Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1868)
- Date
- 1868-10-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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824 Einen Th eil d.;r Versammlung jedoch bilden die fortgeschrittenen Denker, die sich von der überlieferten Ansch mung frei gemacht haben, daß der Staat einen bestimmten Glauben als Stütze wie als Gegenstand seines besonder» Schutzes zu betrachten ba^e2). ie wollen keine Ausnahmsbestimmungen über die religiöse Frage; sie behandeln die religiösen Meinungen gleich allen übrigen, und ein Theil gesenkt ihrer nicht einmal ausdrücklich neben diesen3). Die einzelnen Mitglieder des Hauses hatten ihren Ansibten Ausdruck gegeben; es war noch übrig, daß die Majorität sprach und feststellte, was die Nationalversammlung als Rechte des Menschen und Bürgers anerkannte. Es wurde dabei das Verfahren beobachtet, daß man einen der eingereichten Entwürfe als Grundlage nahm für die Form der Akte, indem Aenderungen nach den Ansichten des Hauses in den einzelnen Punkten ne troublcnt poiut l’harmonie generale et l’ordre re<?u public et dominant daus la soeicte. Go)i<jes-Curton (Ass. nationale de 1789 II No. 31) LXX von der Nothwendigkeit des öffentlichen Cultus LXXI. Aucun membre de la societe ne pourra sous aucun pretexte etre inquiete pour ses opinions religieuses. II ne doit point cesscr de jouir de tous les droits du citoyen taut qu’il se conforme aux lois et qu’il ne trouble pas le eulte public. (Gäbet, Proces Verbaux de l’assemblee nationale I. 445); Que le eulte public volontairement adopte par le peuple fran<;ai.s doit etre religieusemeut pratique et dirige par l’egiise gallicane, saus qu’aucun citoyen ou etraug'er puisse etre trouble ou inquiete dans l’exercice d’une autre religion. 2) Rouffcau's Schüler gehen in dieser Frage noch über den Meister hinatts, der doch seine Naturreligion vom Staate garantiren läßt. (Vergl. contrat social I. IV clmp. 8 und den Commentar dazu im ersten der lettres ecrites de la montagne). Nur Robespierre hat später bewiesen, daß er auch in dem Punkt die alte Lehre am treuesten bewahrte. 3) Nur beiläufig sagen Rabaut und Thouret: jener Hors ce en quoi il pourrait nuire 4 autrui la societe ne peut coutraindivaucun liomme .... dans sa religion; dieser liberte de conscience et d’opinion religieuse Sieyes und (Du droit primitif et inalienable drivent) Lafaijette spre» chen nur im Allgemeinen von Gedanken und Gefühlen, die Jeder das Recht habe zu äußern (manifester, exerc r), und in Mirabeau's Entwurf vom 17. August ist hierher auch bloß die Stelle zu ziehen: Libre dans ses pensees et meine dans leur manifestatiou, le citoyen a le droit de les repandre par la parole, par l’ecriture, par 1’impression, sous la reserve expresse de ne pas donncr atteinte aux droits d’autrui. Diese Männer laffen hinter ihren Worten eine Ansicht über die Trennung von Staat und Kirche vermuthen, wie sie der große Condorcet offen ausgesprochen hatte in seiner Schrift Declaration des droits, wo es heißt: Que chacun, puisse suivre tel eulte qu’il jugera 4 propos saus devoir etre pour ses actes exterieurs de religion soumis ä d’autres reglemeata de police que ceux 6tablis pour les actious etrang4res 4 la religion dans le seul but d’empecher chacun de gsner la liberte et le repos d’autrui. Und noch mehr: De corps legislatit ne pourra, sous aucun pr6texte, ni etablir aucune taxe pour payer les frais d’aucun eulte, ni affecter 4 cet usage aucune propriete appartenant 4 la nation, ni souffrir qu’aucune propriete y soit ou y reste affectee. Mais le eulte sera payö par les contributions volontaires ou d’aprös des conventions formees librement. ' Vorbehalten waren, und zwar wählte man denjenigen, j welchen das sechste der Bureaux vorgeschlagen, in die > sich das Haus getheilt hatte. Als sein Verfasser galt! der Bischof Delafare von Nancy, und wenn wir die - Sätze ins Auge fassen, die von der Religion und ihrem i Verhältniß zum Staate handeln, so fällt es in der That nicht schwer zu glauben, daß sie aus der Feder eines Geistlichen geflossen seien4 5). Es ist in ihnen die Anerkennung eines vom Staate geschützten Glaubens und Cultus ausgesprochen, während auf der andern Seite die Gewissensfreiheit nicht ausdrücklich und nur mit unbestinunten Worten Gewährleistung findet. Die Versammlung kam zur Berathung dieser Artikel des ihren Diskussionen zu Grunde liegenden Entwurfs am 22. August. In der Natur der Frage war es begründet, daß bei der Debatte die entgegenstehenden Meinungen nach zwei Extremen sich zufpitzten. Betonten die Einen die Staatsreligion, der das sechste Bureau zwei Sätze seiner Erklärung der Menschenrechte gewidmet hatte, so waren andre Abgeordnete bemüht, die Gewissensfreiheit, die der Entwurf nur leise berührte, in umfassender Weise vom Hause proklamiren zu lassen. So setzte Mirabeau alsbald seine ganze Beredsamkeit daran, die Streichung der Artikel sechzehn und siebzehn des Entwurfs, die eben die Nothwendigkeit von Religion und Cultus aussprachen, von der Versammlung zu erreichen; er will statt jener Principien, denen er den Platz in der Erklärung der Menschenrechte bestreitet, das Recht der Gewissensfreiheit als ein von den französischen Gesetzgebern anerkanntes ausgenommen sehen. Es ist mehr als Duldung, was er verlangt; er will die unbeschränkteste religiöse Freiheit und als ihr Zeichen ungehinderte Religionsübung für Jedermanns. Seiner Ansicht, die noch einen warmen Fürsprecher in Delaborde, Abgeordnetem von Etampes, gefunden hatte,6) verleiht der Graf Castel- 4) Projet du sixieme bureau: 16. La loi ue pouvant atteindre les delits secrets c’est 4 la religion et 4 la morale k la suppleer. 11 est donc essentid pour le bou ordre rnßrne de la societe que l’une et l’antre soient respect£es, 17. Le maintien de la religion exige un eulte public. Le respeet pour le eulte public est donc indispensable. 18. Tout citoyen qui ne trouble point le eulte etabli ne doit point etre inquietd. 5) Vergl. bei Buchez et Roux, Histoire parlementaire de la revolution II. 324 f. M.'s Rede, worin es u. A. heißt: La liberte la plus illimitee de religion est k mes yeux un droit si sacre que le mot tol£rance qui essaie de l’exprimer me parait en quelque sorte tyrannique lui - meine, puisque l’existence de l’autorite qui a le pouvoir de tolerer attente k la Iibert6 de penser par cela meine qu’elle tolere et qu’ainsi eile pourrait ne pas tol&rer . . . Le libre exercice d’un eulte quelconque est un droit de chacum. 6) La liberte de la religion, sagt er, est un bien sacr4 qui appartient 4 tout citoyen. Respectons les cultes 4trangers, pour que I’on respecte le ziätre . . . Notre eulte ne doit porter aucun empSchement 4 l’exercice des religions.