Allein es zeigte sich ein mächtiger Gegner all dieser entworfenen oder vorbereiteten Pläne in der öffentlichen Gesinnung, wie sie das Volk von Paris, die Intelligenz des Landes, zum Ausdruck brachte. Als am 13. nach der erregtesten Discussiou, bei der die reactionäre Partei mit der ganzen Fülle ihrer verzweifelten Mittel auftrat, die Nationalvertretung schließlich die ihr angesonnene Erklärung durch Uebergang zur Tagesordnung beseitigt hatte: da zeigte die Pariser Bevölkerung so volles Einverständniß mit diesem Beschlüsse und ertheilte denen, die ihn hatten bekämpfen Helsen, so unzweideutige Zeichen ihres Mißfallens, daß in ihr aus eine Stütze der kirchlichen Interessen nicht länger gerechnet werden konnte. Es wäre selbst natürlicher für die Geistlichkeit gewesen, in der Nationalversammlung auf Unterstützung ihrer Ansprüche zu hoffen. Denn hatte man hier ihren Antrag auch abgelehnt, so war doch in der That die Motivirnng dieser Entscheidung die ehrerbietigste gegen den katholischen Glauben gewesen 3), und als gleich darauf oie finanzielle culte rendu en toinmuu ü, ladiviuite; mais l’experience des si&cles passes n’a que trop appris combieu la tranquillite et l’iuteret meine de l’etat exigent que la religion catholique eontiriue k jouir soule dans le royaume k titre de religion nationale de la soleunite du culte public. 3) Die von Larochefoucault vorgeschlagene und von der Versammlung angenommene Tagesordnung lautete: L’assemhlee nationale considerant qu’elle n’a ni ne peut avoir aucun pouvoiv k exerccr sur les consciences et sur les opinions religieuses; que la majeste de la religion et le respect profond qui lui est du ne pennettent pas qu’elle devienue I’objet d’une deliberation; considerant que l’attachement de l’assemblee au culte catholique, apostoliqne et romain ne saurait etra mis en doute dans le moment meme, oü ce culte seul va etre mis par eile k la premiere classe des depenses publiques et oü par un mouvement unanime eile a prouve son respect de la seule manifere qui pouvait convenir au caractere de l’assemblee nationale: a decrete et decr&te, qu’elle ne peut ni ne doit deliberer sur la motion Seite des Verhältnisses von Kirche und Staat festgestellt wurde, da war es wieder nur der katholische Cultus, dem man die Bestreitung der Bedürfnisse von Staatswegen zusicherte* * 4). Die Versammlung hatte in denselben Tagen fernere Gelegenheit, von ihren Gesinnungen Zeugniß zu geben. Für die Abendsitzung des 15. April war als Gegenstand der Berathung die Angelegenheit der Juden in Elsaß und Lothringen festgesetzt, die staatliche Stellung, welche sie künftig einnehmen sollten, und die ihnen durch die bisherigen Beschlüsse noch nicht war angewiesen worden. Einige einleitende Mittheilungen hatte man erledigt, und der Uebergang zur wichtiger» Verhandlung sollte stattfinden; da verlangten plötzlich mehrere Mitglieder, daß zunächst der Bericht angehört werde, den eine Commission zu erstatten habe. Nach einiger Debatte wurde diese Anmuthung doch zurückgewiesen; aber nun erhob sich offene Opposition gegen das, was zur Berathung stand. Zuerst ist eö wieder der Abbe Maury, der in schmähenden Worten und höhnender Weise wider die Ansprüche der deutschen Juden auftritt. Ihm gesellt sich sofort Rewbell zu, und nachdem er seinen Antrag auf weitere Vertagung der Frage mit dem formellen Grunde gerechtfertigt hat, daß ein so wichtiger Gegenstand nicht in einer Nebensitzung dürfe entschieden werden, so kommt man noch auf das oft gebrauchte Argument zurück, die Juden hätten von der Wuth des aufgebrachten Volkes Alles zu fürchten, wenn ein Gesetz ihnen tie Emancipation gewähre. Dem gegenüber werden aber auch von der liberalen und judenfreundlichen Seite Stimmen laut; in scharfem Widerspruch mit den Vorrednern hebt man die Gefahr hervor, die einem unterdrückten Stamme drohte, wenn bei der Reform aller Verhältnisse die constituirenden Gewalten sich seiner zu erinnern verschmähten; war dagegen behauptet worden, die Juden seien bei jedem ihnen günstigen Beschlüsse der Gesetzgeber Ausbrüchen d:ö öffentlichen Unwillens ausgesetzt, so werden Aeußerungen jüdischer Vertrauensmänner angeführt, die eine ganz andere Ansicht von der Autorität der Nationalversammlung bekunden, als ein Theil ihrer eigenen Mitglieder zu hegen scheint, und eine bessere Meinung über das französische Volk, als die Worte von einigen seiner Vertreter; aus diesen Gesichtspunkten verlangt man, daß der steten Verschiebung der Frage von Sitzung zu proposee et qu’elle va reprcndro l’ordre du jour concernant les biens eeclesiastiques. 4) Wie in der Tagesordnung versprochen war, wurde am 14. April beschlossen: Hans l’etat des depenses publiques de cliaque annee il sera porte une soinnie süffisante pourfournir aux frais du culte de la religion catholique, apostolique et romaine. (Im ursprünglichen Entwurf standen allerdings die letzten Worte de la . . . romaine nicht; sie wurden dann aber auch von der Linken gebilligt.);

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