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Der Israelit · 1868-11-11 · Heft 46 (11.11.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 46 (11.11.1868)
Date
1868-11-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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8*9 England. London Sir Moses Montestore begibt sich nach Italien, nm daselbst in einem milderen Klima die Wintermonate zu verbringen. Derselbe ist nunmehr 64 Jahre alt; möge er noch recht lange der Welt erhalten bleiben. London. Herr L. M. v. Rothschild hat der „ All. JSr." 400 L. (4800 fl.) zur Errichtung einer jüdischen National-Bibliothek übergeben. Außerdem hat derselbe versprochen, jährlich 10 L. (420 fl.) für diesen Zweck zu geben. Rumänien. Jassy. Der „Ourierul de Jassy“, ein gegen die Juden feindseliges Blatt, schreibt in seiner Nummer vom 29. September: Das Vergnügen der Schüler zuIassy während ihrerErholungsstunden besteht darin, die Juden auf den Straßen und in den öffentlichen Gärten zu jagen und zu malträtiren. Eine ähnliche That geschah vergangenen Freitag in der Nähe des Hauses des Juden Neusckatz. Mehrere Schüler des College national und des Trei Erarhi warfen Steine auf jüd. Kinder, welche sich daselbst befanden. Die Kinder entfernten sich, aber die Schüler verfolgten sie mit Steinwürfen. Mehrere Steine, die durch die Fenster in das Haus des Herrn Lourghelli gedrungen, verwundeten eine Magd. Zufrieden mit ihren Erfolgen, manifestirten die Schüler durch Brüllen ihre volle Satisfaction. Die Polizisten, von diesen Heldenthaten benachrichtigt, schickten die Reclamationen den Profefforen, indem sie mittheilen ließen, daß sie ihre Posten nicht verlassen dürfen, sie hätten viel Wichtigeres zu thun, als Juden zu Verth eidigen. Serbien. Belgrad. Wie das „Echo Danubien“ schreibt hat man in Belgrad Versuche gemacht, ähnliche Excesse gegen die Juden daselbst hervorzurufen, wie sie in Galatz stattgefunden haben. Feuilleton. Kie ßmancipation der Juden iu Frankreich. Aus den Quellen bearbeitet von Gmannet «Leser. (Fortsetzung.) Wenn die Fassung dieses Artikels auch nicht für eine vollkommene Gleichstellung der verschiedenen Confessionen und für die Gleichberechtigung der Bekenner derselben eine sichere Grundlage fcot,1) so war durch seine Annahme doch die Stellung de« alten Staate« zu den Religionen ausgegeben, und Hoffnungen waren geweckt für die Zukunft. Allerdings hatte sich schon gegen die Aufstellung der Principien der Toleranz eine so starke Opposition erhoben, daß sich wohl vorauöfehen ließ, wie die Bestrebungen der aufrichtig und entschieden Freidenkenden nur schwer und allmählich sich Geltung verschaffen mochten. Daß diese Stimmung der Nationalversammlung gerade für das Schicksal der Juden besonders bedeutsam werden mußte, war in der bisherigen Stellung des jüdischen Volkes begründet; wie sie sich äußerte, betrachten wir, die weitern Verhandlungen des Hauses verfolgend. Der Abbe GrLgoire hatte verlangt, daß ihm in einer besondern Sitzung Gelegenheit gegeben werbe, der Versammlung Mittheilungen zu machen über die Lage und die Wünsche der Juden des Landes, und ihre Befreiung, ihre Ausstattung mit den Bürgerrechten zu beantragen; es wurde dafür der Abend des 2. September bestimmt, und die öffentliche Meinung nahm mit größter Zuversicht an, die Vertreter des französischen Volkes würden dem erwarteten Antrag, den eine erleuchtete Gesinnung eingegeben, ihre volle Zustimmung alsbald ertheilen2). Allein sie sollte durch den Erfolg eines Andern belehrt werden und eine der ersten Enttäuschungen, die ihr die Nationalversammlung bereitete, gerade in dieser Frage, erfahren. Als nach Eröffnung der Sitzung Grsgoire seine Vorstellungen an das Haus zu richten sich anschickte, fand sich plötzlich ein anderer Gegenstand, über den man vorher noch kurz berathen wollte; wider alles Erwarten dehnte sich diese eingeschobene Verhandlung so sehr aus 3), daß man an eine endgiltige Entscheidung über den eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung 1) Mirabeau greift in seinem Blatte (Courrier de Provence Ko. 31 p. 44 f.) die Entscheidung der Nationalversammlung resp. die Verwerfung der Aufnahme der Kultusfreiheit heftig cm, indem er zugleich die gewährte Gewissensfreiheit, wie schon Rabaut in seiner Rede gethan, als nichtssagend nachweist: rMais, disent les partisans d’une religion dominante, nous ne pretendons pas gener la libert6 des consciences“. — Voilä certes une belle faveur: vous laissez k vos fr&res ce que les tyrans n'ontjamais pu Gter k leurs ennemis! Mir. durchdringt hier wie überall mit klarem Auge die Lage der Dinge und das Verhältniß der Gegensätze, während das «Touraal de Paris, mit der Proclamirung der Gewissensfreiheit sehr zufrieden, sich nur über die Heftigkeit der vorhergegangenen Debatte wundert, da doch die Redner „si pres des meines Sentiments“ gewesen. 2) Das „Journal de Paris (Nr. 247) schreibt vor der Sitzung über die Bitte der Juden: Le succes d’une pareille demande ne peut gueres Stre douteux dans ]*assembl£e de 1789. 3) Die Assemblee nationale de 1789 gibt an der einschlagenden Stelle (im 8. Dd.) ihrem Erstaunen Raum, daß eine so einfache Angelegenheit (es handelte sich um die Ernennung einer volkswirthschastlichen Commission) die ganze Sitzung in Anspruch genommen habe.

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