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Der Israelit · 1868-11-25 · Heft 48 (25.11.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 48 (25.11.1868)
Date
1868-11-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Man höre und staune! Bei Gelegenheit verschiedener Judenverfolgungen waren Juden und Jüdinnen gezwungen worden, zum Christenthume überzutreten. Diese Neuchristen nannte man Marannen. Nun wurden die Juden beschuldigt, diesen Marannen bei der heimlichen Ausübung der jüdischen Religion Vorschub zu leisten. Das war ihr ganzes Vergehen. Sie wurden nicht des Wuchers, nicht des Betruges angeklagt; man ersann nicht die Fabel vom Blute gemordeter Christenkinder wie so oft in Deutschland; man klagte nicht ob geschändeter und entweihter Hostien — man sagte nur, die Neu'risten werden durch die Juden in ihrer Neigung zum Judenthume bestärkt, und das genügte, um eine halbe Million der tüchtigsten und gediegensten Bürger aus einem Lande zu trüben, in welchem sie fünfzehnhundert Jahre und länger ansässig waren. So verblendet war man damals, so sehr war in jener Zeit der Sinn für Recht und Gerechtigkeit abhanden gekommen! Wir lassen zur Bestätigung des Gesagten das mehrgenannte DerbannungSdecret in wortgetreuer Ueberfetzung hier folgen. ßdict von Ilerdirmnd und Ifavessa, betreffend die Kertreiöung der Juden, gegeben zu Kranada am 30. März 1492. „Man hat Uns mitgetheilt, daß in diesen Unseren Königreichen schlechte Christen eristiren, welche von unserm heiligen katholischen Glauben weg, zum Judenthume und zur Ketzerei Hinneigen, und daß die Hauptursache davon der Umgang zwischen Juden und Christen ist; in Folge dessen haben Wir bereits mit den von Uns zu Toledo im Jahre 1480 abgehaltenen Cortes verordnet, daß die obbenannten Juden in allen Städten, Flecken und Dörfern in Unfern Königreichen und Herrschaften in getrennten Judengassen abgesondert leben und wohnen sollten, indem Wir hofften durch ihre Absonderung jenes Uebel zu heilen. Außerdem haben Wir die Inquisition in Unsere Königreiche eingesührt, welche, wie bekannt, viele schuldige Personen entdeckt hat. Die Inquisitoren nun und viele andere religiöse, geistliche und weltliche Personen haben Uns mitgetheilt, daß großes Unrecht geschehen ist und geschieht, indem es ausgemacht und offenbar ist, daß durch den Umgang, die Gesellschaft und das Zusammensein mit Juden gläubige Christen von Unserm heiligen katholischen Glauben abgewendet werden; sie (die Juden) suchen sie (die Marannen) in jeder j Weise zu ihrem schädlichen Glauben hinüberzuziehen,! belehren sie in den Ceremonien und Vorschriften ihrer! Religion, halten Zusammenkünfte, in welchen sie ihnen vorlesen unv sie belehren, was sie ihrer Religion gemäß glauben und beobachten sollen, suchen sie und ihre Kindern zu beschneiden, geben ihnen Bücher, auö welchen sie ihre Gebete lesen sollen, erklären ihnen die zu beobachtenden Fasttage, versammeln sich mit ihnen, ihnen vor^ulesen und sie zu lehren die Geschichte ihres Gesetzes, bezeichnen ihnen die Festtage und unterrichten sie von dem, was sie an ihnen zu thun haben, liefern ihnen ungesäuertes Brod und Fleisch von nach ihrer Ceremonie geschlachteten Thieren, belehren sie, von welchen Speisen und andern Dingen sie sich zu enthalten haben, um den Pflichten ihrer Religion nachzukommen, und überreden sie, so viel sie können, zu bekennen und festzuhalten an dem Gesetze Mosts, indem sie ihnen zu verstehen geben, daß es außer diesem keine Wahrheit gibt. Das Alles geht hervor aus vielen Erklärungen und Geständnissen sowobl von Juden selbst als auch von ihnen Verführten, woraus großes Unrecht, Schaden und Schande für Unfern heiligen katholischen Glauben entspringt. Wiewohl Wir nun den größten Theil von dem! Gesagten schon früher wußten, wiewohl Wir überzeugt! waren, daß das sichere Mittel gegen alles dieses Un! recht und alle diese Unzulänglichkeiten darin bestand,! die genannten Juden von aller Gemeinschaft mit Chri! sten zu trennen und sie aus allen Unfern Königreichen! zu verbannen, so wollten Wir Uns doch damit begnügen! ihnen zu befehlen, alle Städte, Flecken und Dörse» Andalusiens, wo sie den größten Schaden anzurichtei» schienen, zu verlassen, hoffend, daß das genügen würd» und das die Juden anderer Städte, Flecken und Dör! fer aushören würden, ein Gleiches zu thun. I „Man hat Unö jedoch benachrichtigt, daß weder diese» noch die Hinrichtung schuldig befundener Juden sicW als ein vollständiges Heilmittel erwiesen hat, der Sckän-! düng und Beleidigung gegen den katholischen Glaube» Einhalt zu thun. I „Da es nun feststeht, daß die Juden, wo immer! sie wohnen und in Gemeinden leben, täglich in ver« stärktem Grade ihre schlechten und ruchlosen Plan» fortsetzen, so wollen Wir sie, um ihnen künftig di» Gelegenheit zu entziehen, Uniern heiligen, katholische» Glauben zu beleidigen, aus Unfern Königreichen ver» bannen; denn sowohl diejenigen (Marannen), welch» Gott bis jetzt gnädig behütet hat, als auch diejenige!» welche bereits gefallen, aber zu unserer heiligen Mutter^ kirche (gewaltsam) zurückgesührt sind, würden der! Schwäche ber menschlichen Natur und der Einflüste! rung des Teufels, 8er beständig Krieg mit uns führt! unterliegen, wenn rilcht die Hauptursache dazu (di» Berührung mit den, treugebliebenen Juden) entfern» werden würde. — I „Wenn ein schweres »nd verabscheuungswürdige» Verbrechen durch die Mitglieder eines Collegiums oder!

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